Drei Lehren aus dem Ruhr-Summit 2019 in Bochum

Digitalkonferenz in Bochum : Drei Lehren aus dem Ruhr-Summit 2019

Die Veranstaltung hat sich zu einer der wichtigsten Gründerkonferenzen des Landes entwickelt – und ist gleichzeitig ein Spiegelbild der Gründerszene in NRW geworden. Denn vieles hat sich toll entwickelt, aber in einigen Bereichen gibt es Luft nach oben.

Zwei Tage, 5100 Anmeldungen, dazu mit rund 29 Stunden ein Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde für den längsten Pitch der Welt – der Ruhr-Summit hat die Woche in Bochum geprägt und sich zu einer der wichtigsten Digitalkonferenzen im Land entwickelt. Es gibt kaum eine Veranstaltung in NRW, die so gut die Entwicklung der Digitalszene an Rhein und Ruhr widerspiegelt: Rasante Entwicklung, viel Potenzial, aber in einigen Bereichen noch Luft nach oben. Drei Lehren aus dem Ruhr-Summit 2019:

1. NRW ist groß genug für eine eigene wichtige Digitalkonferenz im Herbst – aber eigentlich nur eine.

Nordrhein-Westfalen ist gemessen an der Einwohnerzahl so groß wie die Schweiz und Österreich zusammen. Dass es in so einem Ballungsgebiet Potenzial für eine eigene große Digitalkonferenz gibt, steht außer Frage.

Mit dem Digital Demo Day in Düsseldorf im Frühjahr und dem Pirate Summit in Köln im Sommer gibt es im Rheinland bereits im ersten Halbjahr hochklassige Veranstaltungen. Das zweite Halbjahr sollte daher vom Ruhrgebiet geprägt sein – oder besser gesagt: dem Ruhr-Summit. Die zweitägige Konferenz ist rasant gewachsen und hat bewiesen, dass sie dieses Potenzial hat. In diesem Jahr haben sich der Digitalgipfel der Bundesregierung in Dortmund, die Digital X in Köln und der Ruhr-Summit allerdings gegenseitig kannibalisiert. Das sollte man im nächsten Jahr vermeiden, zumal sowohl Digital X als auch Ruhr-Summit erneut stattfinden sollen. Noch besser wäre es, alle Kräfte zu bündeln – denn rund um die beiden Veranstaltungen fanden oder finden auch noch die Noah in London bzw. der Websummit in Lissabon statt, die ebenfalls viele aus der Szene anlocken.

2. Bochum braucht langfristig jemanden wie Richard Branson

Virgin-Gründer Richard Branson war der Stargast bei der Digital X in Köln. Plattenfirma, Fluglinie, Weltraum-Unternehmen – der britische Milliardär sorgt mit seinen unternehmerischen Aktivitäten weltweit immer wieder für Aufsehen.

Beim Ruhr-Summit sind die Gründer von bekannten Start-ups wie Homelike, Home24 oder Hometogo aufgetreten. Hinzu kamen jede Menge spannende Diskussionen und Vorträge. Einen Gast des Kalibers Richard Branson hatte der Ruhr-Summit allerdings nicht. Hinzu kam erschwerend, dass einige prominente Gäste im Vorfeld absprangen. Trotzdem sagt Dirk Opalka, Geschäftsführer des Iniativkreises Ruhr: „Was die Noah in Berlin ist und die Bits & Pretzels in München ist der Ruhr-Summit hier im Land.“ Und damit hat er auch nicht ganz unrecht. Denn der Summit hat sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt, auch bei den Gästen, die man für die Veranstaltung gewinnen konnte. Veranstaltungen wie die Bits & Pretzels wurden allerdings früher gegründet und haben daher noch ein paar Jahre Vorsprung.

3. Am stärksten ist NRW, wenn es auf die Stärken von NRW setzt

Der Auftritt von Philipp Westermeyer aus Essen und Sven Schmidt aus Düsseldorf zählte zweifellos zu den Höhepunkten in diesem Jahr. Die beiden zeichneten live auf der Bühne eine Folge des OMR-Podcast auf, bei dem Internet-Investor Schmidt in gewohnter Weise provozierte und analysierte. Er scheute auch nicht davor zurück, dem anwesenden Chef des von Schmidt in der Vergangenheit heftig kritisierten Online-Möbelhändlers Home24, Marc Appelhoff, spontan ein Kamingespräch anzubieten. Der lehnte zwar ab, im Raum steht aber noch ein Live-Podcast von Schmidt und dem Sohn des ehemaligen Karstadt-Managers Klaus Appelhoff.

Kurzum: Schmidt und Westermeyer waren eine Bereicherung der Veranstaltung und stehen dabei noch für Unternehmer aus NRW. Und davon gibt es ja nicht nur sie. Es ist genau richtig, dass der Ruhr-Summit Gründern und Unternehmern aus NRW immer wieder eine Bühne bietet – denn die Geschichten von Start-ups wie Masterplan (Bochum), Urlaubsguru (Holzwickede) oder Compeon (Düsseldorf) sind mindestens so spannend wie jede Gründergeschichte aus Berlin.

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