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Retraced sorgt für Transparenz in den Lieferketten der Mode-Industrie

Frisches Kapital für Retraced : Düsseldorfer Start-up sorgt für Transparenz in den Lieferketten der Mode-Industrie

Mit der Technologie von Retraced können Modehersteller ihren Kunden genau sagen, wie und wo ihre Produkte hergestellt wurden. Das Start-up deckt damit einen gewaltigen Bedarf – doch die Corona-Pandemie erschwert das Geschäft.

Als die Schulfreunde Lukas Pünder, Philipp Mayer und Peter Merkert 2019 ihr Start-up Retraced gründeten, schien der Zeitpunkt genau richtig: Mit „Fridays for Future“ war weltweit eine neue Umweltbewegung entstanden, Themen wie Nachhaltigkeit wurden für viele junge Menschen immer wichtiger. Mit ihrer Idee, Lieferketten in der Modeindustrie mittels Software transparent zu machen, schienen die drei Gründer genau den Zeitgeist getroffen zu haben.

Dann kam die Corona-Pandemie. Viele Modeketten mussten temporär ihre Geschäfte schließen und stellten Investitionen erstmal zurück, weil das Geschäft einbrach. Denn viele Kunden sparten sich die eine oder andere Neuanschaffung. Wozu ein neues Kleid, wenn man es sowieso nicht in der Disko anziehen kann? Brauche ich wirklich eine neue Hose, obwohl ich gerade in Kurzarbeit bin?

Insofern ist die Finanzierungsrunde, die das Düsseldorfer Start-up nun abschließen konnte, ein wertvoller Vertrauensbeweis. Der spanische Wagniskapitalgeber Samaipata investierte in einer Seed-Finanzierungsrunde insgesamt eine Million Euro in Retraced und hält nun knapp 16 Prozent am Unternehmen. Das Start-up kommt damit theoretisch auf eine Firmenbewertung von rund sechs Millionen Euro. Zuvor hatten bereits Anfang 2020 Business Angels sowie die landeseigene Förderbank NRW.Bank investiert. „Bei Samaipata hat das Gesamtpaket gestimmt. Neben der fairen Bewertung unseres Unternehmens und dem guten persönlichen Umgang hat uns vor allem überzeugt, dass bislang jedes ihrer Investments eine Anschlussfinanzierung bekommen hat“, sagt Retraced-Gründer Philipp Mayer.

Dem Start-up ist es nach eigenen Angaben trotz der Corona-Pandemie gelungen, im vergangenen Jahr rund 40 Modemarken aus Europa und den USA auf die eigene Plattform zu bringen. Zu den Kunden zählt unter anderem das Kölner Unternehmen Fond of, das mit seinen Ergobag-Schulrucksäcken bekannt wurde. Einer der Gründer, Sven-Oliver Pink, berät die Gründer auch, seit sie im vergangenen Jahr das von den Fond-of-Gründern ins Leben gerufene Accelerator-Programm Xdeck in Köln durchlaufen haben.

Die drei Gründer kennen sich schon seit der Schulzeit am Max-Planck-Gymnasium im Düsseldorfer Stadtteil Stockum. Die Idee zu Retraced kam Philipp Mayer und Lukas Pünder, nachdem sie zuvor eine Schuhmarke namens Cano aufgebaut hatten. Bei einem Aufenthalt in Mexiko hatte Mayer dort handgeflochtene Schuhe entdeckt, die er gemeinsam mit Pünder unter dem Markennamen Cano auch in Deutschland vertreiben wollte. Allerdings nachhaltig. Die beiden entwickelten eine App, um Kunden zeigen zu können, wo und wie die Schuhe produziert werden – und erkannten, welches Potenzial sich hinter einer solchen Lösung verbirgt. Mit Peter Merkert ergänzte dann ein Software-Spezialist das Gründerteam.

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„Langfristig wird die Transparenz in Lieferketten immer wichtiger“, sagt Philipp Mayer. Retraced schlüsselt daher zunächst die gesamte Wertschöpfungskette auf und vernetzt dabei alle Beteiligten über eine Plattform. Um Manipulationen zu verhindern, werden Informationen, etwa über die Nachhaltigkeit von Materialien und Produktionsbedingungen, mittels Blockchain-Technologie gespeichert. Daten können so nachträglich nicht mehr verändert werden. Der Technologie wird daher auch in anderen Branchen viel Potenzial beigemessen.

Verbraucher sollen letztlich noch im Geschäft per QR-Code erfahren können, wo und wie das jeweilige Kleidungsstück hergestellt wurde. Die Idee überzeugte zuletzt auch Fachleute. 2020 gewann Retraced den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie "Digitalisierung". Im nächsten Schritt wollen die Retraced-Gründer daher auch große Modemarken von ihrer Technologie überzeugen. Erste Gespräche laufen bereits.