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Haniel profitiert bei Infarm vom rasanten Wachstum

Unternehmen Infarm wird zum „Unicorn“ : Start-ups sollen Haniel neues Wachstum bringen

Das Start-up Infarm züchtet Salat in Gewächshäusern, Sdui kümmert sich um die Digitalisierung und Happybrush erfindet die Zahnbürste neu. Drei Start-ups, die etwas gemeinsam haben: Das Duisburger Traditionsunternehmen Haniel hat in sie investiert. Dahinter steckt ein großer Plan.

Jetzt ist also auch Infarm ein Einhorn. Das Fabelwesen wurde einst als Namenspate gewählt, weil es genauso selten sein soll wie nicht-börsennotierte Start-ups mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar. Nur: Das Einhorn-Bild wird langsam schief, denn in letzter Zeit vermehrt sich diese Art von Start-ups eher wie die Karnickel. Allein in Deutschland gibt es laut dem Analysedienst CB Insights inzwischen 24 Einhörner – wobei 16 Start-ups diesen Status erst in diesem Jahr erreichten.

Infarm stößt durch eine in dieser Woche verkündete Finanzierungsrunde in Höhe von 200 Millionen Dollar nun als 25. Einhorn in diese Riege dazu – was auch in Duisburg für Freude sorgen dürfte. Denn dort hat das Traditionsunternehmen Haniel seinen Sitz, das schon früh in das Gewächshaus-Start-up investiert hat. Bei Haniel glaubt man an das Konzept von Infarm, das in Supermärkten und Co. Gewächshäuser installiert, so dass Kunden vor Ort frische Salate oder Kräuter kaufen können.

Vor ein paar Jahren hätte sich Haniel für ein solches Start-up wohl kaum interessiert. Der mehr als 250 Jahre alte Mischkonzern konzentrierte sich auf Beteiligungen an etablierten Unternehmen wie Metro, verordnete sich aber in den vergangenen Jahren eine neue Strategie, mit der man auch stärker in Wachstumsunternehmen investieren will. 500 Millionen Euro standen dafür bereit, im November wurde noch einmal ein gesonderter Topf von 100 Millionen Euro für frühphasige Investments bereitgestellt.

„Uns fehlte in der Vergangenheit ein Stück weit das Unternehmerische bei Haniel, wir haben eher verwaltet und waren risikoscheu – das ist aber nicht die Haniel-DNA“, sagt Philipp Göhre, der sich bei den Duisburgern um das Wachstumsgeschäft kümmert. Göhre verweist auf die Firmengeschichte des Unternehmens. Gestartet als Kolonialwarenladen ging dessen Aufstieg am Ende mit dem Steinkohlebergbau einher. Denn Franz Haniel gelang es, die so genannte Mergeldecke mit dem Bohrer zu durchbrechen, wodurch man an tiefer gelegene Kohlevorkommen gelangte. „Das Unternehmen ist so erfolgreich geworden, weil es sich immer wieder neu erfunden hat und zum Beispiel jemand praktisch sein ganzes Vermögen darauf gesetzt hat, eine neue Bohrtechnik für den Steinkohle-Bergbau zu erfinden“, sagt Göhre. Auf diesen Mut hat man sich bei Haniel neu besonnen.

Beim Einstieg in das Start-up-Geschäft ging das Team um Philipp Göhre sehr strategisch vor. So beteiligte sich Haniel zunächst an einer ganzen Reihe von Risikokapitalfonds wie Project A, Cherry Ventures oder auch Spark Capital, um erste Erfahrungen zu sammeln und ein Gefühl für den Markt zu entwickeln. Inzwischen traut man sich auch Direktinvestitionen zu. 2020 beteiligte man sich zum ersten Mal bei Infarm, zum Portfolio gehören heute aber auch Firmen wie das Industrierobotik-Unternehmen Wandelbots, das Schul-Start-up Sdui oder der Zahnbürsten-Hersteller Happybrush.

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„Zu Beginn unserer Investments waren wir sehr flexibel“, sagt Philipp Göhre: „Das musste man aber auch sein.“ Doch je reifer ein Ökosystem sei, desto stärker müsse man sich fokussieren. Haniel achtet daher bei Beteiligungen an Start-ups darauf, dass es schon ein funktionierendes Geschäftsmodell gibt – und die Unternehmen zum Planet-Bereich passen. Unter diesem Begriff bündelt Haniel Aktivitäten, die sich mit dem Thema Klimawandel oder Kreislaufwirtschaft beschäftigen.

Die zusätzlichen 100 Millionen Euro verändern das Geschäft allerdings weiter. Man müsse proaktiver werden, sagt Philipp Göhre: „Wir müssen schon mal Leute in den Seed-Runden kennenlernen, damit sie uns dann auf dem Schirm haben, wenn sie ihre Series A machen.“ Eine sogenannte Series-A-Runde machen Start-ups häufig dann, wenn das Produkt schon erste Erfolge zeigen konnte und nun das Wachstum beschleunigt werden soll.

Das Gewächshaus-Start-up Infarm, zu dessen Kunden unter anderem der Discounter Aldi oder auch Express-Lieferdienste wie Flink oder Gorillas gehören, konnte inzwischen sogar schon eine Series-D-Runde abschließen. Philipp Göhre ist vom langfristigen Erfolg des Unternehmens überzeugt – und hat keine Angst davor, dass irgendwann Unternehmen mit ähnlichen Konzepten Infarm den Rang ablaufen könnten. „Infarm hat eine tolle Marke aufgebaut, hält einige Patente und hat viele Kundenbeziehungen“, sagt Philipp Göhre: „Außerdem ist das Geschäft sehr kapitalintensiv. Das kann man nicht so leicht kopieren.“