Start-ups aus NRW können weniger Risikokapital einsammeln

Auswertung der Unternehmensberatung EY : Start-ups aus NRW können weniger Risikokapital einsammeln

Noch nie wurde so viel Risikokapital in Deutschland investiert wie in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres. Von dieser Entwicklung profitieren besonders Bayern und Berlin, NRW fällt im Ländervergleich zurück.

2000 Start-up-Ideen prüfen Christian Winter und sein Team pro Jahr. In acht bis zehn davon investiert der Risikokapitalgeber TEV. „Wir sind Meister im Absagen“, sagt dessen Chef Winter. Es sagt also einiges über die Qualität eines Start-ups aus, wenn die Essener einsteigen. Und so kann man aus Winters Investorengeschichte auch einiges über die Gründerszene in NRW ableiten. Denn von den rund 500 Millionen Euro, die TEV in den vergangenen zehn Jahren investiert hat, blieben rund 150 Millionen bei Start-ups aus NRW.

TEV setzt große Hoffnungen in den Standort, doch obwohl sich die Gründerszene an Rhein und Ruhr spürbar entwickelt, fehlen in der Breite weiterhin die großen Investitionen von Risikokapitalgebern. Bayern und speziell Berlin sind NRW momentan weit enteilt.

Das legt zumindest eine Auswertung der Unternehmensberatung EY nahe. Diese hatte sich im Auftrag des „Handelsblatt“ angeschaut, wie sich die Risikokapital-Investitionen in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres verteilen. Ergebnis: Sowohl die Zahl der Transaktionen (506 zu 439) als auch das Investitionsvolumen (fünf Milliarden zu 3,4 Milliarden) hat sich im Vergleich der jeweils ersten drei Quartale 2018 bzw. 2019 deutlich gesteigert.

In NRW entwickelten sich die Zahlen im gleichen Zeitraum allerdings unterschiedlich. Einerseits investierten Risikokapitalgeber häufiger in Start-ups (59 Mal statt 48 Mal), gleichzeitig floss jedoch weniger Geld (185 Millionen Euro statt 195 Millionen Euro). Berlin und Bayern kamen im gleichen Zeitraum 2019 auf Investitionen in Höhe von 2,9 bzw. einer Milliarde Euro.

Im Vergleich der Bundesländer liegt NRW im laufenden Jahr auf Platz sechs bei der Summe der Investitionen, hinter Berlin, Bayern, Rheinland-Pfalz, Hamburg und Baden-Württemberg. Bei der Zahl der Deals liegt das Land hinter Berlin und Bayern auf Rang zwei.

Im Schnitt konnte ein Start-up aus NRW damit 3,1 Millionen Euro pro Finanzierungsrunde einsammeln. Im Vorjahreszeitraum war es im Schnitt rund eine Million Euro mehr. Die Auswertung von EY stützt sich auf veröffentlichte Informationen, etwa in Pressemitteilungen oder in der medialen Berichterstattung sowie Quellen aus dem Risikokapital-Bereich.

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