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Die Tonies sind jetzt an der Börse

Kurssteigerung nach Handelsstart : Die Tonies sind jetzt an der Börse

Das Düsseldorfer Start-up mit den Abspielgeräten ist seit dem Verkaufsstart des Lautsprecherwürfels Toniebox 2016 rasant gewachsen. Am ersten Handelstag entwickelte sich die Aktie bereits rasant.

Wenn Unternehmen ihren Namen ändern, kann es damit zusammenhängen, dass man alte Skandale vergessen machen will – so wie es die Hamburg-Mannheimer mit der Umbenennung in Ergo versucht hat, nachdem Geschichten über Lustreisen nach Budapest bekannt wurden. Oder es hängt damit zusammen, dass die Unternehmen längst größer werden wollen als das ursprüngliche Produkt – so wie Facebook, das sich kürzlich in Meta umbenannt hat, weil man eine virtuelle Zweitwelt kreieren will.

Im Fall des Düsseldorfer Unternehmens Boxine ist es umgekehrt. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren rasant, aber völlig skandalfrei entwickelt – und dabei ein Produkt geschaffen, dessen Name über den der Firma hinausgewachsen ist: Tonies. Die Lautsprecherboxen mit den dazugehörigen Musik- oder Hörspielfiguren („Tonies“) sind zu einer der größten deutschen Erfolgsgeschichten der vergangenen Jahre geworden, mehr als 2,4 Millionen Boxen stehen inzwischen in Kinderzimmern. Und so war es fast folgerichtig, dass die Düsseldorfer den nun erfolgten Börsengang zu einem Namenswechsel nutzen: Aus Boxine ist die Tonies SE geworden, deren Aktie seit Montag an der Börse gehandelt wird.

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„Nachdem sich am Wochenende die negativen Nachrichten mit Blick auf die Pandemie mal wieder überschlagen haben, hatte ich heute Morgen damit gerechnet, dass es eine Korrektur an den Aktienmärkten geben würde“, sagt Geschäftsführer Marcus Stahl, der das Unternehmen zusammen mit Patric Faßbender gegründet hat. Doch das Gegenteil war der Fall: Die Aktie legte im Tagesverlauf um knapp 20 Prozent zu und lag zum Börsenschluss bei 13,90 Euro.

Sollte sich die Entwicklung so fortsetzen, würde wohl auch der Ruf des Vehikels profitieren, den die beiden Gründer gewählt haben: des Spacs. Denn Boxine ist über eine Verschmelzung mit einer sogenannten Special Purpose Acquisition Company, kurz: Spac, an die Börse gegangen. Dabei wurde zunächst eine leere Firmenhülle an die Börse gebracht, der 468 Spac I, der mit dem beim Börsengang eingenommen Geld ein Unternehmen aufkaufen und somit quasi durch die Hintertür an die Börse bringen wollte.

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In den USA hatte es in den vergangenen Monaten einen regelrechten Boom bei solchen Spacs gegeben. Viele konnten die Erwartungen jedoch nicht erfüllen. Zuletzt musste unter anderem das deutsche Flugtaxi-Start-up Volocopter seinen Börsengang per Spac absagen, weil die Anleger des Spacs ihre Anteile lieber zurückgegeben haben, nachdem Volocopter als Übernahmeziel bekannt wurde. Zu unsicher erschien vielen offenbar das Geschäftsmodell.

Die Tonies-Aktie wirkt hingegen auf den ersten Blick wahnsinnig attraktiv: Die Tonieboxen sind beliebt bei Kindern und Eltern, durch den Verkauf der einzelnen Figuren gibt es pro Kunde auch nach dem Verkauf der Lautsprecher-Box zusätzliche Einnahmen – und durch eine Mediathek, aus der man zusätzliche Folgen von Hörspielen herunterladen kann, gibt es auch ein digitales Geschäftsmodell mit Potenzial.

Nachdem man mit den Tonieboxen zuletzt in den USA und Frankreich gestartet ist, sind die Ambitionen groß: Bis 2025, prognostiziert das Unternehmen, soll der Umsatz von aktuell rund 172 Millionen Euro auf 700 Millionen Euro steigen. „Darin steckt natürlich ganz viel USA-Geschäft“, sagt Marcus Stahl: „Gemessen an der Größe des Marktes haben wir aber konservativ gerechnet.“ Ein Tonie wie die „Sesamstraße“ soll beispielsweise auf großes Interesse stoßen.

Im Vorfeld der USA-Expansion war das eine der zentralen Fragen: Gibt es in anderen Ländern eine ähnlich große Lust auf Hörspiele wie in Deutschland? Denn Serien wie „Benjamin Blümchen“, „Bibi Blocksberg“ oder „Die drei Fragezeichen“ gibt es in diesem Umfang in keinem anderen Land der Welt. Die Tonies-Gründer haben daran keinen Zweifel – und können sich durch den allgemeinen Audio-Trend, der sich unter anderem im Wachstum von Podcasts zeigt, bestätigt fühlen.

Für Düsseldorf ist die Entwicklung schon jetzt eine der größten Erfolgsgeschichten der jüngeren Vergangenheit. Daran ändert sich auch durch den Börsengang nichts, ob wohl der Spac offiziell in Luxemburg seinen Sitz hat. „Wir sind weiterhin ein Düsseldorfer Unternehmen und zahlen auch hier ganz normal weiter unsere Gewerbesteuern. Das war uns auch sehr wichtig“, sagt Patric Faßbender. Die Erfolgsgeschichte des Lautsprecherwürfels soll hier fortgeschrieben werden – egal, ob unter dem Namen Boxine oder Tonies.

Die Gründer trauern dem alten Firmennamen jedenfalls nicht hinterher. Letztlich haben sie sich ja auch bereits das zweiten Mal gegen ihn entschieden. „Ursprünglich sollte das Produkt ja Boxine heißen – das klang uns dann aber doch zu sehr nach Pharmaunternehmen“, sagt Patric Faßbender: „Wir haben dann nochmal neu überlegt und uns dann für Tonies entschieden.“