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Hygh will Ströer bei Außenwerbung mit Bildschirmen Konkurrenz machen

Hygh will die Außenwerbung revolutionieren : Bildschirm statt Billboard

Werbung hat sich verändert, doch trotz Digitalisierung funktionieren große Plakate noch immer hervorragend. Einziges Problem: der Preis. Doch ein Berliner Start-up versucht inzwischen, die Außenwerbung zu revolutionieren.

Normalerweise dürften Fotos von einer Straßenkreuzung eher nicht zum Repertoire klassischer Urlaubsbilder gehören. Dennoch zählen der Picadilly Circus oder der Times Square inzwischen in quasi jedem Reiseführer zu den Sehenswürdigkeiten in London beziehungsweise New York. Grund sind die überdimensionalen Leuchtreklamen, die dort bis in die Nacht die Straße erhellen. Werbung als Touristenattraktion.

Allein wegen solcher Beispiele ist Fritz Frey vom Potenzial der Außenwerbung überzeugt. Nur die Rahmenbedingungen sind für ihn nicht mehr zeitgemäß. 2017 wollte der Unternehmer Außenwerbung für ein damaliges Projekt auf dem Berliner Kurfürstendamm schalten. 50.000 Euro hatte man als Budget eingeplant. Doch für diesen Preis habe man bei den führenden Anbietern damals nicht mal einen Termin bekommen, erinnert sich Frey: „Das war alles total unflexibel.“ Und so dachte sich der Kölner: Das können wir besser.

Hygh haben die drei Gründer Vincent Müller, Antonius Link und Fritz Frey ihr 2018 gegründetes Start-up getauft, mit dem sie die Außenwerbung stärker digitalisieren wollen. Die drei Gründer setzen dabei auf Bildschirme, die sie in Städten wie Köln oder Berlin aufstellen – und auf eine Digitalplattform, über die man Außenwerbung genauso einfach und lokal buchen können soll wie Anzeigen beim Suchmaschinen-Riesen Google. So soll Außenwerbung selbst für kleine, lokale Unternehmen interessant und bezahlbar werden. Und gleichzeitig, verrät Fritz Frey, denkt man trotzdem groß: „Vom Bildschirm im Schaufenster bis zum Billboard am Times Square sollen alle Bildschirme auf unsere Plattform.“

Dem rasanten Aufstieg kam allerdings zunächst die Corona-Pandemie in die Quere. Geschäfte waren plötzlich geschlossen, Innenstädte wie ausgestorben. Ein Problem – und das nicht nur aus Sicht der Werbekunden. „Wenn keiner draußen ist, ist Außenwerbung schwierig“, räumt Frey offen ein.

Auch der aktuell noch scheinbar übermächtige Konkurrent Ströer bekam die Pandemie im vergangenen Jahr zu spüren. Das Kölner Unternehmen hatte im vergangenen Jahr mit sinkenden Umsätzen im Außenwerbebereich zu kämpfen. Der zwischenzeitliche Lockdown des öffentlichen Lebens, heißt es im Geschäftsbericht, habe das Segment besonders hart getroffen. Zeitweise habe es praktisch keine Neueinbuchungen mehr gegeben.

Auch Ströer setzt längst auf digitale Werbung im Außenbereich, das Geschäft soll in den kommenden Jahren stärker ausgebaut werden. Das geklebte Plakat bleibt wichtig – aber es bekommt mehr Konkurrenz. Denn bei Hygh plant man bereits den nächsten Schritt. Fritz Frey hat kleinere Monitore bestellt, die nun in Geschäften im Kassenbereich aufgehängt und mit Werbung bespielt werden sollen. „Es soll zum Standard im Kiosk oder Späti gehören, dass ein Bildschirm an der Kasse hängt“, sagt er.

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Aktuell fokussiert sich das Unternehmen auf Berlin, Hamburg und Köln. In Berlin hängen inzwischen knapp 450 Hygh-Bildschirme, in Hamburg 50 und in Köln 150. Zu den Kunden, die Werbung über Hygh schalten, gehören Unternehmen wie der Streaming-Dienst Netflix, die Getränkemarke Fritz Kola oder der Online-Modehändler About You. „Gute Standorte sind in der Nähe von Bahnsteigen, in Fußgängerzonen und generell Geschäfte, auf die Menschen frontal zulaufen müssen“, sagt Frey. Die Geschäfte bekommen je Bildschirm eine Miete, Hygh die Einnahmen, die durch die Werbevermarktung erzielt werden.

Die Entscheidung, nach Berlin zunächst in der Domstadt zu starten, hatte laut Frey einen ganz einfachen Grund: Er kennt sich dort gut aus. Denn der 25-Jährige ist in Köln aufgewachsen. Schon als Kind lernte er seinen Mitgründer Antonius Link kennen, als die beiden gemeinsam ein Tenniscamp besuchten. Und in Köln, verrät Fritz Frey, habe er schon als Schüler auch die ersten Schritte als Unternehmer gemacht. „Ich habe schon als 13-Jähriger einen eigenen Energy Drink auf den Markt gebracht und später einen Youtube-Kanal aufgebaut, auf dem wir Energy Drinks bewertet haben“, sagt Frey: „Am Ende mussten wir ein kleines Lager anmieten, weil die Hersteller uns mit so vielen Proben versorgt haben.“

Später investierte er mit seinen heutigen Partnern dann auch noch so erfolgreich in Kryptowährungen wie Bitcoin, dass damit der Grundstock für die Gründung von Hygh gelegt werden konnte. Selbst bei der ersten Finanzierungsrunde wählte man nicht den klassischen Weg über Risikokapitalgeber, sondern sammelte Geld über eine Crowdfunding-Kampagne auf Krypto-Token-Basis ein – ein sogenanntes Initial Coin Offering. Zehn Millionen Euro kamen laut Frey auf diesem Weg zusammen.

Das Startkapital half über die schwierige Corona-Zeit hinweg. Doch nun zieht das Geschäft an: „Wir erleben gerade den besten Monat unserer Firmengeschichte“, sagt Frey. Der Gründer und Geschäftsführer steht damit jedoch schon vor dem nächsten Problem: „Aktuell haben wir mehr Anfragen als Angebot und müssen zusehen, dass wir noch schneller Bildschirme aufbauen.“