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Tobias Kollmann gibt den Vorsitz im Beirat "Junge Digitale Wirtschaft" ab

Interview mit Tobias Kollmann : „Ein Digitalministerium wäre in der aktuellen Situation nicht schlecht gewesen“

Sieben Jahre leitete der Hochschul-Professor den Beirats „Junge Digitale Wirtschaft“ des Bundeswirtschaftsministeriums. Nun tritt er zurück – und verrät, welcher große Wunsch sich bis zuletzt nicht erfüllt hat.

Es sollte ein Signal sein: 2013 rief der damalige Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler einen Beirat mit Vertretern aus der deutschen Gründerszene ins Leben. Start-ups wurden plötzlich ein Thema für die Politik. Auch Röslers Nachfolger hielten an dem „Beirat Junge Digitale Wirtschaft“ fest. Dessen Sprecher, der Professor Tobias Kollmann von der Uni Duisburg-Essen, gibt sein Amt nun nach sieben Jahren ab – und zieht vor dem Treffen des Beirats am Donnerstag Bilanz.

Ausgerechnet in der Corona-Krise, die der Digitalisierung in Deutschcland einen Schub gibt, legen Sie das Amt nieder. Wieso?

Kollmann Die Entscheidung war schon länger gefallen, ich hatte den Minister schon Ende des vergangenen Jahres informiert. Der Beirat soll für die junge Digitalszene sprechen – und ich bin kürzlich 50 Jahre alt geworden. Ich finde es wichtig, dass jetzt die nächste Generation übernimmt.

Heute hat gefühlt jeder Minister einen digitalen Beirat, inklusive Kanzlerin. Braucht man Ihren Beirat überhaupt noch?

Kollmann Klar gibt es jetzt mehrere, aber die Mutter aller Digitalbeiräte waren wir. Damals haben wir Pionierarbeit geleistet und versucht, das Thema überhaupt erstmal zu etablieren.

Was war für Sie der größte Moment in dieser Zeit?

Kollmann Das war definitiv die Chance, im Élysée-Palast auf der deutsch-französischen Digitalkonferenz zu sprechen vor Sigmar Gabriel und Emmanuel Macron. 

Und was hatte den größten Einfluss?

Kollmann Der Wagniskapitalzuschuss für Business Angels ist aus unserem Kreis getrieben worden – das hat sicherlich Wirkung entfaltet. Auch das Einwanderungsgesetz für IT-Fachkräfte ist ein Meilenstein. Das haben wir jahrelang gefordert und begleitet. Oder nehmen Sie Calliope, diese Bastel-Platine, die aus unserem Kreis als Projekt mitentstanden ist und den Digitalunterricht an Schulen fördern soll. Wir haben auch sehr viel bei der Vorbereitung der EU-Ratsmitgliedschaft von Deutschland geholfen, die jetzt ja bevorsteht und Europa eine digitale Agenda bringen soll.

Sie haben auch viele Ideen für das Rettungspaket für Start-ups geliefert. Viele Ihrer Vorschläge wurden am Ende aber nicht übernommen – frustriert Sie so etwas?

Kollmann Nein. Ich habe zwei Dinge in sieben Jahren politischer Arbeit gelernt. Erstens: Wer nichts fordert, kriegt nichts. Und zweitens: Manchmal muss man auch mit dem zufrieden sein, was man bekommt. Entscheidend ist, dass man insgesamt vorwärts kommt. Und das ist passiert.

Gibt es trotzdem Enttäuschungen?

Kollmann Natürlich haben wir auch nicht alles geschafft, was wir uns vorgenommen haben. Es gibt zum Beispiel immer noch kein Digitalministerium. Dabei wäre das in der aktuellen Situation sicherlich nicht schlecht gewesen.

Das könnte sich ja 2021 ändern.

Kollmann Das hoffe ich und das werde ich auch ohne meinen Beiratsvorsitz weiterhin fordern. Klar ist allerdings auch: Es reicht nicht aus, nur ein solches Ministerium zu haben – im zweiten Schritt muss es auch mit den richtigen Köpfen aus Politik und der Digitalszene besetzt werden.