1. Wirtschaft
  2. Unternehmen
  3. Start-ups

Flaschenpost-Mitarbeiter wählen in Düsseldorf erstmals Betriebsrat

Getränke-Lieferdienst : Flaschenpost-Mitarbeiter wählen in Düsseldorf erstmals Betriebsrat

Der Getränke-Lieferdienst war gegen die geplante Wahl im Vorfeld sogar juristisch vorgegangen. Doch die Mitarbeiter setzten sich durch – und mussten am Ende wegen des Coronavirus doch zittern.

Gesichtsmasken, Handschuhe, Abstandsmarkierungen und für jeden Wähler einen neuen Kugelschreiber – der Wahlvorstand hatte sich vorbereitet. Nichts sollte die erstmalige Betriebsratswahl in einem Flaschenpost-Logistikzentrum gefährden. Der Getränke-Lieferdienst hatte im Vorfeld versucht, die Wahl in Düsseldorf gerichtlich zu stoppen, war aber vor dem Landesarbeitsgericht gescheitert. Dann kam Corona.

Das Virus hat die Bestellungen bei Flaschenpost rasant ansteigen lassen. Seit am Mittwoch ein weiteres Logistikzentrum in Langenfeld eröffnet wurde, beliefert Flaschenpost auch Kunden in der Stadt sowie in Leverkusen, Solingen, Haan, Monheim, Hilden, Leichlingen und Erkrath. Die Geschäfte, hört man, laufen hervorragend.

Der Wahlvorstand in Düsseldorf musste wegen des Virus jedoch zittern. Bis kurz vor der Wahl wurde offenbar über eine Verschiebung diskutiert – was die Frage bei einigen aufwarf, ob es sich um eine Finte oder um Fürsorge des Arbeitgebers handelte. Denn Flaschenpost hatte in den vergangenen Wochen immer wieder den Eindruck erweckt, die erstmalige Wahl eines Betriebsrats in einem der Logistikzentren unbedingt verhindern zu wollen (was das Unternehmen allerdings stets bestritten hat).

Auch NRW-Arbeitsminister Laumann hat sich eingeschaltet

Nachdem bekannt wurde, dass in Düsseldorf acht von zehn Team- bzw. Schichtleitern fristlos gekündigt wurde, schaltete sich auch NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) in den Streit ein. Denn Flaschenpost begründete die Kündigungen zwar mit schlechten Leistungen, aus Sicht der Gewerkschaft NGG ging es hingegen darum, potenzielle Bewerber für den Betriebsrat loszuwerden. Momentan laufen noch Klagen der Mitarbeiter gegen die Kündigungen.

Im März tauschten sich Laumann und Landesschlichterin Yvonne Sachtje mit Flaschenpost-Vertretern in einem Telefonat aus. Laut Flaschenpost soll es der Minister gewesen sein, der dabei eine Verschiebung bzw. Pausierung der Wahl anregte. „Aus Perspektive der Fürsorgepflicht und um die Infektionsgefahr zu minimieren, haben wir den Vorschlag als sinnvoll erachtet“, sagt eine Flaschenpost-Sprecherin.

„Die Beschäftigten wollen mitbestimmen, wenn es um ihre Arbeitsbedingungen geht“

Doch der Wahlvorstand hielt an seinem Zeitplan fest – und ließ elf Betriebsräte wählen. „Die Beschäftigten haben deutlich gemacht, dass sie zukünftig mitbestimmen wollen, wenn es um ihre Arbeitsbedingungen geht“, sagt Zayde Torun, Geschäftsführerin der NGG-Region Düsseldorf-Wuppertal.

Bis der Betriebsrat erstmals in seiner neuen Besetzung zusammenkommen kann, wird es allerdings noch dauern: Unter den elf gewählten Betriebsräten befinden sich auch sechs der gekündigten Mitarbeiter. Sie müssen sich vorerst von Stellvertretern vertreten lassen.