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So geht es beim Start-up-Rettungspaket von Bund und KfW Capital weiter

Der Matching-Fonds ist einsatzbereit : So geht es beim Start-up-Rettungspaket der Bundesregierung weiter

Die Auswirkungen des Coronavirus haben viele Start-ups hart getroffen. Die Bundesregierung will mit zwei Milliarden Euro einen Rettungsschirm aufspannen. Einige Hilfen sind bereits abrufbar – doch speziell bei einem Thema hakt es.

Zwei Milliarden Euro hat die Bundesregierung zur Rettung von Start-ups bereitgestellt. Mit einem Teil sollen Risikokapital-Investments mit staatlichem Geld aufgestockt werden. Am Donnerstag teilte die Bundesregierung mit: Das Geld ist jetzt abrufbar. Doch davon dürften nur die wenigsten Start-ups profitieren. Denn ein Großteil der Start-ups finanziert sich auf anderem Weg – und so stellt sich die Frage: Wie wird ihnen geholfen?

Wie funktioniert das Hilfsprogramm für Start-ups der Bundesregierung?

Das Programm, mit dem insgesamt rund zwei Milliarden Euro bereitgestellt werden, besteht aus zwei Säulen: Einerseits soll es das „Matching“ geben, bei dem privates Risikokapital mit staatlichen Mitteln kombiniert wird (Säule 1). Bei den Finanzierungsrunden kann die Kfw Capital pro Unternehmen maximal 50 Prozent des Finanzierungsbedarfs übernehmen. Der Bundesverband Deutsche Startups hatte im Vorfeld gefordert, dass bis zu 80 Prozent der Gesamtinvestition übernommen werden.

Für Start-ups und kleine Mittelständler, die bislang kein Risikokapital bekommen haben, soll es bis zu 800.000 Euro Hilfe pro Unternehmen geben (Säule 2).

Wie werden die zwei Milliarden Euro auf die beiden Säulen verteilt?

Das ist laut Bundesfinanzministerium offen. Die Aufteilung könne, in Abhängigkeit von der Entwicklung der Nachfrage, flexibel erfolgen, sagt eine Sprecherin.

Wann können Hilfen beantragt werden?

Das kommt auf den Bereich an. Das Risikokapital-Hilfsprogramm ist startklar (Säule 1). „Es ist geschafft, die formalen Hürden wurden heute Nacht genommen“, schrieb der Start-up-Beauftragte des Bundeswirtschaftsministeriums, Thomas Jarzombek, am Donnerstag bei Twitter. Damit können Risikokapitalgeber nun Anträge bei der staatlichen Beteiligungsgesellschaft KfW Capital und dem europäischen Investitionsfonds EIF stellen, um ihre Investments von diesen über die sogenannte Corona Matching Fazilität aufstocken zu lassen. Das Hilfsprogramm für Start-ups, die kein Risikokapital bislang bekommen (Säule 2), ist noch nicht fertig.

Wer kann Geld aus der Corona Matching Fazilität beantragen?

Um Gelder beantragen zu können, muss man sich bei KfW Capital als Risikokapitalgeber akkreditieren lassen (Details findet man hier). Wichtig: Es muss sich um einen europäischen Fondsmanager handeln. Außerdem darf hinter dem Risikokapitalgeber kein Unternehmen stehen (Corporate Venture Capital). Gleichzeitig will KfW Capital auch neu gegründeten Zweckgesellschaften Geld zur Verfügung stellen, sofern in diese keine anderen Risikokapitalgeber investiert sind. Viele deutsche Risikokapitalgeber wie Cherry, Eventures oder Acton haben bereits in der Vergangenheit Gelder von KfW Capital als Fonds-Investment erhalten und sind damit bereits einmal geprüft worden. Sie könnten, sofern das in ihrem Interesse wäre, vermutlich relativ schnell Gelder abrufen. Andere müssten sich erst akkreditieren lassen.

Welche Investments können gematcht werden?

Die Regelungen gelten sowohl für Investments in Portfoliofirmen als auch für Neuinvestments – je nachdem, wofür sich der Risikokapitalgeber entscheidet. Bei den Neuinvestments ist ein starker Deutschlandbezug, jedoch explizit kein Firmensitz in Deutschland, vorgeschrieben. Gleichzeitig darf es bei den Unternehmen keine bestehende Mehrheitsbeteiligung einzelner Finanz- oder strategischer Investoren geben. Die Regelungen sehen auch vor, dass die Unternehmen zum Stichtag 31. Dezember 2019 keine finanziellen Schwierigkeiten haben – wie das bei Start-ups beurteilt wird, ist unklar.

Welche Gegenleistung müssen die Risikokapitalgeber erbringen?

Einerseits müssen sie auf Managementgebühren (“Fees“) und die Gewinnbeteiligung (“Carry“) verzichten. Andererseits gibt es eine Andienungspflicht, das heißt, KfW Capital hat das Recht, bei allen weiteren Neu- oder Bestandsinvestments ebenfalls zu investieren. So soll verhindert werden, dass Risikokapitalgeber die besten Investitionen in ihrem Portfolio alleine machen. Diese Regelung gilt bis zum 31. Dezember 2020. Interessant zu beobachten wird sein, ob Risikokapitalgeber ihre besonders vielversprechenden Finanzierungsrunden, sofern die Situation der Start-ups es zulässt, bis Januar 2021 hinauszögern werden, um die Deals dann wieder alleine machen zu können.

Wie funktionieren die Hilfen für Start-ups, die noch kein Risikokapital bekommen haben, und wann sind sie verfügbar?

Hier ist noch vieles unklar, obwohl 85 Prozent der Start-ups bislang kein Risikokapital bekommen haben – und damit eine viel größere Gruppe bilden. Dies legen zumindest Zahlen aus dem Deutschen Startup-Monitor nah, der umfangreichsten Gründerstudie des Landes. Klar ist: Start-ups und kleine Mittelständler können insgesamt bis zu 800.000 Euro an öffentlichen Mitteln bekommen. Wenn ein Unternehmen schon andere staatliche Finanzierungen in Anspruch genommen hat (etwa einen Kredit), wird diese Summe damit verrechnet. Die Abwicklung dieser Hilfen soll über die Landesgesellschaften geregelt werden. Es wird vermutlich darauf hinauslaufen, dass bestehende Angebote aufgestockt oder erweitert werden. Aufgrund der hohen Komplexität ist davon auszugehen, dass die Hilfen nicht mehr im Mai zur Verfügung stehen, sondern eher im Juni. Das Bundesfinanzministerium will sich nicht auf einen Zeitpunkt festlegen. „Die Gespräche mit den beteiligten Partnern werden aktuell mit Hochdruck geführt, um das Konzept zu finalisieren und zügig umzusetzen“, sagt eine Sprecherin: „Zudem ist eine rückwirkende Berücksichtigung von Zusagen ab April 2020 vorgesehen.

Warum braucht die Umsetzung des Hilfsprogramms für diese Start-ups so lange?

Das Problem ist: Der Bund muss sich mit allen 16 Bundesländern auf ein Verfahren einigen – das ist mühsam und kostet Zeit, weil fast alle Bundesländer unterschiedlich arbeiten. In NRW wird die landeseigene Förderbank NRW.Bank mit hoher Wahrscheinlichkeit die Abwicklung übernehmen.

Sobald der organisatorische Rahmen steht, werden die Mittel nach dem Eingang der ausgegebenen Bedarfe verteilt – es wird also keine Aufteilung des Topfes auf die Bundesländer geben, so dass einem Land nur ein bestimmter Betrag zur Unterstützung der Start-ups zur Verfügung stünde.

Warum hat sich die Bundesregierung für diesen umständlichen Weg entschieden, wenn gerade der Zeitfaktor bei Start-ups entscheidend ist?

Laut Bundesregierung hat man sich bewusst gegen den Aufbau einer zentralen Abwicklungsstelle entschieden, um Zeit und Kosten zu sparen. Auch Kapazitätsgründe könnten eine Rolle gespielt haben. Denn die Hilfen sollen für Start-ups und kleine Mittelständler gelten – davon gibt es deutlich mehr im Land als Risikokapitalgeber. So liegt die Last der Abwicklung nicht nur auf den Schultern von KfW Capital, sondern wird auf mehrere Schultern verteilt, wenn man so will.