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Niederländischer Investor rettet Autobauer e.Go

Elektroauto-Hersteller aus Aachen : Niederländischer Investor rettet Autobauer e.Go

In der Corona-Krise musste das Aachener Unternehmen Insolvenz anmelden. Doch nun ist ein neuer Investor gefunden – und die Produktion soll schnellstmöglich wieder anlaufen.

Der Name deutet es an: Es ist ein neuer Versuch. Aus der insolventen e.Go Mobile AG ist dank eines neuen Investors die „Next e.Go Mobile SE“ geworden. Am 1. September erfolgte der Betriebsübergang – und Günther Schuh kann aufatmen.

Der Aachener Professor hatte den Elektroauto-Hersteller 2015 gegründet, um die etablierten Anbieter mit einem günstigen E-Auto herauszufordern. So war es ihm bereits mit dem Elektro-Transporter Streetscooter gelungen. Doch bei e.Go kam es seit dem Start zu Problemen und Rückschlägen. Schuh gelang es dennoch, als bislang einzigem deutschen Start-up, ein serienreifes Elektrofahrzeug auf die Straße zu bringen, immer wieder frisches Kapital aufzutreiben und prominente Unterstützer zu gewinnen. Als die ersten Fahrzeuge im vergangenen Jahr ausgeliefert wurden, nahm NRW-Ministerpräsident Armin Laschet das erste Auto in Empfang. Er hatte es privat gekauft. Es sollte der Auftakt einer Erfolgsgeschichte werden. Doch als das Coronavirus Deutschland erreichte, war vorerst Schluss. Anfang Juli musste e.Go Insolvenz anmelden.

Nun beteiligte sich das niederländische Private-Equity-Unternehmen ND Industrial Investments an e.Go, auch Günther Schuh und sein Management-Team investierten erneut. Sie glauben weiterhin an ihre Idee und das Potenzial des kleinen Elektro-Flitzers. Und damit waren sie offenbar nicht allein.

Es soll einige Interessenten gegeben haben, ist aus dem Umfeld des Unternehmens zu hören – speziell aus dem Ausland. Doch die Corona-Pandemie erschwerte so manche Verhandlung. Und am Ende geriet man zeitlich dann doch noch einmal unter Druck. Die Gläubiger hatten dem Unternehmen eine Frist bis zum 31. August gesetzt, auf den letzten Metern wurde das Geschäft schließlich perfekt gemacht. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht, laut Unternehmensangaben soll die Bewertung des Autoherstellers aber zuletzt immer noch bei einer Milliarde Euro gelegen haben.

Der Eigentümerwechsel ist für einige Investoren der vorläufige Schlusspunkt unter ein eher unglücklich verlaufenes Investment. Die RAG-Stiftung hielt beispielsweise zwischenzeitlich 3,6 Prozent an e.Go, war aber irgendwann nicht mehr bereits, frisches Geld nachzuschießen. Zu den finanziellen Folgen des Investments will sich eine Sprecherin der RAG-Stiftung auf Anfrage nicht äußern. Man freue sich aber, dass e.Go eine neue Perspektive habe. Andere halten dem Unternehmen die Treue, so wie der Zulieferer ZF Friedrichshafen, der mit e.Go das Joint-Venture e.Go Moove gegründet hatte. Am Gesellschafterstatus an diesem Unternehmen habe sich nichts geändert, teilte ein Sprecher mit: „Autonome Fahrfunktionen bleiben für ZF ein zentrales Beschäftigungsfeld und eine entscheidende Zukunftstechnologie, die wir konsequent weiter verfolgen.“

Durch den neuen Investor hat e.Go Planungssicherheit, die rund 420 Arbeitsplätze in Aachen sind gerettet. Sobald die Zulassung als Fahrzeughersteller für die neue Gesellschaft erteilt ist und die Lieferantenverträge umgestellt sind, soll die Produktion im Werk Aachen Rothe Erde wieder anlaufen. Unklar ist, ob es nicht mittel- bis langfristig weiteres Kapital benötigt, um die Serienfertigung aufzubauen.

Dieses einzuwerben wird dann auch eine der Aufgaben von Ulrich Hermann sein. Er löst Schuh als Vorstandschef ab. Der Professor zieht sich an die Spitze des Verwaltungsrates zurück. Das Büro hat der Gründer bereits an seinen Nachfolger übergeben. Schuh und Hermann kennen sich aus gemeinsamen Zeiten beim Unternehmen Heidelberger Druckmaschinen. Schuh war damals Aufsichtsrat, Hermann Vorstandsmitglied. Nun wollen sie bei e.Go den Neustart wagen.