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Masterplan bekommt Millionen von NRW.Bank, RAG-Stiftung und Co.

13 Millionen Euro in zwölf Monaten : Millionen-Finanzierung für Lernplattform Masterplan

Das Start-up Masterplan will der größte Anbieter von Lern-Software werden. Von Investoren gibt es dafür zwar frisches Kapital in Millionenhöhe – doch nur als Wandeldarlehen. Ein schlechtes Zeichen? Ganz im Gegenteil.

Das Wort Achterbahnfahrt trifft das vergangene Jahr von Masterplan nicht genau. Denn das würde ja bedeuten, dass es erst runter, dann rauf – und dann möglicherweise wieder runter geht. Doch dazu soll es natürlich nicht kommen. Denn Gründer Stefan Peukert hat zwar ein anstrengendes Jahr 2020 hinter sich, aber nun auch große Pläne mit der Bochumer Lernplattform.

Von den Investoren, darunter der RAG-Stiftung und der NRW.Bank, gab es nun frisches Kapital in Millionenhöhe, um den Aufbau von Masterplan weiter voranzutreiben. Denn am Ziel von Peukert hat sich nichts geändert: „Wir wollen der größte Anbieter von Lern-Software werden. Und dafür schalten wir jetzt noch einen Gang hoch.“

Masterplan wurde 2017 von Daniel Schütt und Stefan Peukert in Bochum gegründet. Anfangs setzten die beiden auf die Produktion von hochwertigen Videos, in denen Experten wie der Investor Frank Thelen oder der Gründer der Hotelsuchmaschine Trivago Digitalthemen erklären. Um zu einer Art Netflix der digitalen Weiterbildung zu werden, baute das Masterplan-Team sogar ein eigenes Filmstudio im Ruhrgebiet auf.

Doch dann kam die Corona-Pandemie – und das Geschäft von Masterplan brach ein. Die Gründer reagierten und passten unter anderem ihr Konzept an. Inzwischen setzt man stärker auf die Software als auf die eigenen Inhalte. Offenbar mit Erfolg. Der Umsatz hat sich im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr laut Stefan Peukert verdreifacht – trotz Corona. Zu den Kunden zählen heute namhafte Konzerne wie Siemens, Volkswagen oder BASF.

„Der Aufbau der Video-Plattform war der erste wichtige Schritt“, sagt der Gründer: „Wir haben aber gemerkt, dass dies nicht reicht, wenn wir alle Facetten des Lernens abbilden wollen. Wir fokussieren uns daher auf die Software. Die Unternehmen haben wahnsinnig viele Inhalte selber, die sie dann ihren Mitarbeitern über unsere Plattform anbieten können.“ Unternehmen können so beispielsweise Pflichtschulungen zum Arbeitsschutz oder zur Datensicherheit gemäß der geltenden Bestimmungen mit der Software abbilden.

Masterplan wird dadurch zu einem Saas-Unternehmen, wobei die Abkürzung für „Software as a Service“ steht. Nutzer kaufen dabei nicht mehr das Produkt, sondern zahlen eine Art monatliche oder jährliche Abo-Gebühr. Das sorgt für stabile Einnahmen bei den jeweiligen Unternehmen – und erhöht umgekehrt auch das Interesse von Investoren.

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„Die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells hin zu einem Plattformangebot macht Masterplan kapitaleffizienter und skalierungsfähiger“, sagt Claas Heise, der bei der NRW.Bank für den Bereich Risikokapital verantwortlich ist. „Das Unternehmen hat an der Stelle eine gute Entscheidung getroffen, die das Geschäftsmodell langfristig werthaltiger macht“, ist Heise überzeugt.

Ähnlich sieht das auch Stefan Peukert. Seit 2018 hat das Unternehmen keine Finanzierungsrunde mehr gemacht, sondern stattdessen ab Ende 2019 auf Wandeldarlehen gesetzt. Diese werden oft genutzt, um die Zeit bis zur nächsten Finanzierungsrunde zu überbrücken, bei der die Darlehensgeber ihr Investment dann in Firmenanteile wandeln können. Allein in den vergangenen zwölf Monaten gelang es Masterplan dabei, 13 Millionen Euro an Kapital bei Investoren einzuwerben. Eine erste Millionen-Finanzierung aus dem vergangenen Sommer, bei dem die NRW.Bank, der Gründerfonds Ruhr und die RAG-Stiftung investierten, wurde nun noch einmal von den Bestandsinvestoren aufgestockt. Für Peukert war das auch eine strategische Entscheidung: „Wir haben uns für eine Brückenfinanzierung entschieden, weil wir davon überzeugt sind, die Metriken des SaaS-Modells im zweiten Halbjahr noch stärker zeigen zu können. Wir glauben daher, dass sich dies nochmal signifikant auf die Bewertung auswirken wird.“ Ende des Jahres plane man daher eine weitere Finanzierungsrunde.

Der Zeitpunkt scheint günstig, Lernsoftware ist spätestens durch die Corona-Pandemie für Investoren noch interessanter geworden. Masterplan skaliert daher sein Geschäft auch rasant. Die Mitarbeiterzahl stieg von knapp 50 im Jahr 2019 auf inzwischen mehr als 120, wobei der Großteil inzwischen in Düsseldorf sitzt. Denn Bochum ist zwar die Geburtsstätte von Masterplan, in Zukunft wird das Geschäft aber überwiegend aus Düsseldorf und Berlin aufgebaut, weil man sich dort einen besseren Zugang zu Fachkräften verspricht.

Und noch etwas hat sich verändert: Mit Daniel Schütt hat einer der beiden Gründer das Start-up verlassen, wird dem Unternehmen aber künftig als Berater zur Seite stehen. Den Großteil seiner Anteile hat er an Stefan Peukert verkauft, der nun alleine die Mehrheit am Unternehmen hält. „Daniel hat für sich entschieden, dass er mehr Zeit mit der Familie verbringen möchte“, sagt Peukert. An der persönlichen Beziehung der beiden Studienfreunde soll dies aber nichts geändert haben: „Wir sind weiterhin sehr eng befreundet und ich bin froh, dass wir so eine Lösung gefunden haben. Das ist nicht selbstverständlich.“