NRW fördert mit Gründerstipendium mehr als 1000 Start-up-Ideen

1000 mal 1000 : 1000 Gründer bekommen bereits ein Stipendium des Landes

Mit dem Gründerstipendium will die NRW-Landesregierung mehr Menschen Lust auf das eigene Unternehmen machen. Der Plan scheint aufzugehen, das Interesse ist groß.

1,50 Euro für ein Kilogramm Kaffee – so wenig bekommen Landwirte in Peru laut Ellena Stumpf de Quiroz und Juan Quiroz. Das wollen sie ändern und für bessere Bedingungen sorgen. Den Kaffee wollen die beiden Gründer mit ihrem Unternehmen „Fair Beans“ aus Meerbusch direkt an Röstereien in Düsseldorf verkaufen. Die ersten 19 Tonnen Kaffee kommen schon in drei Wochen am Düsseldorfer Hafen an.

Unterstützungen bekommen die beiden Gründer ein Jahr lang auch vom Land NRW. 1000 Euro erhalten sie im Rahmen des Gründerstipendiums jeweils in den kommenden zwölf Monaten. Das im Mai 2018 eingeführte Programm stößt in der Gründerszene auf großes Interesse. Mehr als 1000 solcher Stipendien wurden seit dem Start bereits vergeben. Das wurde auch am Mittwoch noch einmal deutlich, als NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) symbolisch den 1000. Förderbescheid überreichte und verschiedene Gründer traf.

Nachhaltigkeit ist bei vielen Gründern, die seiner Einladung gefolgt waren, ein zentraler Aspekt. So auch bei Marina Billinger, Gründerin von Leroma – der Kurzform für Lebensmittelrohstoffmarkt. Die Stipendiatin will von Düsseldorf aus eine Online-Rohstoffbörse für Unternehmen erschaffen. Dort soll so ziemlich alles angeboten werden: vom künstlichen Ananas-Aroma bis hin zu Eiern. „Viele Unternehmen kaufen zu viel ein“, sagt sie und schätzt den Überschuss auf 40 Prozent. Diese Ware können die Unternehmen über Leroma loswerden. „So ist es nachhaltiger und die Firmen selbst sparen auch.“ Die ersten Unternehmen seien schon an Bord. „Anfang 2020 gehen wir mit Leroma online“, sagt Billinger.

Das Gründerstipendium soll als finanzieller Anschub für die ersten Schritte regionaler Start-ups dienen. Es kann ein Jahr vor der Gründung, aber auch ein Jahr danach beantragt werden. Externe Jurys bewerten die Projekte, erfolgreiche Bewerber bekommen anschließend die Förderung von insgesamt 12.000 Euro für ein Jahr. Parallel beraten Experten die angehenden Unternehmer von der Idee über den Business-Plan bis hin zu ihren ersten Aufträgen.

Mittendrin in diesem Prozess steckt Modento, die Firma der Brüder Jonas und Marius Zeman. Die Moerser stellen Zahnersatz her – und wollen damit den Preis für die Kunden fast halbieren. „Fairer Zahnersatz made in Germany“ lautet der Slogan des Unternehmens, das auch zu den geförderten Firmen gehört. Mit einer Mischung aus 3D-Druck, Fräsarbeit und konventioneller Zahntechnik erstellen die Brüder den Zahnersatz. „Das ist für den Patienten deutlich billiger, und der Arzt bekommt ganz normal sein Honorar“, sagt Jonas Zeman. Der erste Zahntechniker, der mit der Firma arbeitet, war mit Marc Zeman, Vater der Gründer, schnell gefunden. Auch einige Zahnärzte seien schon dabei. Die Moerser wollen mit Modento einen Markt aufmischen, der ohnehin schon stark in Bewegung ist. Mit Dr. Smile und Sunshine Smile bekamen zwei Start-ups bereits Millionen von Investoren, um mit Innovationen den deutschen Zahnarzt-Markt anzugreifen.

Dass beim Treffen mit dem Wirtschaftsminister viele von Frauen gegründete Start-ups sind, soll auch ein Zeichen sein. „Wir wollen mehr Rollenbilder für junge Mädchen unterstützen“, sagt Wirtschaftsminister Pinkwart. Die Frauenförderung sei seinem Ministerium ein besonderes Anliegen. Das ist auch bitter nötig: Laut dem Deutschen Start-up-Monitor, der detailliertesten Gründerbefragung der Republik, machten Frauen zuletzt lediglich 15,1 Prozent der Gründer aus. Immerhin: Von den bisherigen Gründerstipendiaten in NRW sind 22 Prozent weiblich.

Wer sich für die Förderung des Wirtschaftsministerium bewerben möchte, kann das jederzeit tun. Weitere Information finden Interessenten unter www.gruenderstipendium.nrw

Mehr von RP ONLINE