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Kölner Neobroker Nextmarkets bekommt 30 Millionen Dollar von Investoren

Beteiligt sind Peter Thiel und Axel Springer : Kölner Start-up Nextmarkets bekommt 30 Millionen Dollar von Investoren

Neobroker machen den Handel mit Aktien deutlich günstiger. Entsprechend groß ist die Konkurrenz der Anbieter. Mit Nextmarkets mischt auch ein Kölner Start-up in dem Bereich mit – und kann dabei auf prominente Unterstützung zählen.

Während die Börsenhandel-App Robinhood in den USA offenbar ihren Börsengang vorbereitet, nimmt der Wettbewerb der sogenannten Neobroker in Deutschland weiter zu. Das Kölner Start-up Nextmarkets hat von Investoren 30 Millionen Dollar frisches Kapital bekommen, um sich im Wettbewerb mit anderen Anbietern wie Trade Republic oder Scalable Capital zu behaupten. Dies gab das Start-up am Donnerstag bekannt. Und Manuel Heyden sagt selbstbewusst: „Wir wollen ein europäisches Pendant zu Robinhood bauen.“

Heyden hat Nextmarkets 2014 gemeinsam mit seinem Bruder Dominic gegründet, zunächst als eine Art digitale Lernplattform für Börsengeschäfte. Nutzer sollten von Börsen-Coaches in Sachen Geldanlage beraten werden. Seit 2018 können Kunden über Nextmarkets an der Börse auch mehr als 7000 Aktien und rund 1000 sogenannte ETFs handeln. Seit wenigen Monaten ist das Angebot außerdem nicht nur in Deutschland und Österreich, sondern sechs weiteren Ländern wie Frankreich, Portugal oder Italien verfügbar. Im zweiten Quartal soll nun auch die Möglichkeit eingeführt werden, in ETF-Sparpläne zu investieren.

„Die Finanzierungsrunde ist ein Meilenstein für uns. Sie hilft, das Unternehmen auf ein neues Level zu heben“, freut sich Manuel Heyden über das Vertrauen der Investoren. Angeführt wird die Finanzierungsrunde von den Bestandsinvestoren Alan Howard und Christian Angermayer mit seiner Cryptology Asset Group. In der Vergangenheit hatten sich bereits der Medienkonzern Axel Springer und der deutschstämmige Star-Investor Peter Thiel an Nextmarkets beteiligt.

Den Gründer des Bezahldienstes Paypal trafen die beiden Brüder zum ersten Mal 2016 im Berliner Hotel Adlon. Er habe die Idee sofort verstanden, hat Manuel Heyden mal erzählt. Die Gespräche seien sehr schnell in die Tiefe gegangen. Nach dem ersten Investment beteiligte sich Thiel auch an einer weiteren Finanzierungsrunde. Diesmal verzichtete er.

Doch der Glaube an das Potenzial der Neobroker besteht weiterhin. Allerdings fährt Thiel inzwischen zweigleisig. Im vergangenen Jahr hat er mit seinem Founders Fund in den Nextmarkets-Konkurrenten Trade Republic investiert. Dieser dürfte gemessen an der Kundenzahl inzwischen der größte deutsche Neobroker sein. Doch für Manuel Heyden sind Kundenzahlen nur eine Kennzahl von vielen: „Auf unserer Plattform gibt es eine sehr hohe Aktivität. Ich würde sagen, dass wir der Neobroker sind, bei dem am meisten gehandelt wird. Da jeder Broker pro Trade verdient, ist die Kundenzahl für uns nicht die entscheidende Kennziffer.“

Mit dem frischen Kapital will das knapp 40-köpfige Team nun das Wachstum weiter vorantreiben. Denn Manuel Heyden ist überzeugt, dass gerade jetzt die Zeit anbricht, in der Neobroker den Markt dauerhaft verändern werden: „Vor 40 Jahren kostete der Handel mit Aktien noch 50 Mark pro Trade. Dann kamen traditionelle Online-Broker haben den Kauf und Verkauf für 5,90 Euro angeboten. Und jetzt kommt die nächste Broker-Generation, die den Handel für Kunden nahezu kostenlos macht.“ Ob es den beiden Brüdern am Ende gelingt, das europäische Robinhood-Pendant aufzubauen, weiß Heyden natürlich nicht. Für die etablierten Anbieter sieht er aber so oder so schwarz: „Ich glaube nicht, dass etablierte Online-Broker ihre Kosten so schnell senken können, dass sie mit den Neobrokern mithalten können.“