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So will Pinkwart NRW zum Top-Standort für Start-ups in Europa machen

Wirtschaftsminister stellt „Neue Gründerzeit“ vor : So will NRW zum Top-Standort für Start-ups in Europa werden

In den vergangenen Jahren sind viele junge Unternehmen an Rhein und Ruhr entstanden, doch die ganz großen Erfolgsgeschichten sind immer noch selten. Mit verschiedenen Maßnahmen will das Wirtschaftsministerium dies ändern. Manches wirkt jedoch nicht ganz durchdacht.

Die NRW-Landesregierung hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2025, kündigte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart an, wolle das Land zu den zehn führenden Gründerregionen in Europa zählen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Dies zeigt eine Untersuchung von „Start-up-Genome“, die von der Landesregierung in Auftrag gegeben wurde. Demnach hat sich in den vergangenen Jahren in NRW zwar einiges getan – die Gründerszene im Land wächst mit jährlich 6,25 Prozent aber immer noch deutlich langsamer als beispielsweise die in Berlin.

Mit einer Reihe von Maßnahmen will NRW-Wirtschaftsminister die Bedingungen für Start-ups in NRW daher nun weiter verbessern. Ein Überblick:

Gründerstipendium Das 2018 gestartete Gründerstipendium stößt auf große Nachfrage. 1800 Gründerinnen und Gründer wurden damit bereits gefördert, bekamen also für zwölf Monate jeweils 1000 Euro monatlich an Unterstützung. Eine Befragung von mehr als 300 von ihnen ergab kürzlich, dass die Mehrheit das Programm gut oder sehr gut findet. Die meisten Teilnehmer konnten Arbeitsplätze schaffen und ihren Umsatz vervielfältigen. Daher soll das Gründerstipendium nun um drei weitere Jahre verlängert werden. Gleichzeitig wird das Antragsverfahren künftig komplett digital abgewickelt. In der Befragung war bemängelt worden, dass das Geld von Gründern regelmäßig per Fax oder Briefpost angefordert werden muss. Pinkwart will außerdem die Arbeit mit den Coaches, die Gründer bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Idee unterstützen, ausbauen und gleichzeitig die Stipendiaten über eine Art Alumni-Programm an den Erfahrungen vorheriger Absolventen teilhaben lassen.

Internationalisierung NRW soll für internationale Start-ups attraktiver als Standort werden. „Wir wollen die Gründerszene stärker internationalisieren“, machte Pinkwart bei einer Pressekonferenz am Montag deutlich. Im Rahmen der neuen Außenwirtschaftsstrategie wolle man das Gründerstipendium daher auch nutzen, um internationale Start-ups nach NRW zu locken.

Frauenförderung Und noch eine Zielgruppe will der Minister gezielter ansprechen: „Die Förderung von weiblichen Gründungen ist mir ein besonderes Anliegen“, sagte Pinkwart. Es bedürfe mehr weiblicher Vorbilder und auch mehr weiblicher Investoren. Bei der Umfrage zum „Deutschen Startup-Monitor 2019“, der umfangreichsten Gründerbefragung in Deutschland, waren nur knapp elf Prozent der Gründer weiblich – bundesweit lag der Anteil bei 15,1 Prozent. Pinkwart verwies darauf, dass beim Gründerstipendium der Frauenanteil bei knapp einem Viertel liege. Das Land fördere außerdem das Projekt „Women Entrepreneurs in Science“ an der Bergischen Universität Wuppertal mit 1,9 Millionen Euro. Dadurch solle ein landesweites Hochschulnetzwerk für gründungsinteressierte Frauen entstehen.

Doch der Opposition geht das nicht weit genug. Matthi Bolte-Richter, digitalpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, fordert, die Jurys des Gründerstipendiums paritätisch zu besetzen und zusätzlich den Ausbau von Mentorinnen-Netzwerken zu fördern. „Frauen gründen anders als Männer. Diese Tatsache muss der Minister endlich in den Blick nehmen“, sagt Bolte-Richter. Die Förderung müsse gezielter ausgerichtet werden, insbesondere durch flächendeckende Beratungs- und Unterstützungsangebote wie den Female-Innovation-Hub oder durch spezifische Förderprogramme und Veranstaltungen.

Wachstum Zuletzt sorgten das 150-Millionen-Investment in die Düsseldorfer Kreditplattform Auxmoney und die 80-Millionen-Runde beim Bonner Start-up LeanIX für Aufsehen. Doch solche Nachrichten gibt es angesichts der Größe von NRW noch zu selten, zumal Pinkwart überzeugt ist, dass es angesichts der Folgen der Corona-Pandemie auch zu Rückschlägen kommen wird. „Wir werden sicherlich Marktbereinigungen sehen“, sagte der Minister am Montag. Ein neues Scale-up-Programm soll daher zum Wachstum einzelner Unternehmen beitragen. Die Planungen laufen noch. Mehr Wachstumsgeschichten sind dringend nötig, laut dem Genome-Report gibt es davon in NRW deutlich weniger als beispielsweise in Kopenhagen, Helsinki, Boston oder Berlin – das muss sich ändern, wenn man wirklich die europäische Spitze anpeilt.

Internetseite Man wolle beste Bedingungen für Start-ups aus dem In- und Ausland schaffen, heißt es in der Pressemitteilung des Ministeriums, die den Start des neuen Internetportals www.gründen.nrw bekanntgibt. Auf der Seite werden alle relevanten Informationen gebündelt – von Möglichkeiten der Finanzierung über Wettbewerbe bis hin zu Gründergeschichten. Dadurch sollen Hürden für Interessenten abgebaut werden. Allerdings: Speziell für ein internationales Publikum bietet die Seite zum Start noch zu viele Hürden. So ist sie einerseits nur auf Deutsch und nicht etwa auch auf Englisch verfügbar, gleichzeitig sind die deutschen Umlaute ä, ö und ü international nicht gebräuchlich und fehlen in der Regel sogar auf der Tastatur. Die alternative Schreibweise gruenden.nrw führt bislang allerdings nicht auf die Seite – sondern produziert eine Fehlermeldung. Auch bei der Google-Suche gibt es noch Optimierungsbedarf. Auf dem ersten Platz der Suchbegriffe steht sie bei den Suchwörtern „Gründen“ und „NRW“ noch nicht – genau wie beim gesamten Bundesland gilt: Es ist noch ein Stück Weg zu gehen.