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Hometogo, Holidu und Co. liefern sich Wettkampf um Ferienhaus-Markt

Hometogo, Holidu und Co. : Der Wettkampf um den Ferienhausmarkt

Die Corona-Pandemie hat die Reisebranche hart getroffen – doch speziell bei Ferienhäusern ist die Nachfrage stark gestiegen. In Deutschland versucht eine Reihe von Anbietern, davon zu profitieren.

Früher war die Werbebotschaft ganz einfach: Hotel? Trivago. Jahrelang hat das Unternehmen mit hohen Marketingausgaben darauf gesetzt, dass die Menschen beim Thema Hotels sofort an die Suchmaschine aus Düsseldorf denken. Doch zuletzt waren im Fernsehen andere Bilder zu sehen: Viel Natur und dazu eine Familie, die ein Ferienhaus bezieht. Und plötzlich heißt es: Hotel? Ferienhaus? Trivago.

Die Corona-Pandemie hat die Reisebranche hart getroffen – gerade auch die Hotels. Statt Geschäftsreisen gab es Videokonferenzen, statt Städtetrips machten die Menschen Ausflüge in die Natur. Und so rückte bei hart getroffenen Unternehmen wie Trivago eine andere Kategorie in den Fokus: Ferienhäuser.

Auf dem Markt tummeln sich inzwischen eine Reihe von Anbietern. Die US-Plattform Airbnb vermittelt inzwischen genauso Ferienhäuser wie Trivago – und mit Hometogo und Holidu gibt es gleich zwei deutsche Start-ups, die sich seit Jahren auf das Segment spezialisiert haben und von Investoren Millionen für die Eroberung des Marktes bekamen.

Wie groß die Hoffnungen sind, wurde in dieser Woche erneut deutlich. Denn am Mittwoch gaben Hometogo und Lakestar Spac I ihren Zusammenschluss bekannt. Im Februar hatte Investor Klaus Hommels mit dem Lakestar Spac I eine leere Firmenhülle an die Börse gebracht, um anschließend nach einem geeigneten Übernahmekandidaten zu suchen. Mit der 2014 gegründeten Ferienhaus-Suchmaschine glaubt er ihn gefunden zu haben. Entsprechend wird das Unternehmen trotz aktueller Verluste bei der Übernahme mit 1,2 Milliarden Euro bewertet. Gibt es keine Bedenken bei der Hauptversammlung des Spac, wird Hometogo ab September an der Börse gelistet sein.

Johannes Siebers ist trotzdem entspannt. Das Interesse von Anbietern wie Trivago oder auch Kayak belege, wie attraktiv der Markt sei, sagt der Gründer und Geschäftsführer von Holidu. Doch sein eigenes Unternehmen sieht er im Vorteil: „Wir haben uns seit sieben Jahren zu 100 Prozent auf diesen Markt spezialisiert.“ Der Markt ist extrem zersplittert, es gibt zwar Ferienhaus-Parks wie Landal oder Center Parcs, doch ein Großteil der Häuser wird privat vermietet – und per Telefon. „Wir hatten bei unserer Gründung nur teilweise auf dem Schirm, wie hoch der Anteil an Ferienwohnungen wirklich ist, die nicht online buchbar sind“, sagt Siebers: „In manchen Regionen sind das bis zu 80 Prozent.“

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Hometogo und Holidu verzeichneten beide im vergangenen Jahr ein starkes Wachstum. Die Unternehmen wurden auch im selben Jahr gegründet – mit ähnlichem Ansatz. Es handelt sich um Meta-Suchmaschinen, Holidu und Hometogo durchsuchen also nicht nur das eigene Angebot, sondern auch das von anderen Anbietern wie Fewo-Direkt, Tui oder Airbnb. So machen es umgekehrt auch Anbieter wie Trivago. Um sich zu unterscheiden, müssen die Anbieter daher erfinderisch sein. Holidu setzt zum Beispiel auf Software und Service, mit denen man die Besitzer von Ferienhäusern unterstützt. Diese können dadurch beispielsweise ihre Häuser auf mehreren Portalen inserieren, aber gleichzeitig die jeweiligen Kalender synchron halten.

Der harte Wettbewerb der Digitalunternehmen hat auch für Kunden Vorteile – denn bislang vorherrschende Gesetzmäßigkeiten wurden durch die neuen Anbieter und nicht zuletzt auch die Corona-Pandemie aufgebrochen. „In der Ferienhausbranche waren flexible Stornobedingungen lange Zeit überhaupt nicht üblich“, sagt Johannes Siebers: „Das hat sich stark geändert.“ Die Pandemie hat laut dem Holidu-Chef auch zu einem veränderten Buchungsverhalten geführt: „Gerade in Deutschland wurde oft schon im November für das kommende Jahr gebucht. In Südeuropa war das immer anders. Durch die Pandemie haben sich aber auch hierzulande die Buchungszeitfenster stark verkürzt – teilweise sogar mit Check-in am gleichen Tag.“

Eine schnelle Erholung der zuletzt deutlich erhöhten Preise für Ferienhäuser sieht der Gründer hingegen nicht. „Ich glaube nicht, dass wir bei Ferienhauspreisen auf Vor-Covid-Level zurückkehren werden.“ Dafür werde sich durch mehr Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten die Saison für Vermieter verlängern, weil die Häuser von Menschen anders genutzt würden: „In Zukunft werden mehr Menschen Arbeit und Urlaub verbinden, also neudeutsch Workation machen.“

Für die Anbieter bietet das noch erhebliches Wachstumspotential – überzeugte Anleger wiederum könnten davon im Falle eines Wertzuwachses bei Hometogo als Aktionäre profitieren. Doch sicher ist das alles nicht. Denn gerade bei der Suche gibt es einen großen Spieler, der auch bei Hotels schon dafür gesorgt hat, dass Anbieter wie Trivago unter Druck geraten sind: Google. Dass sich der US-Tech-Konzern um das Segment mehr bemühen wird, will Johannes Siebers nicht ausschließen. Doch von einer Sache ist er überzeugt: „Google wird nie in die Betreuung von Ferienhäusern gehen.“