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Miele stoppt bei Otto Wilde Grillers Produktion von Gasgrill G32

Vorbesteller müssen bis 2022 warten : Miele stoppt Produktion beim Start-up Otto Wilde Grillers

Im März hatte das Familienunternehmen aus Gütersloh die Mehrheit bei den Düsseldorfern übernommen. Schon damals gab es Lieferprobleme beim Luxus-Grill G32. Nun zieht Miele die Reißleine. Die Gründe sind komplex.

Miele, das verbinden viele mit Qualität, Zuverlässigkeit, Innovation. Insofern schien das Start-up Otto Wilde Grillers perfekt zum Hausgeräte-Hersteller aus Gütersloh zu passen. Denn mit ihrem Hightech-Grill G32 wollen die Düsseldorfer ihren Kunden ein ganz neues Kocherlebnis ermöglichen: Der Grill soll sich per Smartphone steuern lassen und „die automatische Temperatursteuerung kümmert sich um dein Leibgericht, wenn du gerade keine Zeit hast“, verspricht das Unternehmen auf seiner Internetseite.

Hightech und höchste Qualität – das überzeugte das Gütersloher Familienunternehmen Miele. Im Frühjahr übernahm man daher die Mehrheit an Otto Wilde Grillers und Miele-Manager Gernot Trettenbrein frohlockte: „Otto Wilde ist für uns der perfekte Partner.“

Drei Monate später steht Trettenbrein gemeinsam mit Otto-Wilde-Chef Alexander Luik in einer Lagerhalle und blickt ernst in die Kamera. Zwischen den beiden steht ein G32-Grill. Rund fünf Millionen Euro hatte das Start-up im Frühjahr 2020 bei einer Kampagne über das Portal Kickstarter von begeisterten Grillfans für dessen Entwicklung eingesammelt. Sie unterstützten das Projekt mit Summen ab 999 Euro – und sollten im Gegenzug als Prämie einen Grill bekommen. Auslieferung: Voraussichtlich ab September 2020. Doch daraus wurde nichts.

Und nun sagt Gernot Trettenbrein: „Die Entwicklung und Produktion eines Top-Produktes wurde in Summe schlicht unterschätzt.“ Miele hat die Fertigung gestoppt. Der Grill soll an mehreren Stellen nachgebessert werden, unter anderem um eine Überhitzung der Bedienelemente unter Extrembedingungen zu verhindern. Die Auslieferung wird erneut um mehrere Monate verschoben. Nun kommen die Geräte frühestens im März 2022.

Entsprechend groß ist der Frust bei den Kickstarter-Unterstützern. Und auch Alexander Luik hört man an, dass die vergangenen Monate alles andere als einfach waren. „Bei unserer ersten Kickstarter-Kampagne haben wir in Deutschland fertigen lassen und nicht in Asien. Was das bedeuten würde, gerade in einer Pandemie, haben wir unterschätzt“, sagt der Otto-Wilde-Chef. Das Team hatte Probleme, an Muster zu kommen, Gespräche mussten fast ausschließlich per Videokonferenz geführt werden. Im Kickstarter-Video erzählt er, dass man bis jetzt vergeblich versucht habe, ein Visum für die Einreise nach China zu bekommen.

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Doch das war nicht das einzige Problem: „Hinzu kam das enorme Interesse an unserem Grill. Das war einerseits positiv, hat uns aber andererseits auch teilweise überfordert.“ Aktuell bliebe daher nur, die Dinge schnell zu lösen. „Und natürlich hoffen wir, dass wir dann im nächsten Jahr positiv überraschen können.“

Noch im März hatte Gernot Trettenbrein nach der Übernahme die Qualitäten der Düsseldorfer gelobt. Miele habe sich bewusst für die Übernahme entschieden, um in einen neuen Markt einzusteigen, gab er damals in einem Interview mit dem „Manager Magazin“ zu verstehen: „Otto Wilde ist ein paar Jahre weiter und hat sehr hochwertige und innovative Produkte im Programm. Demgegenüber müssten wir erst einmal anfangen, Grills zu entwickeln.“

Wie konnte es also nun zu dieser Vollbremsung kommen? Und wieso hat Miele ein Unternehmen übernommen, dessen wichtigstes Produkt scheinbar Mängel aufweist?

Wer sich auf eine Spurensuche begibt, merkt schnell, dass die Lage etwas komplizierter ist. Denn einerseits soll das Gerät vom Gas- und Wärmeinstitut Essen zertifiziert worden sein. Damit hätte es problemlos auf den Markt gebracht werden können. Andererseits haben sich natürlich auch Miele-Prüfer den G32 genau angeschaut – zunächst in Form eines Vorserienmodells vor dem Einstieg bei Otto Wilde Grillers, später ließ man dann auch weitere Geräte aus der angelaufenen Serienfertigung einfliegen. Miele testete die Geräte in den eigenen Laboren. Und offenbar kamen die Prüfer dabei zu dem Schluss, dass der G32 den eigenen Miele-Standards an einigen Stellen nicht entspricht. „Nach den jetzt anstehenden Änderungen werden wir den Grill erneut zertifizieren lassen“, sagte ein Miele-Sprecher.

Die Kickstarter-Unterstützer müssen sich also weiter gedulden. Denn zurück bekommen sie ihr Geld nicht. Kickstarter sei kein Geschäft, heißt es bei Miele: „Hier unterstützt man eine Idee, um bei der Entstehung von etwas Neuem beizutragen.“ Im Gegenzug gebe es fertige Produkte für eine Summe unterhalb des unverbindlichen Verkaufspreises. „Wir sind auch weiter fest davon überzeugt, dass sich das Vertrauen in Otto Wilde und den G32 auszahlen wird.“