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Pinkbus gibt im Farbstreit mit der Telekom klein bei

Bonner Konzern wittert Verwechslungsgefahr : Pinkbus gibt im Farbstreit mit der Telekom klein bei

Der Kölner Fernbus-Anbieter Pinkbus war kaum am Markt, da drohte die Telekom mit juristischen Schritten. Die Verwendung der Farbe Magenta könne zu Verwechslungen führen, argumentierten die Bonner. Nun hat Pinkbus reagiert.

Den Start seines Start-ups hat sich Christian Höber anders vorgestellt. „Wir haben am 1. Juli 2019 unseren Betrieb aufgenommen. Kurze Zeit später kam dann schon ein Schreiben von der Telekom“, sagt der Gründer des Fernbus-Anbieters Pinkbus aus Köln. Der Bonner Konzern bemängelte demnach die aus seiner Sicht zu ähnliche Farbgebung bei den pinkfarbenen Bussen und drohte mit juristischen Schritten. „Die Nutzung von Magenta und ähnlichen Farbtönen durch Ihr Haus ist für uns nicht akzeptabel, weil sie Verwechslungsgefahr mit unseren Kennzeichen begründet“, hieß es in einem Schreiben. Christian Höber sagt: „Als Gründer eines Start-ups mit wenig Ressourcen hat man da natürlich viele schlaflose Nächte.“

„Mit mehr finanziellen Ressourcen hätten wir uns sicherlich juristisch zur Wehr gesetzt.“

Es ist nicht so, als hätten Höber und sein Mitgründer Tino Engelmann die Probleme nicht im Vorfeld bedacht. „Wir hatten uns vor der Gründung intensiv mit möglichen Risiken auseinandergesetzt“, sagt Höber. Natürlich habe man dabei auch an die Ähnlichkeit der Farben gedacht. Die Gründer hätten sich daher sogar von Anwälten beraten lassen, die jedoch keine grundsätzlichen Probleme gesehen hätten. „Mit mehr finanziellen Ressourcen hätten wir uns sicherlich juristisch zur Wehr gesetzt. So blieb uns nicht viel mehr übrig, als die Vorgaben der Telekom zu akzeptieren“, sagt Höber. Das Start-up darf die Farbe Pink nun nicht mehr verwenden und muss seine Busse neu bekleben – auf eigene Kosten. Die Telekom war am Donnerstag nicht mehr für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die Kölner sind nicht die einzigen, die von der Telekom kontaktiert wurden. Auch das Versicherungs-Start-up Lemonade wurde nach dem Start in Deutschland aufgefordert, auf die pinke Farbe beim Markenauftritt zu verzichten. Gegenüber dem Portal „Finance Forward“ sagte Geschäftsführer Daniel Schreiber damals, dass die Telekom ihrer Marke und dem Markenversprechen „Life is for sharing“ viel mehr nützen würde, „wenn sie diese Werte auch leben würden, anstatt eine Grundfarbe zu monopolisieren!“ Das Start-up setzte sich juristisch zur Wehr, passte in Deutschland aber dennoch seinen Auftritt an. Pink wurde dort durch Rot ersetzt.

Bei Pinkbus setzen sie nun auf einen Farbverlauf

Bei Pinkbus setzen sie stattdessen nun auf einen Farbverlauf – auf den Bussen, aber beispielsweise auch beim Logo. In den kommenden Wochen sollen die Busse neu beklebt werden. Bis dahin sind sie auf der Strecke von München nach Berlin komplett weiß unterwegs. Trotzdem versucht Christian Höber, die ganze Geschichte positiv zu sehen: Im Nachhinein, so der Gründer, gefalle ihm der Farbverlauf sogar viel besser.

Dass sich Höber dieses positive Denken nach dem ersten Jahr am Markt bewahrt hat, ist fast schon erstaunlich – denn Pinkbus hatte enorm viel Pech. „Erst kam der Stress mit der Telekom, dann die sowieso für das Fernbusgeschäft schwierigen Wintermonate – und als wir das alles überstanden hatten, kam Corona“, sagt Höber. Doch nun soll es mit neuer Farbgebung weiter aufwärts gehen. Die Buchungen sind zuletzt wieder deutlich gestiegen, neue Strecken neben der Direktverbindung München-Berlin in Planung. „Wir sind in Köln in Gesprächen mit der Stadt, weil wir in der Nähe der Lanxess-Arena ein Mobility Hub eröffnen wollen“, sagt Höber.