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Flaschenpost will mehr als 10.000 neue Stellen schaffen

Getränke-Lieferdienst aus Münster : Flaschenpost will in diesem Jahr mehr als 10.000 neue Stellen schaffen

Der Getränke-Lieferdienst will seine Mitarbeiterzahl offenbar mehr als verdoppeln. Unterdessen läuft weiterhin eine Prüfung durch die Landesdatenschutzbeauftragte wegen des Verdachts der illegalen Videoüberwachung – während die Mitarbeiter in Düsseldorf die Wahl eines Betriebsrates vorantreiben.

Der Getränke-Lieferdienst Flaschenpost will massiv wachsen. Laut einer Stellenanzeige, mit der das Start-up aus Münster einen Personalchef sucht, sollen in diesem Jahr mindestens 10.000 neue Mitarbeiter angeworben werden. Bislang beschäftigt Flaschenpost an seinen 19 Standorten nach eigenen Angaben rund 6000 Mitarbeiter. Flaschenpost-Chef Stephen Weich will die Zahlen auf Anfrage nicht bestätigen, sagt jedoch: „Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Kollegen und wollen eine signifikante Anzahl neuer Mitarbeiter gewinnen.“

Die Geschäfte scheinen für Flaschenpost jedenfalls gut zu entwickeln. Laut dem Portal „Deutsche-Startups“ beträgt die Bruttomarge, also die Differenz zwischen dem Einkaufs- und dem Verkaufspreis von Waren, bei Flaschenpost angeblich 44 Prozent. Üblich seien laut dem Portal in den meisten Supermärkten eher 27 Prozent. Weich will diese Zahlen nicht kommentieren – ebenso wenig wie die Frage nach einer neuen Finanzierungsrunde. Bislang hatte Flaschenpost von Investoren rund 70 Millionen Euro eingesammelt.

Prüfung der Landesdatenschutzbeauftragten läuft noch

Unterdessen wird das Unternehmen nach Überwachungsvorwürfen weiterhin von der Landesdatenschutzbeauftragten überprüft. Man sei Anfang Februar vor Ort in Münster gewesen, um sich einen Eindruck von der Videoüberwachung zu verschaffen, teilte ein Sprecher der Landesdatenschutzbeauftragten auf Anfrage mit. Gleichzeitig habe man das Gespräch mit den Verantwortlichen und dem Datenschutzbeauftragten gesucht. „Die gewonnenen Informationen werden wir nun in unserer datenschutzrechtliche Bewertung einbeziehen“, sagte ein Sprecher.

„Die Halle ist in allen Ecken ausgeleuchtet und es wird auch aufgezeichnet.“

Mitarbeiter hatten unserer Redaktion im vergangenen Jahr von permanenter Videoüberwachung in den Logistikstandorten berichtet. Kameras würden dabei nicht nur Bereich überwachen, in denen teure Spirituosen oder Wein gelagert werden, sondern auch andere Bereiche des Lagers. „Die Halle ist in allen Ecken ausgeleuchtet und es wird auch aufgezeichnet“, hatte ein Ex-Mitarbeiter aus Düsseldorf berichtet und behauptet, dass die Bilder auch in der Zentrale in Münster angeschaut werden könnten. Außerdem wurden die Lieferfahrzeuge laut Aussagen von Mitarbeitern mit GPS-Sendern ausgerüstet, um die Fahrstrecke nachverfolgen zu können.

Flaschenpost hatte den Einsatz von Kameras mit dem Schutz vor Einbrüchen und Diebstählen begründet. „Ein Zugriff auf diese Daten ist nur in begründeten Ausnahmefällen und mit vorheriger Genehmigung des Datenschutzbeauftragten möglich“, hatte eine Sprecherin betont. Die Videoaufzeichnungen dienten der Prävention und Beweissicherung. Die Arbeitsleistungen der Mitarbeiter würden nicht ausgewertet.

Die Landesdatenschutzbeauftragte leitete aufgrund der Berichterstattung jedoch im Oktober eine Prüfung der Vorwürfe ein, um die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen zu überprüfen. Man befinde sich in einer laufenden Abstimmung, sagte Flaschenpost-Chef Stephen Weich: „Die Gespräche laufen sehr konstruktiv und aus meiner Sicht in eine positive Richtung.“

In Düsseldorf wollen Mitarbeiter einen Betriebsrat wählen

Am Standort Düsseldorf wurde unterdessen die erstmalige Gründung eines Betriebsrates eingeleitet. Ende Januar wurde ein dreiköpfiger Wahlvorstand aufgestellt, der nun die Betriebsratswahl organisieren soll. Zayde Torun von der zuständigen Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten lobte im Nachgang das Verhalten der Flaschenpost-Verantwortlichen: „Die Versammlung zur Wahl eines Wahlvorstandes verlief nachahmenswert störungsfrei und reibungslos“. Laut Stephen Weich kooperiere man selbstverständlich mit den Beteiligten, wenn ein Betriebsrat gewählt werden soll. Weich sagt aber auch: „Es gibt verschiedene Wege, um Mitarbeiter im Unternehmen einzubeziehen. Die Zahlen unserer Mitarbeiterbefragungen zeigen, dass uns das gut gelingt und die Mitarbeiter zufrieden sind.“ Sollte ein Betriebsrat gewählt werden, hätte dieser mehr Einflussmöglichkeiten am Standort – unter anderem beim Thema Videoüberwachung.

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