Digitalgipfel: Zu wenig Frauen bei Digitalunternehmen

Digitalgipfel der Bundesregierung : Zu wenig Frauen bei Digitalunternehmen

Beim Digitalgipfel der Bundesregierung geht es in diesem Jahr schwerpunktmäßig um Plattformen. Am ersten Tag wird deutlich: Trotz der Dominanz von Unternehmen wie Google oder Apple sind deutsche Branchenkenner optimistisch.

Reinhard Schütte hat sich kurzerhand selbst auf die Bühne eingeladen, um etwas loszuwerden. Denn der Wirtschaftsinformatiker der Universität Duisburg-Essen erlebt im Alltag immer wieder das aus seiner Sicht größte Problem beim digitalen Wandel: Dem Land fehlen die digitalen Talente. Aus Schüttes Sicht gibt es zu wenig Informatiker, zu viele junge Menschen würden stattdessen lieber Geisteswissenschaften studieren.

Eigentlich geht es beim Digitalgipfel der Bundesregierung in Dortmund in diesem Jahr schwerpunktmäßig um das Thema Plattformen – aber wie das eben so ist bei der Digitalisierung: Am Ende hängt alles mit allem irgendwie zusammen. Und so kommt die Sprache auch immer wieder auf die Fachkräfte. „Wir brauchen die digitalen Talente“, sagt NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart. Thomas Jarzombek, Beauftragter des Bundeswirtschaftsministeriums für die digitale Wirtschaft, hat dabei vor allem eine Zielgruppe im Blick: „Warum entscheiden sich so viele Frauen nach der Schule gegen einen technischen Beruf?“

Auch beim Digitalgipfel dominieren auf den Podien die Männer. Es ist nicht mehr ganz so schlimm wie vor einigen Jahren, aber nach einer Berechnung der Grünen ist nur rund ein Drittel der Gäste auf dem Podium weiblich. Aus Jarzombeks Sicht wird es auch noch dauern, bis sich an dem Verhältnis etwas ändert: „Wenn von unten nur 15 Prozent Frauen in das System reinkommen, wird es schwer, dass oben 50 Prozent rauskommen.“

Zeit – die wird in vielen Bereichen gebraucht, ist angesichts des Tempos, mit dem die Digitalisierung voranschreitet so knapp wie selten zuvor. Denn gerade in China und in den USA entwickeln sich die Unternehmen rasant weiter. Eine Studie des Branchenverbands Bitkom zeigt, dass die beiden Länder deutlich stärker in die Digitalisierung investieren. So wächst der IT-Markt in den USA in diesem Jahr voraussichtlich um 3,9 Prozent auf 612 Milliarden Euro, in China wächst er sogar um neun Prozent auf 104 Milliarden Euro. Europa liegt in absoluten Zahlen zwar noch deutlich vor China (357 Milliarden Euro), der Markt wächst hier allerdings nur um drei Prozent.

Dennoch sieht man die eigenen Zukunftschancen durchaus optimistisch. Zum Beispiel in Aachen, wo Markus Große Böckmann mit seinem Start-up Oculavis sitzt. Die Plattform des Unternehmens ermöglicht es in Kombination mit Datenbrillen, Maschinen auch aus der Ferne zu warten. Das soll Reisekosten sparen und Ausfallzeiten minimieren. Immer mehr große Anbieter würden auf den Markt drängen, so Große Böckmann: „Trotzdem sehen wir die Chance, ein großes Software-Unternehmen in NRW aufbauen zu können.“

Es sind Worte, die Andreas Pinkwart gerne hören dürfte, immerhin will er das Bundesland bei der Digitalisierung in die europäische Spitze führen. Helfen sollen dabei auch Menschen wie Michael Henke, Leiter des Fraunhofer-Institus für Materialfluss und Logistik in Dortmund. Er präsentiert auf dem Podium eine Europalette, die mittels Sensoren permanent ihren Standort und weitere Informationen übermitteln kann. Dafür wird sowohl die Blockchain, bei der Daten dezentral gespeichert werden, als auch IOT-Technologie genutzt, mit der Gegenstände intelligent gemacht werden können. „In beiden Bereichen sind wir in NRW sehr gut aufgestellt“, sagt Henke. Nur bei der Menge an Talenten – da würde er dem Wissenschaftler Schütte wohl zustimmen. Denn mehr geht schließlich immer.

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