Picnic bekommt 250 Millionen von Investoren und baut Roboter-Lager

Lebensmittel-Lieferdienst : Picnic bekommt 250 Millionen von Investoren und baut erstes Roboter-Lager

Kaum ein anderes Start-up in Europa hat bislang so viel Geld von Investoren einsammeln können. Das Geld will der Lebensmittel-Lieferdienst für weiteres Wachstum einsetzen – auch in Deutschland.

Der Lebensmittel-Lieferdienst Picnic will in Utrecht sein erstes Roboter-Logistikzentrum errichten. Um den Aufbau und das weitere Wachstum in den Niederlanden und Deutschland zu finanzieren, hat das Start-up in einer Finanzierungsrunde (Series C) noch einmal 250 Millionen Euro eingesammelt. An der Finanzierungsrunde nahmen sowohl die Alt-Investoren als auch die niederländische Bank ABN Amro teil. Dies gab das Unternehmen am Mittwoch bekannt.

„Das Roboter-Lager in Utrecht ist ein Meilenstein für uns“, sagte Gründer Michiel Muller über das Projekt, bei dem auf einer Fläche von rund 42.000 Quadratmetern insgesamt 150.000 Bestellungen pro Woche bearbeitet werden sollen. Während bislang Mitarbeiter die Bestellungen der Kunden in den Logistikzentren zusammenstellen mussten, sollen in Utrecht nach Abschluss der Bauarbeiten in knapp zwei Jahren Roboter die Waren einsammeln. „In absoluten Zahlen wird es unser größtes Logistikzentrum sein“, sagt Muller. Rund 1000 Mitarbeiter würden dort künftig trotz Robotern im Einsatz sein. Dennoch wird der Mensch ein Stück weit durch die Maschine ersetzt. „Wir werden deutlich effizienter sein, weil wir dort mehr Bestellungen verarbeiten können.“

In Mönchengladbach ist Picnic bislang am erfolgreichsten

Picnic wurde 2015 in den Niederlanden gegründet und ist seitdem rasant gewachsen. „Damals sind wir mit der Idee gestartet, einen Online-Supermarkt aufzubauen“, sagt Muller. Bei Picnic können Kunden per App Lebensmittel bestellen, die anschließend in einem vorher definierten Zeitfenster von 20 Minuten per Elektrofahrzeug geliefert werden.

2018 startete man auch in Deutschland, wo das Start-up inzwischen in Viersen ein eigenes Logistikzentrum betreibt, mit dem zehn Standorte im Rheinland und im Ruhrgebiet beliefert werden. Mehr als 60.000 Kunden nutzen allein in Deutschland das Angebot, das in keiner Stadt so gut ankommt wie in Mönchengladbach.

Es gibt nur wenige Start-ups in Europa, in die so viel Kapital geflossen ist

Rund 30 Prozent der Haushalte in der knapp 260.000 Einwohner großen Stadt haben sich bei Picnic registriert, knapp 15 Prozent kaufen regelmäßig bei Picnic ein. „Mönchengladbach übertrifft alle anderen Standorte“, sagt Gründer Muller. Kein anderer Standort wachse so schnell.

In Deutschland hat sich der Lebensmittel-Händler Edeka Rhein-Ruhr an Picnic beteiligt und hält 35 Prozent der Firmenanteile an der Landesgesellschaft. Die anderen 65 Prozent hält Picnic International, das bereits 2017 von seinen Investoren wie NPM Capital oder De Hoge Dennen Capital 100 Millionen Euro einsammeln konnte. Es gibt nur wenige Start-ups in Europa, in die bislang so viel Kapital geflossen ist wie in Picnic.

In Deutschland sollen 2020 weitere Logistikzentren entstehen

Das Modell hat dadurch für viel Aufsehen gesorgt. Auch in anderen Ländern gibt es inzwischen laut Muller Interesse an Picnic, doch zunächst wolle man sich weiter auf die beiden Märkte Niederlande und Deutschland konzentrieren anstatt international zu expandieren. „Das ist nicht unsere Priorität“, so Muller. Ein Teil der 250 Millionen Euro soll daher auch genutzt werden, um weitere Standorte zu eröffnen. Laut Deutschland-Chef Frederic Knaudt könnten 2020 ein bis zwei weitere Logistikzentren entstehen, ein weiteres ist momentan bereits im Ruhrgebiet in Planung. Anders als demnächst in Utrecht müssen dort noch Menschen die Bestellungen einsammeln, bevor dann irgendwann auch dort die Roboter-Revolution beginnt.