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Flixbus und Pinkbus kritisieren Wettbewerbsverzerrung bei der Bahn

Billig-Tickets und Staatshilfen : Fernbus-Anbieter kritisieren Wettbewerbsverzerrung bei der Bahn

ICE-Tickets ab 12,90 Euro – mit diesem Angebot will die Deutsche Bahn junge Leute in ihre Züge locken. In der Fernbus-Branche sorgt das für Empörung, denn der Staatskonzern profiliert sich aus Sicht von Unternehmen wie Pinkbus oder Flixbus mit unfairen Mitteln gegen die Konkurrenz.

Die Deutsche Bahn will mit stark vergünstigten Tickets junge Leute als Kunden gewinnen – und sorgt damit für Ärger in der Fernbus-Branche. Am Sonntag hatte die Bahn angekündigt, eine Million ermäßigte Fernverkehr-Tickets für junge Leute auf den Markt zu bringen. Reisende im Alter von bis zu 26 Jahren können sie ab 12,90 Euro für ICE-Fahrten in der zweiten Klasse erwerben. Laut einem Bahn-Sprecher hänge der jeweilige Preis von Strecke, Zeitpunkt und Auslastung der Züge ab. Reisen seien dann bis Ende April 2021 möglich. Zuvor hatte die Zeitung „Bild am Sonntag“ darüber berichtet.

„Solche Preise sind Wettbewerbsverzerrung“

Bei Fernbus-Anbieter sorgt dieses Vorgehen für Kritik.„Solche Preise sind Wettbewerbsverzerrung“, sagt Christian Höber, Gründer und Chef des Kölner Fernbus-Anbieters Pinkbus. Das Unternehmen betreibt eine Direktverbindung zwischen Berlin und München. „Sobald die Bahn nicht nur schneller, sondern auch günstiger ist, haben Anbieter wie wir kaum eine Chance mehr.“

Aus Höbers Sicht dürften die Ticketpreise nicht die tatsächlichen Kosten der Bahn decken, also letztlich Verluste bringen: „Und dann wird im Zweifel nach dem Staat gerufen und die Hand aufgehalten. So war es ja auch schon zu Beginn der Corona-Krise, als man wochenlang das Angebot im Fernverkehr zu fast 100 Prozent aufrecht erhalten hat.“

Flixbus-Chef beschwert sich bei EU-Kommission

Das Vorgehen sorgt nicht nur in Köln für Ärger, sondern auch in München, wo Marktführer Flixbus seinen Sitz hat. Gründer und Geschäftsführer André Schwämmlein hatte sich bereits Ende August in einem Brief bei EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager über die in der Corona-Krise geplanten Staatshilfen für die Deutsche Bahn beschwert. Das hinter Flixbus stehende Unternehmen Flixmobility vermittelt nicht nur Fernbusse, sondern betreibt auch eigene Züge. In dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, heißt es: „Mit Blick auf Deutschland scheint das Muster so zu sein, dass jede Gelegenheit genutzt wird, staatliche Mittel bedingungslos in die Deutsche Bahn fließen zu lassen, ihre Position auf Kosten der Konkurrenz zu stärken und damit die Wahlmöglichkeiten der Fahrgäste zu verringern.“ Die EU-Kommission müsse daher die Aufrechterhaltung des Wettbewerbs in Deutschland sicherstellen.

In der Branche bemängelt man seit geraumer Zeit die Ungleichbehandlung der Anbieter. So beschloss die Bundesregierung im vergangenen Jahr eine Senkung der Mehrwertsteuer bei Fernverbindungen der Deutschen Bahn von damals 19 auf sieben Prozent – während für Fernbusse weiterhin der erhöhte Mehrwertsteuerbetrag gelten sollte. Und als die Bahn in der Corona-Krise hohe Verluste einfuhr, weil sie – auch auf Wunsch der Bundesregierung – ihren Betrieb nahezu komplett aufrecht erhielt, signalisierte die Politik schnell Bereitschaft, mit Milliarden-Hilfen einzuspringen.

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Flixbus fordert niedrigere Preise für Streckennutzung

In dem Schreiben an die EU-Kommission zeigt Flixbus-Chef Schwämmlein einerseits Verständnis für Staatshilfen für die Bahn angesichts der Krise, obwohl sein eigenes Unternehmen ebenfalls hart von den Corona-Folgen betroffen ist und den Betrieb zwischenzeitlich praktisch komplett einstellen musste. Er fordert aber im Gegenzug, die Rahmenbedingungen für mehr Wettbewerb zu verbessern. Dazu gehören neben niedrigeren Preisen für die Streckennutzung unter anderem auch einen diskriminierungsfreien Zugang zu Ticketing- und Verkaufskanälen. Im Klartext: Das Flixtrain-Angebot, etwa auf Verbindungen von Köln nach Hamburg, könnte dann zum Beispiel auch automatisch prominent in der Suche auf der Seite Bahn.de zu finden sein.

Seit der Liberalisierung des Fernbusmarktes 2013 liefern sich die Bahn und Anbieter wie Flixbus einen harten Konkurrenzkampf. Die vergleichsweise günstigen Angebote von Start-ups wie Flixbus sind speziell bei jungen Leuten, etwa Studenten, beliebt. Die Corona-Krise hat die Anbieter allerdings hart getroffen. Sie haben zwar damit begonnen, ihr Streckennetz wieder nach und nach in Betrieb zu nehmen, fahren jedoch noch nicht wieder auf allen Strecken und zu allen Zeiten.