Lena Henke aus Viersen ist für den Gründerpreis NRW nominiert

Gründer in Viersen : Dülkenerin im Gründerpreis-Finale

Die 29-jährige Lena Henke gehört mit ihrem Unternehmen Famcare zu den Finalisten im Wettbewerb. Ihr Team und sie bieten ein neuartiges Wohnkonzept in der Jugendhilfe an: Sie setzen auf Tiny Houses.

Zehn von rund 150 Bewerbern hat die Fachjury fürs Finale um den Gründerpreis NRW ausgewählt. Dazu zählen eine Agentur für virtuelle Realität, ein Spezialist für die Entwicklung von Destillationsanlagen – und die Dülkenerin Lena Henke mit ihrem Team von Famcare. „„Wir sind echt stolz darauf““, sagt die 29-Jährige und ergänzt: „„Wir machen eben einfach etwas Besonderes.““ Jedenfalls kennt sie keinen anderen privaten Träger für Kinder- und Jugendhilfe, der drei Tiny Houses auf einen Bauernhof transportiert hat, um darin Jugendlichen endlich das ersehnte eigene Zuhause zu bieten.

Vor drei Jahren hat Henke als Einzelunternehmerin die Famcare Erziehungshilfe und Reittherapie gegründet. „„Im Grunde bieten wir tiergestützte Familien- und Jugendhilfe““, erklärt sie. Henke und ihre Mitarbeiter betreuen zum Beispiel Familien im Auftrag verschiedener Jugendämter in der Region, die Unterstützung dabei brauchen, ihren Alltag zu strukturieren. Tiere seien dabei „ein Eisbrecher in der Beziehungsarbeit“, sagt sie. Anfangs nutzte sie ein Büro im Gewächshaus für Jungunternehmen in Viersen, doch mittlerweile hat die Reittherapeutin und Sozialpädagogin sieben Mitarbeiter und eine geräumige Schaltzentrale auf einem Hofgelände an der Nette in Dülken. Vier Pferde, zwei Schweine, zwei Schafe, zwei Hühner, zwei Hunde und eine Katze leben dort – und neuerdings drei Jugendliche, die dringend ein neues Zuhause brauchten.

Auf die sogenannten Tiny Houses, also kleine mobile Häuser, wurde sie beim Fernsehen aufmerksam: „„Ich habe eine Sendung darüber gesehen. Die Tiny Houses sind gerade ein großer Trend““, erzählt die 29-Jährige. Bei der Umsetzung half Mitarbeiterin Sarah Jorczyk. Sie war es auch, die das Konzept vor zwei Wochen in Düsseldorf der Gründerpreis-Jury vorstellte. „Wir wollten auf die Bedürfnisse der Jugendlichen eingehen““, sagt die 32-Jährige. Nicht für jeden eigne sich ein Zimmer in einer betreuten Wohngruppe, „manche möchten ihre eigenen vier Wände haben“. Außerdem: „Günstiger und dabei hochwertiger Wohnraum sei in der Jugendhilfe kaum zu kriegen.“ „Wer eins der Tiny Houses bezieht, „übernimmt Verantwortung für sich und sein Häuschen““, ergänzt sie. Das Ziel der Sozialpädagogen: „Wir möchten Hilfe zur Selbsthilfe bieten““, sagen Jorczyk und Henke.

Jedes der drei Mini-Häuser aus Holz hat rund 20 Quadratmeter Wohnfläche, eine eigene Küche, Bad, Fernseher, Internet. Eins ist Grau angestrichen, eins Gelb und eins Grün. Die erste Jugendliche sei Mitte Juni eingezogen, erzählt Henke. Das zweite Haus ist seit Juli besetzt, das dritte seit August. Voraussetzung ist, dass die Jugendlichen mindestens 16 Jahre alt sind. Theoretisch könnte ein Jugendlicher eins der Tiny Houses bewohnen, bis er 21 Jahre alt ist. Doch das Ziel ist, dass sie deutlich früher das nötige Selbstvertrauen fassen, um sich eine eigene Wohnung zu suchen. Die Bewohner der Mini-Häuser werden pädagogisch betreut, bekommen etwa Unterstützung dabei, wie sie am besten einen eigenen Haushalt führen und gut mit Geld umgehen. Sie gehen zur Schule, machen eine Ausbildung – oder arbeiten gemeinsam mit dem Famcare-Team daran, einen passenden Job zu finden.

Die drei Häuser sollen erst der Anfang sein: „Sechs bis acht können es noch werden“, sagt Henke. Der familiäre Charakter solle aber gewahrt werden, und „erstmal möchten sie das Projekt mit drei Häusern etablieren“, betont sie. Kerngeschäft von Famcare sei ja auch die tiergestützte Familien- und Jugendhilfe, sagen Henke und Jorczyk. Die sei übrigens auch etwas Besonderes auf dem Markt – und ein weiteres Merkmal, mit dem sich der junge private Träger von den etablierten großen Trägern in der Jugendhilfe absetzen könne.

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