Digitalisierungsreport: Bevölkerung hält Regierung für digital inkompetent

Digitalisierungsreport : Bevölkerung hält Regierung für digital inkompetent

Nach einer neuen Umfrage hält mehr als die Hälfte der Bevölkerung die Regierung in Sachen Digitalisierung für inkompetent. Rufe nach einem Digitalministerium werden lauter.

Ein Großteil der Bürger ist nicht davon überzeugt, dass der digitale Wandel in Deutschland mit der derzeitigen Regierung erfolgreich zu bewältigen ist. Laut „Digitalreport 2020“ des Meinungsforschungsinstituts Allensbach haben 60 Prozent der Bevölkerung in Sachen Digitalisierung nur wenig Vertrauen in die Kompetenz der Bundesregierung. Unter den Führungskräften aus Wirtschaft und Politik glauben sogar mehr als 90 Prozent nicht an die Digitalstrategie.

Darüber, dass der digitale Fortschritt von entscheidender Bedeutung ist, sind sich die Befragten größtenteils einig. 79 Prozent meinen, dass Deutschland bei der Digitalisierung zu den führenden Ländern gehören muss – gleichzeitig zählt diese für zwei Drittel aber zu den Schwächen des Landes. Die Politik ist für fast die Hälfte der Befragten „wenig“, für weitere elf Prozent „gar nicht“ kompetent auf dem Gebiet. Ein noch ernüchternderes Zeugnis erhalten die Parteien: Zwei Drittel der Befragten können keine Partei nennen, die ein überzeugendes Konzept für den digitalen Wandel vorlegen kann.

Schlecht sieht es laut Digitalreport auch für die zuständigen Minister aus. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ist zumindest für 18 Prozent der Befragten der Mann, dem sie das Thema Digitalisierung am ehesten zutrauen. Ausgerechnet Dorothee Bär (CSU), immerhin Staatsministerin für Digitalisierung, kann hingegen nur fünf Prozent überzeugen. Schwach sind die Werte auch bei Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU, acht), Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU, vier) und Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU, vier). Im Umkehrschluss bedeutet das: Nur ein Drittel der Bevölkerung traut laut Studie einer Partei oder einem Bundesminister Kompetenz zu.

Um den digitalen Wandel zu schaffen, fordern die Forscher unter anderem die Schaffung eines Digitalministeriums. Das hatten zuletzt bereits führende Politiker von der CDU/CSU, SPD und FDP, darunter auch CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, getan. Bei den Koalitionsverhandlungen nach der letzten Bundestagswahl war die Neuschaffung des Ministeriums bereits diskutiert worden. Derzeit sind Wirtschafts-, Bildungs-, Verkehrs- und Kanzleramtsministerium gemeinsam zuständig, hinzu kommt Dorothee Bär als Staatsministerin für Digitalisierung. Auch Achim Berg, Präsident des Digitalverbands Bitkom, unterstützt die Idee mittlerweile. „Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie und Wann. Wir sagen, es sollte so schnell wie möglich gehen. Es ist überfällig“, sagte er unserer Redaktion. Nach der Bundestagswahl 2017 hatte er im Interview mit unserer Zeitung noch gesagt, ein Digitalministerium mache „keinen Sinn“.

Weiter fordern die Forscher Investitionen in Milliardenhöhe in Gründungen und Technologien, um den großen Rückstand aufzuholen. Während es in der chinesischen Hauptstadt Peking 82 sogenannter Einhörner gebe, also Start-ups, die eine Milliarde Dollar wert sind, seien es in ganz Europa nur 30. „Digitalisierung heißt nicht, dass eine Firma sich SAP anschafft, sondern dass die Geschäftsprozesse digitalisiert werden“, sagte der an der Studie beteiligte Wirtschaftswissenschaftler Philip Meissner. Viele Unternehmen hätten zwar gute Produkte, würden es allerdings nicht schaffen, diese im Internet unmittelbar an ihre Kunden zu bringen. „Wer den Kundenkontakt hat, der verdient auch die Marge, der kontrolliert die Kaufkraft“, sagte Meissner.