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Eon übernimmt Energie-Start-up GridX aus Aachen

Intelligente Stromnetze : Eon erwirbt Mehrheit an Aachener Digital-Start-up GridX

Der Energiekonzern Eon will die Stromnetze schneller digitalisieren. Dabei sollen nun die Fähigkeiten eines Start-ups aus Aachen helfen. Das ist auch dringend notwendig.

Um bei der viel zu langsamen Digitalisierung der deutschen Stromnetze voranzukommen, erwirbt der Energiekonzern Eon die Mehrheit am Start-up GridX. Damit soll vorrangig der Einstieg in das Geschäft mit dem Aufladen von E-Autos vorangetrieben werden. Der Essener Stromriese und die Aachener Firma arbeiten bereits seit 2017 zusammen.

GridX ist eine Ausgründung aus der RWTH Aachen und hat ein Softwaresystem entwickelt, mit dem E-Autos beispielsweise in Parkhäusern so aufgeladen werden, dass es zwar möglichst schnell geht, das örtliche Stromnetz aber trotzdem nicht überlastet wird. Ein solches System wurde bereits in der Konzernzentrale von Eon installiert: Energie wird flexibel und digital gesteuert, zwischen den Ladepunkten aufgeteilt und beim Lastmanagement berücksichtigt. Sinkt der Verbrauch im Gebäude, laden mehr E-Autos gleichzeitig oder mit höherer Ladeleistung. „So werden die einzelnen Ladevorgänge optimiert und die volle verfügbare Stromkapazität am Standort effizient genutzt – nahezu in Echtzeit“, erklärt Eon.

Der Zeitpunkt kommt überraschend, erst im Frühjahr beteiligten sich der Kölner Risikokapitalgeber Tim Schumacher und der Gründer des Energiespeicher-Anbieters Sonnen, Christoph Ostermann, an dem 2016 gegründeten Start-up. Tim Schumacher überzeugte damals nach eigener Aussage, dass GridX an einer Plattform arbeite, in der alle Energieressourcen miteinander verbunden würden. So würden erneuerbare Energien für Jedermann zugänglich und erschwinglich.

Der Zukauf passt umgekehrt zur Strategie von Eon, stärker auf die Digitalisierung des Stromnetzes zu setzen. Das grundsätzliche Ziel ist, dass regenerative Energien wie Solar- und Windstrom deutlich effizienter genutzt werden können, indem der Stromverbrauch intelligenter gesteuert wird bzw. mehr Zwischenspeicher dafür sorgen, dass der Strom auch bei Windflaute oder nachts zur Verfügung steht. Millionen von Haushalten sollen laut Eon zu sogenannten „Prosumern“ werden, indem sie nicht nur Energie konsumieren, sondern über eigene Photovoltaik-Anlagen in die Verteilnetze von Eon einspeisen. E-Autos können dann wiederum im Gegenzug Strom zwischenspeichern, um ihn beispielsweise nachts wieder in das Netz einzuspeisen, wenn kein Solarstrom verfügbar ist.

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Wie langsam Deutschland bei der Digitalisierung der Stromnetze vorankommt, beklagte noch auf der Hauptversammlung im Mai der neue Vorstandschef Leonhard Birnbaum. In anderen Ländern wie Schweden sei es problemlos möglich, „Smart Meter“ für eine digitale Verbrauchskontrolle und Steuerung von Privathaushalten zu installieren, in Deutschland würde die komplizierte Regulierung den Rollout bremsen. Als Ergebnis gibt es fast keinen Privathaushalt, bei dem die Waschmaschine immer genau dann angeht, wenn viel preisgünstiger Solar- oder Windstrom im Netz angeboten wird. Birnbaum kritisierte im Mai das Genehmigungsverfahren für Smart Meter, bei dem jedes Update des Betriebssystems eine neue Genehmigung benötige. „Würden solche Anforderungen für Ihr Smartphone gelten, wäre die Software quasi immer veraltet. Und bei Smart Metern ist das nicht anders“, erklärte der Eon-Primus.

Mit GridX soll die Digitalisierung nun vorangetrieben werden. Die beiden Gründer David Balensiefen und Andreas Booke sollen dabei weiterhin als geschäftsführende Gesellschafter tätig sein und halten auch weiterhin Anteile am Unternehmen. Die anderen Investoren wurden von Eon ausbezahlt. „Für die Investoren hat es sich auf jeden Fall gelohnt“, sagt GridX-Gründer Andreas Booke. Der Kaufpreis wurde nicht bekannt. Trotz der Mehrheitsbeteiligung von Eon soll das Start-up mit seinen rund 70 Mitarbeitern weiterhin eigenständig agieren. „Bestehende Geschäftsbeziehungen bleiben bestehen und es sollen auch noch weitere hinzukommen“, sagt Booke. Der Gründer vergleicht GridX mit dem Cloud-Anbieter AWS. Obwohl dieser zum Online-Händler Amazon gehört, wird das Angebot auch von Amazon-Konkurrenten wie Zalando genutzt.

Eon ist an einer Reihe weiterer Start-ups beteiligt. Wie wichtig dem Konzern die Digitalisierung ist, zeigt auch eine Personalie. Seit April ist Viktoria Ossadnik als Vorstandsmitglied für das operative Geschäft und die Digitalisierung zuständig, seit 2018 arbeitet sie im Konzern. War die promovierte Physikerin davor bei einem anderem Stromkonzern? Nein, sie war beim Softwareriesen Microsoft.