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Studenten-Job-Vermittlung Studitemps aus Köln bekommt frisches Kapital

Zeitarbeitsfirma für Studenten : Studitemps bekommt frisches Kapital von Investoren

Das Kölner Unternehmen Studitemps betreibt Deutschlands größte Plattform für studentische Zeitarbeit. Trotz Corona-Pandemie konnte man zuletzt stark wachsen – und bekommt nun weiteres Kapital für die Digitalisierung.

Das Kölner Unternehmen Studitemps bekommt 9,2 Millionen Euro frisches Kapital von seinen Investoren. Das Geld will die Plattform für studentische Zeitarbeitskräfte nach eigenen Angaben in den Ausbau der eigenen Technologie investieren. So soll unter anderem künstliche Intelligenz (KI) dabei helfen, passende Jobs für Studierende zu finden. „Ziel ist es, dass Studierende sich so einfach und schnell einen Job per App sichern können, wie sie sich online Essen bestellen“, sagt Studitemps-Geschäftsführer Eckhard Köhn.

Das Unternehmen wurde 2008 von Andreas Wels und Benjamin Roos in Köln gegründet. Die beiden waren damals erst 23 bzw. 22 Jahre alt. „Während meines Studiums habe ich oft keine passenden Jobs für Studenten gefunden“, hat Benjamin Roos mal erzählt. Umgekehrt hätten die beiden Gründer während der Arbeit für eine studentische Unternehmensberatung gemerkt, wie zeitintensiv es für Unternehmen sei, Aushilfskräfte für Auftragsspitzen zu rekrutieren. „Aus diesen Erfahrungen entstand die Idee zu Studitemps“, so Roos.

Inzwischen sind die beiden Gründer nicht mehr operativ im Unternehmen tätig und halten laut Angaben aus dem Handelsregister auch keine Anteile mehr an der Firma. Diese wird seit einigen Jahren bereits von Eckhard Köhn geführt.

Unter seiner Führung konnte das Geschäft in den vergangenen Jahren weiter ausgebaut werden, unter anderem durch die stärkere Fokussierung auf Technologie. Speziell im Corona-Jahr 2020 wuchs das Unternehmen nach eigenen Angaben stark. Der Umsatz stieg um rund 20 Prozent auf 94,7 Millionen Euro. Aktuell beschäftigt Studitemps knapp 10.000 Studierende, die es als Zeitarbeiter an Firmen vermittelt. Die Dienste der jungen Arbeitskräfte waren im vergangenen Jahr speziell im Einzelhandel und in der Logistik gefragt. Das Unternehmen vermittelt aber beispielsweise auch Arbeitskräfte in Impfzentren. Über eine App können sich die Studierenden nach Firmenangaben quasi tagesaktuell bei Jobs einbuchen.

An der Kapitalerhöhung beteiligten sich ausschließlich die Altgesellschafter. Renommierte Risikokapitalgeber wie HV Capital (früher Holtzbrinck Ventures), Iris Capital oder Btov hatten in den vergangenen Jahren bereits insgesamt knapp 25 Millionen Euro in Studitemps investiert. Mit der nun erfolgten Kapitalerhöhung steigt das Investment auf knapp 34 Millionen Euro. Risikokapital ist in der Regel ein Engagement auf Zeit, bei dem die Investoren irgendwann durch einen Verkauf oder Börsengang Gewinne machen wollen. HV Capital ist beispielsweise bereits 2008 eingestiegen, begleitet das Projekt also schon seit mehr als zehn Jahren. Ewig dürften die Investoren also nicht bereit sein, weiter in das Unternehmen zu investieren.

Doch in den vergangenen Jahren gab es immer wieder Verluste. 2019 lag der Umsatz beispielsweise bei rund 79 Millionen Euro, unter dem Strich stand allerdings ein Verlust von 839.000 Euro. 2017 lag das Minus sogar bei 2,3 Millionen Euro, 2016 bei mehr als 7,4 Millionen Euro. Lediglich 2018 machte man einen kleinen Gewinn. Das Ergebnis (Ebit) dürfte auch im vergangenen Jahr negativ gewesen sein. Ein Sprecher betonte allerdings, dass Gewinne derzeit nicht im Fokus stünden und auch nicht vorgesehen seien, da sich Studitemps auf Wachstum und Digitalisierung konzentriere.

Für diesen Kurs hat sich Studitemps auch seit einiger Zeit schlanker aufgestellt. Beschäftigte man früher (abgesehen von den Zeitarbeitskräften) rund 350 Mitarbeiter, sind es nun nach Unternehmensangaben etwa 300. Dafür stieg zuletzt die Zahl der als Zeitarbeitskräfte beschäftigten Studierenden stark an. Ob man allerdings das selbst gesteckte Ziel erreicht, bis 2022 insgesamt 20.000 Studierende monatlich zu beschäftigen, ist unklar. Die aktuelle Zahl der Arbeitskräfte müsste dafür in den nächsten Monaten mehr als verdoppelt werden.

Curt Gunsenheimer, Managing Partner beim Investor Iris Capital, gibt sich jedoch optimistisch: „Von den knapp drei Millionen Studierenden in Deutschland gehen die Hälfte bis zwei Drittel einem Job neben dem Studium nach – hier gibt es für Studitemps also noch riesiges Potential, welches das Team sicherlich ausschöpfen wird.”