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Das Start-Up Planted aus Köln forstet Wälder auf zum Klimaschutz

Umweltschutz als Geschäft : Kölner Digitalfirma pflanzt Bäume und schafft Bewusstsein

Das junge Team der Firma hilft Planted hilft Unternehmen dabei, die CO2-Fußabdrücke ihrer Mitarbeiter auszugleichen – und hat neben Programmierern auch einen Förster an Bord. Planted sorgt dafür, dass quer durch Deutschland Waldflächen aufgeforstet werden. Investoren stellten jetzt eine Million Euro neues Kapital bereit.

Ob im Süden des Ruhrgebiets, im Königsforst bei Köln oder dem Bonner Kottenforst: Hier wachsen seit einigen Monaten Bäume heran, die auf die Initiative eines Start-ups gepflanzt wurden. Planted aus Köln hat erst im vergangenen Jahr so richtig losgelegt. Die Mission: Das junge Team hilft Unternehmen dabei, die CO2-Emissionen ihrer Mitarbeiter auszugleichen. Gegen eine monatliche Gebühr kompensiert das Start-up die Ausstöße über globale Klimaschutzprojekte. Dazu kommt eine sehr lokale und sehr sichtbare Komponente: Schon im kleinsten Paket pflanzt Planted für seine Kunden einen Baum pro Mitarbeiter und Monat – mehr als 100.000 Setzlinge sind so deutschlandweit bereits in den Boden gekommen. Unternehmen wie die Airline Eurowings, der Immobilienkonzern Vivawest oder Modefirma Gerry Weber nutzen die Dienstleistung von Planted. „Es geht nicht nur um die Kompensation, sondern auch darum, ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen“, sagt Mitgründerin Cindy Schüller.

Die Neugier auf solche Lösungen wächst. Immer mehr Unternehmen suchen nach Lösungen, um ihre Nachhaltigkeitsbemühungen voranzubringen. Denn immer häufiger fordern Kunden, Mitarbeiter, Geldgeber oder sogar Gesetzesvorgaben ein, die Emissionen zu verringern. Meist kein einfaches Unterfangen: Viele Firmen nähern sich erst langsam diesen Fragen. „Gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen stand das Thema lange nicht auf der Agenda“, sagt Schüller. Start-ups wie Planetly oder Cozero aus Berlin helfen Konzernen und Mittelständlern dabei, überhaupt erst mal ihren CO2-Fußabdruck zu berechnen.

Ausflug in den Firmenwald

Planted will einen möglichst niederschwelligen Zugang zu dem Thema ermöglichen. Auf eigenen Unterseiten pro Unternehmen wird beispielsweise vorgerechnet, welche Anzahl an Flügen durch die gespendeten Bäume bereits kompensiert wurde. Zu den tatsächlichen Pflanzaktionen, die zwei Mal im Jahr in Kooperation mit Förstern und privaten Waldbesitzern stattfinden, lädt das Start-up immer wieder Kunden ein. „Spätestens in dem Moment macht es bei den meisten ‚Klick, da stellt sich ein ganz anderer Bezug zur Natur her“, sagt Wilhelm Hammes, der neben Heinrich Rauh und Jan Borchert mit zum Gründungsteam gehört. Zudem erhalten die Unternehmen die genauen Koordinaten, um „ihren“ Wald zu finden – eine Bonner Steuerberatungskanzlei kann so einen Teamausflug in den Kottenforst planen.

Dabei ist klar: Im Fokus steht hier das Kompensieren von bereits angefallenen Emissionen. Die Unternehmen streben jedoch zunehmend danach, den Energieverbrauch und Schadstoffausstoß von vorneherein zu reduzieren. „Mit allen Kundinnen und Kunden entwickeln wir einen klaren Absenkungspfad – die CO₂-Kompensation ist gedacht für die unvermeidbaren Emissionen“, unterstreicht auch Schüller. In den kommenden Monaten will Planted-Team daher vor allem die digitale Seite des Start-ups noch ausbauen: Eine Softwarelösung soll es den Unternehmen beispielsweise ermöglichen, ihre Fortschritte in Klimafragen zu dokumentieren oder Mitarbeiter zu kleinen Energiespar-Wettbewerben zu motivieren.

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Grüne Themen müssen Geld verdienen

Speziell mit diesem Plan hat sich das Anfang 2021 gegründete Planted auf die Suche nach Investoren begeben. Und konnte jetzt eine erste Finanzierungsrunde über eine Million Euro abschließen. „Die Finanzierung ermöglicht es uns, eine innovative Software-Lösung zu entwickeln, mit der sich Unternehmen von innen heraus dekarbonisieren“, sagt Schüller. „Dabei soll jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter eine aktive Rolle einnehmen und Verantwortung für ein zukunftsfähiges Morgen übernehmen.“ Als Gesellschafter mit dabei ist nun unter anderem der im Rheinland beheimatete Fonds Neoteq Ventures, den regional verankerte Konzerne wie Henkel oder die Telekom, aber auch die NRW-Bank oder die Stadtsparkasse Düsseldorf gefüllt haben. Ebenfalls an Bord sind Smart Infrastructure Ventures aus dem Umfeld der Handelshochschule Leipzig sowie einige private Geldgeber, inklusive Lucas von Fürstenberg, Chef der Freiherr von Fürstenberg’schen Forstverwaltung mit Sitz im Sauerland. „Wir investieren in ein intrinsisch angetriebenes Team, das mit tech-basiertem Umweltschutz aktiv gegen den Klimawandel vorgeht“, sagt Neoteq-Partner B.J. Park.

Die Beteiligung soll jedoch auch eine Rendite abwerfen: Planted verdient zum einen Geld damit, dass bei dem gebündelten Einkauf von CO2-Zertifikaten und Setzlingen für die Unternehmen eine kleine Marge übrigbleibt. Zum anderen soll die geplante Software über Lizenzgebühren Geld in die Kassen bringen. Das Interesse von potenziellen Investoren sei groß gewesen, berichtet Hammes: „Es ist positiv, dass mittlerweile Impact-Themen auch mit Profitabilität verbunden werden können.“

Von der Programmiererin bis zum Förster

Das Start-up mit seinem aktuell etwa zehnköpfigen Team muss dabei einen ungewöhnlichen Spagat schaffen: Auf der einen Seite geht es darum, Programmierer und Designer für sich zu gewinnen, um die Algorithmen und Webseiten zu entwickeln und auf dem neusten Stand zu halten. Auf der anderen Seite beschäftigt sich Planted ganz analog mit der Frage, wie ein widerstandsfähiger Wald in Zukunft aussehen müsste – um weg von Monokulturen zu kommen, die besonders anfällig für Wetterschäden und Schädlinge sind.

Mit seinen Pflanzungen will Planted diese Strukturen aufbrechen: „Wir geben der Natur die notwendigen Impulse, um sich zu durchmischen und klimastabil zu wachsen“, sagt Hammes. Um zu erfahren, welche Setzlinge das größte Potenzial haben, unterhält das Start-up eine eigene Ackerfläche als Forschungsprojekt. Und hat mit Mitgründer Jan Borchert einen studierten Forstwirt an Bord.