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Köln: Start-up Oniq schließt große Finanzierungsrunde ab

Großer Erfolg für Kölner Gründer : Start-up Oniq schließt große Finanzierungsrunde ab

Das Kölner Start-up Oniq analysiert Abläufe in Fabrikhallen – und will Industrieunternehmen helfen, effizienter zu arbeiten. Das Gründerteam hat keine Sorge vor einer kriselnden Wirtschaft. Und konnte selbst gerade eine üppige Finanzierungsrunde abschließen.

Egal ob Automobilzulieferer, Metallverarbeitung oder Maschinenbau: Die Fertigungsketten in vielen Industriezweigen sind komplex – und sogar für manchen Betrieb selbst kaum durchschaubar. Das macht es schwer, genau zu verstehen, an welcher Stelle es hakt und wo Verbesserungspotenzial liegen könnte. „Wie gut die Prozesse funktionieren, wird heute immer noch mit dem Klemmbrett und der Stoppuhr erhoben und anschließend mühsam in Excel-Tabellen überführt“, sagt Yvonne Therese Mertens. Gemeinsam mit Christoph Kosmehl hat sie im Jahr 2020 das Start-up Oniq gegründet, dass hier ansetzt: Die Software der Kölner sammelt die Daten von allen Maschinen entlang einer Fertigung ein, analysiert sie und bereitet sie auf. Werksleiter, Schichtführer, Prozessspezialisten sollen so leichter die Abläufe verbessern können.

Damit arbeitet sich das Start-up in der noch vergleichsweise jungen Software-Kategorie des sogenannten „Process Mining“ voran. Dahinter steckt die Kunst, Unmengen von Informationen digital zu erfassen und übersichtlich darzustellen. „Viele Unternehmen sitzen heute schon auf einem Berg von Daten, können damit aber nicht viel anfangen“, sagt Mertens. Ein großes Vorbild aus der Start-up-Szene: Das 2011 in München gegründete Celonis, das mittlerweile von Investoren mit mehr als zehn Milliarden Euro bewertet wird – und damit die aktuell wertvollste deutsche Gründung der letzten Jahre ist.

Kluft zwischen IT und Ingenieurswelt überbrücken

Oniq, 2020 gegründet, steht noch am Anfang. Außerdem fokussiert sich das Start-up bewusst auf einen Teilbereich der Wirtschaft: Die Software ist darauf ausgelegt, die Prozesse in der fertigenden Industrie zu durchleuchten. Dafür dockt das Programm an die Betriebssysteme der einzelnen Anlagen an. Die Ergebnisse sollen den Unternehmen dabei helfen, Kosten einzusparen oder mehr produzieren zu können. „Wir wollen die Kluft zwischen den modernen IT-Verfahren und der klassischen Ingenieurswelt überbrücken, damit tun sich viele Unternehmen heute noch schwer“, sagt Mertens. Ein weiteres Versprechen: Die Software soll in der Lage sein, die CO2-Emmissionen aus dem eigentlichen Fertigungsprozess zu berechnen – Daten, die Unternehmen bald verpflichtend ausweisen müssen.

Im Kern setzen die Kölner auf moderne IT-Technologie, inklusive Künstlicher Intelligenz oder Cloud-Computing. Davon sollen die eigentlichen Nutzer jedoch möglichst wenig mitbekommen – sondern mit dem Programm genauso arbeiten können wie mit dem heimischen Office-Paket. „Menschen sind heute nicht mehr bereit, sich in Software einzuarbeiten. Wir arbeitend daran, dass es auch gar nicht mehr nötig ist“, sagt Mertens.

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Nach einer langen Entwicklungszeit hat das aktuell elfköpfige Team bereits die ersten zahlenden Kunden gewonnen. „Nun geht es darum, in Vertrieb und Marketing Geschwindigkeit aufzunehmen“, sagt Mertens. Wenig Sorgen macht sich das Start-up dabei um die derzeitige wirtschaftliche Lage. Corona, Krieg, Lieferkettenprobleme und steigende Energiepreise machen der Industrie schwer zu schaffen. In dieser Situation fehlt vielen etablierten Unternehmen die Zeit, um sich mit den Lösungen eines jungen Start-ups zu beschäftigen. Doch gerade in der Krise sei es für Unternehmen wichtig, Kosten zu sparen und flexibel zu reagieren, so die Gründerin: „Bei beidem kann unserer Software helfen, daher sind wir zuversichtlich, dass wir damit zur richtigen Zeit durch die Tür kommen.“

3,5 Millionen Euro für die Seriengründer

Auch Kapitalgeber glauben an das Potenzial des Start-ups. Oniq konnte jetzt eine Finanzierungsrunde über 3,5 Millionen Euro abschließen – eine relativ hohe Summe für ein junges Software-Start-up. Das Geld stammt von zwei Investoren mit regionaler Verankerung: Der TechVision Fonds wird von Aachen aus verwaltet, Coparion hat Büros in Köln und Berlin. Wichtiger Startvorteil für Oniq: Das Gründerteam um Mertens und Kosmehl hatte bereits zuvor das Start-up Athion aufgebaut, dessen Software anderen Unternehmen dabei hilft, ihren Energieverbrauch besser zu steuern. Das Tech-Unternehmen wurde 2018 mit damals 18 Mitarbeitern von dem IT-Energiedienstleister Digital Energy Solutions übernommen, hinter dem Autokonzern BMW und Heizungsbauer Viessmann steckten. 2020 sicherte sich wiederum der französische Energiekonzern Total die Mehrheit an der Gruppe.

Erfolgreiche Seriengründer erhalten häufig von Geldgebern einen Vertrauensvorschuss – schließlich haben sie wie in diesem Fall bereits erwiesen, dass sie ein Start-up aufbauen und auch verkaufen können. Nach einer Übergangsphase machten sich Mertens und Kosmehl mit ihrer neuen Idee für Oniq auf den Weg. Dabei konnten sie auf einige Kolleginnen und Kollegen aus der vorherigen Gründung bauen: „Wir sind ein eingeschworenes Team“, sagt Mertens.