1. Wirtschaft
  2. Unternehmen
  3. Start-ups

Frauen wollen in der Gründerszene sichtbarer werden

Dienstag beginnt der Ruhrsummit : Frauen wollen in der Gründerszene sichtbarer werden

Frauen sind in der Gründerszene noch immer in der Minderheit. Doch inzwischen gibt es viele, die daran etwas ändern wollen. Beim Ruhrsummit in Bochum werden einige dieser Geschichten erzählt.

Bevor Olivia Janus ein Start-up gegründet hat, konfrontierte sie sich selbst mit einer Frage: Was ist das Schlimmste, was passieren könnte? „Keine meiner Antworten war so schlimm, dass ich es nicht versuchen wollte“, sagt die Gründerin. 2019 hat sie gemeinsam mit ihrem Mann in Bochum das Start-up Beautyself gegründet und dem Angestellten-Dasein den Rücken gekehrt. Auf der Beauty-Plattform bekommen Frauen Tipps zur Hautpflege und den richtigen Produkten für jeden Hauttyp. Die Plattform ist eine Seite, die Olivia Janus sich vor Jahren gewünscht hätte, als sie selbst unter schwerer Akne litt.

Unternehmerinnen wie Olivia Janus sind in der deutschen Gründerszene noch immer eine Minderheit. Laut dem Deutschen Start-up-­Monitor, der detailliertesten Gründerbefragung der Republik, sind knapp 16 Prozent der Gründer in Deutschland Frauen. Der Anteil ist in den vergangenen Jahren nur minimal gestiegen. Noch seltener sind weibliche Risikokapitalgeber.

Das hat Folgen – negative wie positive. Olivia Janus erzählt, dass sie bei Start-up-Treffen oft nicht ernst genommen wurde. „Es kam mehrmals vor, dass ich für die Assistentin gehalten wurde“, sagt sie. Umgekehrt sei das Thema inzwischen so wichtig, dass etliche Firmen Frauenförderung besonders vorantreiben. So habe die Kosmetikkette Sephora ein Programm aufgelegt, was sich ausschließlich an Frauen wendet – und an dem Janus teilnehmen durfte.

Inzwischen gibt es vielerorts Bemühungen, weibliche Gründer-Geschichten sichtbarer zu machen. Bei Veranstaltungen wie dem Ruhrsummit, der am Dienstag als digitale Version startet, ist eine Vielzahl erfolgreicher Frauen auf der großen Bühne zu sehen – von der Gründerin des Gewürz-Start-ups Ankerkraut bis hin zu Tanja Rosendahl, die für den Logistiker Fiege die Start-up-Investments vorantreibt. Die Rheinische Post ist Medienpartner der Veranstaltung.

Auch auf politischer Ebene tut sich etwas, wie die Kampagne „Stay on board“ beweist. Sie entstand in der Gründerszene, weil die Chefin des börsennotierten Start-ups Westwing, Delia Lachance, ihren Posten räumen musste, als sie Mutter wurde – das Aktienrecht verlangte es. Die Kampagne will das nun ändern. Und nicht zuletzt achten auch Politiker stärker darauf, mit Förderprogrammen für mehr Vielfalt zu sorgen. Beim Start des Gründerstipendiums in NRW hatten SPD und Grüne immer wieder gefordert, dass damit auch gezielt weibliche Gründer gefördert werden sollten. Längst ist die Steigerung des Anteils der weiblichen Empfänger des Stipendiums auch für den NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) ein wichtiges Ziel geworden – bei dem messbare Fortschritte erzielt werden.

Tanja Rosendahl ist seit dem Jahr 2000 im Bereich Risikokapital unterwegs. Sie arbeitete lange Zeit für die landeseigene NRW-Bank und baut nun für Fiege den Risiko­kapitalgeber F-Log Ventures auf. Sie glaubt, dass Frauen es generell nicht schwerer hätten, sondern es sich tendenziell schwerer machen würden. „Frauen tendieren zu weniger Selbstbewusstsein und geringerer Risikobereitschaft, was beides ja wichtig für eine Gründung ist“, sagt sie. Dies habe sich allerdings in den vergangenen Jahren zum Positiven gewandelt. Sie sagt aber auch, dass mehr fundierte Beratungsangebote, speziell von Frauen aus der Branche, helfen würden, mehr Sicherheit und mehr Klarheit zu erhalten, um selbst zu gründen. „Das zieht im nächsten Schritt auch mehr Frauen im Bereich Risikokapital nach sich“, sagt Rosendahl.