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Düsseldorfer Start-up Emmie Gray verkauft konservierte Rosen

Emmie Gray aus Düsseldorf : Dieses Start-up verkauft konservierte Rosen

Sarah Zergaw und Paolo Oliva aus Düsseldorf haben 2016 den Online-Vertrieb „Emmie Gray“ für konservierte Rosensträuße gegründet. Das Besondere: Sie bieten echte Blumen an, die sie bis zu drei Jahren haltbar gemacht haben. Auf ihrem Gebiet sind sie Marktführer – und wurden 2020 sogar für den Gründerpreis NRW nominiert.

Alles begann mit einer Reise nach Ecuador. Im Sommer 2015 studierte Sarah Zergaw, Gründerin des Start-ups Emmie Gray, noch BWL und Englisch. Sie schrieb an ihrer Masterarbeit und war nach Südamerika gereist, um sich Erholung zu gönnen von den Tagen am Schreibtisch. In einem Blumenladen in Quito hielt sie etwas in den Händen, das sie noch nie zuvor gesehen hatte: Konservierte Rosen. „Sie hatten wunderschöne große rote Köpfe und sahen aus, als seien sie frisch. Dabei waren sie ein Jahr alt“, sagt Zergaw. Die BWL-Studentin sah sofort das Potenzial für eine Geschäftsidee. Eine Geschäftsidee, mit der sie fünf Jahre später für den Gründerpreis NRW nominiert werden wird.

Noch in Ecuador recherchierte sie, ob es konservierte Rosen schon auf dem deutschen Markt gab – gab es nicht – und kehrte noch einmal zu dem Blumenhändler zurück. Er erklärte ihr, wie er die Rosen so lange frisch hielt. „Der Händler hat die Blumen geerntet, als sie in voller Blüte standen, und ihnen die Zellflüssigkeit mit einer natürlichen Alkohollösung entzogen“, sagt Zergaw. Dann habe er die Rosen in eine Konservierungslösung eingelegt, mit der sie sich dann vollgesogen haben – als Ersatz für ihre Zellflüssigkeit. Um sie zu stabilisieren, werden sie noch mit Lebensmittelfarbe eingefärbt. „So halten die Blumen zwei bis drei Jahre“, sagt Zergaw.

Der Prozess faszinierte sie. Zurück in Deutschland beschloss Zergaw, es selbst auszuprobieren, postete Fotos von ihren konservierten Blumensträußen auf Instagram. Bald folgten ihr mehr als 5000 Menschen auf dem sozialen Netzwerk. Inzwischen haben 167.000 Follower die Instagramseite von „Emmie Gray“ abonniert – dem Start-up, das  Zergaw 2016 mit ihrem Geschäftspartner Paolo Oliva gründete. In ihrem Online-Vertrieb bieten die Düsseldorfer konservierte Rosensträuße in zwanzig verschiedenen Farbtönen an – von babyblau bis violett. Die Kunden suchen sich eine farblich passende Schachtel dazu aus, in der die Mitarbeiter von Emmie Gray die Sträuße arrangieren. Sie können auch eine Grußbotschaft verfassen, falls sie die Rosenbox als Geschenk verschicken möchten. Seit 2018 gibt es noch Duftkerzen im Sortiment. 2500 Produkte bieten Zergaw und Oliva in ihrem Shop an. „Und die Kunden haben 30.000 Möglichkeiten, sie zu kombinieren“, sagt Zergaw. Weil sie die Blumen aus Südamerika exportieren und das Konservieren aufwendig ist, kosten die Arrangements je nach Größe zwischen 20 und 380 Euro. Doch nicht nur Privatkunden nutzen das Angebot von Emmie Gray – auch die ganz Großen wie Porsche, Mercedes, L’Oréal oder die Hotelkette Holiday Inn kaufen bei Zergaw und Oliva. Um die Bestellungen zu bewältigen, beschäftigt Emmie Gray 30 Mitarbeiter auf 2500 Quadratmetern im Gewerbepark „Areal Böhler“ in Düsseldorf. Angefangen hat das Unternehmen auf 50 Quadratmetern in Oberkassel.

2016 war das Geschäft mit den konservierten Rosen auf dem deutschen Markt noch beinahe einzigartig. Das Berliner Start-up Fleurs des Paris bediente im April 2016 als erstes die Nachfrage. Im Juli zog Emmie Gray mit seinem Online-Shop nach – und ist damit erfolgreicher als seine Konkurrenten Fleurs des Paris und das Start-up Grace, das ebenfalls 2016 gegründet wurde. Bis heute ist Emmie Gray Marktführer, machte 2020 laut Zergaw einen Umsatz in zweistelliger Millionenhöhe und konnte zwei Erfolge verbuchen: Es wurde für den Gründerpreis 2020 nominiert – zuvor hatte es sich gegen 120 Bewerber durchgesetzt. Gewonnen hat Emmie Gray zwar nicht, dafür aber viel Aufmerksamkeit bekommen. Und: von Corona hat das Unternehmen profitiert. „Wir haben mehr Gewinn gemacht als in den vergangenen Jahren – die Menschen waren viel zu Hause, haben die Zeit genutzt, um zu dekorieren“, sagt Zergaw.

Doch auf ihrem Erfolg wollen sich die Gründer nicht ausruhen. Bald bringen sie konservierte Tulpen aus den Niederlanden auf den Markt, öffnen ihren Online-Shop für Vasen, Dekoartikel und Raumsprays. „Die Blumen werden aber immer unser Kernprodukt bleiben“, sagt Zergaw. Sie kauft die Rosen noch heute von einer Farm in der Nähe von Quito. Es ist ein bisschen so, als wäre ihre Reise nach Ecuador niemals zu Ende gegangen.