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Die Initiative Ed Tech aus Bielefeld macht das Bildungswesen digital

Start-Up-Förderung in NRW : Digitale Nachhilfe für die Bildungsbranche

Von der Hausaufgaben-Cloud bis zur Weiterbildungs-Plattform: Start-ups können das Lernen verändern – müssen aber häufig im Vertrieb noch nachsitzen. Das Land NRW fördert jetzt die Bielefelder Initiative „EdTech Next“ mit drei Millionen Euro.

Kreidetafel, Overhead-Projektor und Klassenbuch: Immer noch vertraute Begleiter in vielen Klassenzimmern – auch wenn in den vergangenen zwei Jahren das Schulsystem einen digitalen Sprint hinlegen musste. Eine NRW-Initiative will jetzt dafür sorgen, dass zukünftig mehr Start-ups in diesem Sektor entstehen. Mit dieser Hausaufgabe startete am Dienstag, 26. April, das Projekt „EdTech Next“ in Bielefeld. „EdTech“ steht als Abkürzung für „Educational Technology“. Unter diesem Schlagwort versammeln sich weltweit Start-ups, die sich auf digitale Lösungen für die Bildungswelt konzentrieren – von der Grundschule über die Uni bis zur beruflichen Weiterbildung.

Verantwortlich für das Projekt zeichnen die in Bielefeld ansässige Organisation Founders Foundation und die auf den Bildungssektor fokussierte Beratungs- und Veranstaltungsagentur Eduvation. Das NRW-Wirtschaftsministerium stellt für die kommenden drei Jahre drei Millionen Euro an Fördergeldern bereit, einen kleinen Teil steuern die Projektpartner zusätzlich bei. „Bildung ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Nordrhein-Westfalen“, lässt sich Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) in einer Pressemitteilung zitieren, „Start-ups leisten hier mit ihren unkonventionellen Ansätzen und ihrer hohen Innovationsgeschwindigkeit einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung“.

Ausbildungsturbo für EdTech-Gründer

Auf mehreren Wegen soll das Projekt EdTech Next für mehr Schwung sorgen. Zum einem geht es um ein Ausbildungsprogramm: Gründerinnen und Gründer mit Neugier auf die Bildungsbranche sollen früh an die Hand genommen werden. In einer achtwöchigen „Start-up-School“, die im Spätsommer zum ersten Mal startet, lernen die Teilnehmer die Grundlagen der unternehmerischen Reise kennen. Zugleich können sie hier auf Co-Gründer treffen, die andere Fähigkeiten mitbringen. „Es müssen nicht unbedingt drei Studienräte sein, die gemeinsam gründen“, sagt Dominik Gross, Geschäftsführer der Founders Foundation, schmunzelnd.

Im zweiten Schritt folgt eine zwölfmonatige Begleitung, in denen die Start-ups weiter auf ihren ersten Schritten begleitet werden sollen. „Im Idealfall können sie dann auf eigenen Füßen stehen“, gibt Gross als Ziel aus. Die grundsätzliche Struktur dieses Trainingsprogramms hat die Founders Foundation, die von der Bertelsmann-Stiftung finanziert wird, schon vor einigen Jahren entwickelt. Im Fokus stehen dort allerdings junge Start-ups, die Lösungen für den Mittelstand in Ostwestfalen entwickeln. Ein eigenes siebenköpfiges Team soll sich in Zukunft um den Bildungsbereich kümmern.

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Zum anderen will EdTech Next daran arbeiten, ein sogenanntes Ökosystem für den Sektor aufzubauen. Dabei geht es darum, Beteiligte aus verschiedenen Interessensgruppen zusammenzubringen. Dazu zählen neben den Start-ups die Vertreter von Kommunen, Bundesländern oder dem Bund – und große Unternehmen mit einer Neugier auf neue Produkte: „Da geht es um die Microsofts dieser Welt, aber auch um Verlage wie Klett“, spannt Gross den Bogen der möglichen Partner. Mitorganisator Eduvation ist Gründungsmitglied der European Edtech Alliance, so soll in Zukunft ein internationaler Austausch gelingen. Ende Oktober ist außerdem bereits ein eigener „EdTech Next Summit“ in Bielefeld angesetzt. Messen wie die „Didacta“, die im Juni in Köln stattfindet, werden ebenfalls als Bühnen genutzt.

Schwierige Suche nach den richtigen Töpfen

Doch so groß das Potenzial ist: Im Gegensatz zu anderen Branchen schrecken manche Gründer vor dem Bildungssektor zurück. Und auch professionelle Geldgeber sind vorsichtig. „In dem Bereich wird bislang sehr wenig investiert“, sagt Gross. Der Grund: Gerade bei Start-ups, die Schulen oder Hochschulen als Kunden gewinnen wollen, ist die Situation oft kompliziert. Nicht jede Verwaltung ist offen für digitale Experimente, nicht jede Behörde gibt Budgets für solche Projekte frei. „Da arbeitet man in einem stark fragmentierten Bereich“, sagt Gross.

Nachhilfeplattformen wie GoStudent oder Simpleclub konnten in der Corona-Pandemie dagegen einige Kinder – und ihre zahlenden Eltern – überzeugen. Und Start-ups, die mit ihrer Software direkt den Weiterbildungsbedarf von Unternehmen adressieren, sind erfolgreich unterwegs. Aus NRW stammen etwa das Münsteraner Start-up Edyoucated oder das Bochumer Start-up Masterplan, die in den vergangenen Jahren bereits viele Millionen Euro Risikokapital von Investoren einsammeln konnten.

EdTech Next will nun helfen, dass in den kommenden Jahren weitere Erfolgsgeschichten entstehen. In Bielefeld ist das Projekt angesiedelt, umziehen muss jedoch keiner der Gründerinnen und Gründer. Eingeladen sind Teilnehmer aus allen Ecken des Bundeslandes: „Wir unterstützen Start-ups aus ganz NRW“, sagt Gross.