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Start-up DeepUp: Navigationssystem für den Netzausbau

Start-Ups aus dem Rheinland : Start-up DeepUp: Navigieren für den Netzausbau

Die Bonner Gründerfirma Deepup misst frisch verlegte Leitungen mit Scanner und Software – das soll viel mehr Transparenz über den Untergrund bringen. Das Start-up profitiert davon, dass der Glasfaserausbau an Tempo gewinnt. Telekom oder Deutsche Glasfaser sollen Aufträge einspielen.

Eine eigene Baugrube im Büro: Um seine Technologie besser erklären zu können, hat sich Michael Putz eine provisorische Baustelle neben dem Schreibtisch eingerichtet, gebastelt aus Stützwänden, rasch verlegte Glasfaserleitungen inklusive. So kann der studierte Wirtschaftsingenieur jederzeit schnell zum tablet-großen Scanner greifen und einmal den Test-Kanal abschreiten. Nur wenige Sekunden später zeigt das Display eine virtuelle Darstellung des Kanals – samt der exakten Lage, Länge und Durchmesser der provisorisch verlegten Kabel. „Versorgungsleitungen sind die Lebensader einer jeden Industrienation“, sagt Putz, „dennoch wissen wir heutzutage mehr über den Untergrund der Arktis als über das, was unter unseren Straßen in welcher Tiefe verbaut ist.“

Das Start-up DeepUp, das Putz gemeinsam mit Sinka Ismail 2019 gegründet hat, hat sich auf den Weg gemacht, digitales Licht in den dunklen Untergrund zu bringen: Mit einer Kombination aus dem Scanner und eigens entwickelter Software sollen Baufirmen viel schneller, exakter und kostengünstiger dokumentieren können, was unterhalb von Straßendecken verbauen – egal ob Stromkabel, Gasrohre oder Glasfaserleitungen.

Digitaler Kartendienst für den Untergrund

Damit baut DeepUp einen Prozess um, der nach Angaben von Putz seit einem halben Jahrhundert nahezu unverändert ist. Energieversorger oder Telekommunikationsunternehmen wollen Leitungen verlegen oder erneuern, beauftragen dafür Generalunternehmer, die wiederum Baufirmen heranziehen. Vermesser kommen häufig erst dazu, wenn die Baugrube schon wieder geschlossen ist. Und müssen dann Verlauf und Tiefe mancher Leitungen abschätzen. Das führt dazu, dass in Plänen falsche Informationen stehen – oder sie gar ganz fehlen: „Im schlimmsten Fall gibt es nicht einmal Dokumentationsdaten, auf die Tiefbaufirmen zurückgreifen können“, berichtet Putz aus der Praxis.

Diese Mängel sorgen immer wieder dafür, dass sich Bauvorhaben verzögern. Oder es geschieht Schlimmeres: Treffen Baggerschaufeln überraschend auf Gas- oder Stromleitungen, können Unglücke die Folge sein, tagelange Ausfälle von Strom oder Internet.

Dazu komme, dass der Informationsfluss zwischen beteiligten Firmen asynchron, dezentral und kaum validierbar sei, so Putz: „Keiner weiß wirklich, wie weit welche Baustelle ist.“ Mit dem Scanner soll auch ungeschultes Personal einfach die frisch verlegten Gruben abschreiten können und gewissermaßen abfotografieren. Die Software erkennt aus den Bildern dann die genauen Maße, erstellt technische Skizzen und verknüpft sie – mithilfe von Satellitendaten - mit den genauen Lageplänen. Diese sogenannte Einmessung geschehe „in Sekundenschnelle zentimetergenau“, sagt Putz. So entsteht eine Art digitaler Kartendienst für den Untergrund.

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Investoren hoffen auf den Bauboom

Um das Angebot möglich zu machen, setzt das Start-up eine ganze Reihe von Technologien ein: 3D-Simulationen, Künstliche Intelligenz, Georeferenzierung, Cloud-Datenbanken – „das sind keine Marketingbegriffe bei uns, sondern elementarer Bestandteil unseres Produkts“, versichert Putz. Unterstützung holte sich das Gründerteam an der Uni Bonn. Dort dockten Putz und Ismail auch zu Beginn mit einem „Exist“-Stipendium an. Das umfasst Fördergelder, die Start-ups beim Sprung von der Wissenschaft in die Praxis helfen sollen.

Seitdem hat sich DeepUp rasant entwickelt. Mittlerweile arbeiten 60 Mitarbeiter für das junge Bonner Unternehmen. Ungenannte Technologie-Investoren haben das Start-up mit Millionenbeträgen finanziert. Gelockt hat die Geldgeber ein potenzieller Milliarden-Markt – je mehr Geld in Infrastrukturprojekte fließt, desto größer wird das Interesse an digitalen Helfern für die Baustellen. In der kommenden Woche will die Bundesregierung beispielsweise über die „Gigabit“-Strategie entscheiden. Bis 2025 sollen demnach schon 50 Prozent aller deutschen Haushalte mit Glasfaseranschlüssen versorgt sein, die schnelleres Internet ermöglichen. Dafür müsste aber der Bau deutlich an Tempo gewinnen.

Start-up rechnet pro vermessenem Meter ab

Das Kalkül von DeepUp: Das Vermessen via Scanner soll dabei nicht nur mehr Informationen bringen und zügigeren Baufortschritt ermöglichen, sondern auch günstiger sein als die bisherige Beauftragung von Vermessern. Das junge Unternehmen hofft daher auf eine wachsende Anzahl von Aufträgen von Konzernen wie der Deutschen Telekom oder Vodafone. Die Deutsche Giganetz nutzt die Technologie der Bonner bereits für alle ihre Projekte, Anfang Juni verkündete DeepUp eine Partnerschaft mit dem spezialisierten Bauunternehmen Connect-Energie aus Neuss. Über 200 Baukolonnen arbeiteten heute bereits täglich mit dem Handscanner, sagt Putz.

Beim eigenen Geschäftsmodell hat sich DeepUp aber mehr von der Tech-Welt als von Bauprojekten inspirieren lassen: Die Scanner stellt das Start-up den Kunden kostenlos zu Verfügung. Abgerechnet wird nach Volumen, also häufig nach gescanntem und dokumentiertem Meter Untergrund. Und diese Kennzahl nimmt gerade an Fahrt auf. Das nächste Zwischenziel: Bis Ende 2023 will DeepUp etwa 10.000 Kilometer bundesweit digital vermessen haben.