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Das Dortmunder Start-Up Quizco macht Lernen digital

Bildungs-Start-Up Quizco : Bildung in digitalen Happen

Die Tech-Firma Quizco nutzt Künstliche Intelligenz, um aus Dokumenten relevante Informationen zu destillieren. Das macht Bildungsanbieter und Unternehmen neugierig. Jetzt wird sich das Dortmunder Team in der Welt der großen Verlage beweisen.

Umfassende Lehrbücher, dicke Schulungshandbücher, endlos lange digitale Dokumente: Wissen ist im Überfluss vorhanden. Doch häufig fühlen sich Schüler und Lehrer – egal welcher Altersklasse – von der schieren Masse erschlagen. QuizCo mit Hauptsitz in Dortmund will hier helfen: Die Künstliche Intelligenz des Start-ups analysiert umfangreiche Textdokumente – und destilliert je nach Wunsch des Nutzers kompakte Zusammenfassungen, digitale Lern-Karteikarten oder sogar kleine Frage-Antwort-Spiele, mit denen sich der eigene Wissensstand überprüfen lässt.

Dabei ist dem Programm der Inhalt erst einmal egal: Ob Maschinenbau-Broschüre, Biologie-Fachbuch oder Englisch-Arbeitsheft – die Software hat gelernt, Kontexte und Schwerpunkte zu erkennen und aufzubereiten. „Nur mathematische Formeln sind für die KI noch relativ schwierig“, sagt Jacob Cordts, der das Unternehmen 2019 mit Wiebke Barth und Maximilian Friedrich gegründet hat.

Mit dem breiten Ansatz richtet sich das Start-up daher gleich an mehrere Zielgruppen. Gestartet ist QuizCo mit Bildungseinrichtungen, die ihre Dozenten bei der Vorbereitung von Unterrichtsmaterialien oder Tests unterstützen wollen. Ein Clou hier: Auch sogenannte „Multiple-Choice“-Quiz mit verschiedenen Optionen erstellt die KI ganz autark. „Die größte Erleichterung für viele Nutzer ist das Erstellen von falschen Antworten“, sagt Cordts. Zusätzlich gibt es eine Version für Schüler und Studenten, die sich selbst auf Prüfungen vorbereiten wollen. „Das Ziel ist es, das individuelle Lernen zu fördern“, sagt Cordts.

Software erstellt spannenderes Schulungsmaterial

Zusätzlich kommt die Software in den Personalabteilungen von Unternehmen zum Einsatz. Die setzen das Programm dafür ein, um Schulungsmaterial zu erstellen. Sei es für den generellen Start im Unternehmen, das Training für Wartungstechniker oder die Einführung von neuen Produkten. „Es geht darum, das Material in vernünftige Häppchen zu verpacken“, sagt Cordts. Dabei dockt das Programm beispielsweise an die Lernmanagementsysteme von Firmen an. Auch hier geht es darum, möglichst individuelle Weiterbildungen zu erstellen: „Das Material entsteht dank unserer Plattform aus den internen Unterlagen der Unternehmen“, sagt Cordts, „das erhalten die Firmen so nirgendwo anders“.

Geld verdienen will das Start-up dabei mit einem für die Branche typischen „Software-as-a-Service“-Ansatz. Dabei zahlen Unternehmen oder Bildungseinrichtungen einen Betrag für jeden Nutzer, der mit dem Programm arbeitet. Für Start-ups ist es dabei einfacher, im Geschäft mit Unternehmen Umsätze zu erzielen. Denn viele Konzerne und Mittelständler suchen digitale Lösungen, um ihre Weiterbildung zu verbessern. Davon profitieren auch andere NRW-Start-ups wie beispielsweise Masterplan. Insbesondere der Vertrieb bei staatlichen Bildungseinrichtungen ist in der Regel deutlich komplizierter. Initiativen wie das Projekt EdTech Next aus Bielefeld wollen Start-ups hier mehr Schwung geben.

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Drei Dortmunder Investoren für das Start-up

QuizCo habe schon vor einiger Zeit die ersten zahlenden Kunden überzeugen können, berichtet Gründer Cordts. 17 Mitarbeiter arbeiten aktuell für das Start-up – viele davon aus dem Homeoffice. Dabei hat das junge Team bereits zwei Standorte. Gestartet sind Cordts und seine Mitgründer in Hannover. Die dortige „Venture Villa“ war der erste Standort und der erste Investor. Ende des vergangenen Jahres hat das Start-up jedoch seine zweite Finanzierungsrunde abgeschlossen und nach eigenen Angaben einen hohen sechsstelligen Betrag eingesammelt.

Gleich drei Geldgeber aus einer Ruhrgebietsstadt kamen zu dem Zeitpunkt an Bord: Erstens Seed Capital Dortmund, hinter dem die lokale Sparkasse steckt. Zweitens der noch junge Fonds TU Capital, der in Gründungen aus dem Umfeld der Technischen Universität investiert. Und drittens die ebenfalls in Dortmund beheimatete Beteiligungsgesellschaft TechX. Im Zuge der Finanzierungsrunde verlegte QuizCo seinen Hauptsitz ins Ruhrgebiet – die Gründer pendeln zwischen den Standorten, wenn sie nicht auf dem Weg zu Kunden oder Branchenveranstaltungen sind.

Förderung durch die Verlagsbranche

Spätestens im Oktober steht zudem noch ein besonderer Trip nach Frankfurt an: Auf der dortigen Buchmesse darf sich QuizCo dem Fachpublikum präsentieren. Denn die innovative Truppe ist einer nur fünf frisch ausgewählten Teilnehmern des sogenannten „Contentshift“-Accelerators. Dieses Förderprogramm der Buch- und Verlagsbranche, unter anderem gefördert durch den Börsenverein des Deutschen Buchhandels, fördert Start-ups, deren Geschäftsmodelle sich mit Inhalten befassen.

Über die kommenden Wochen kann sich QuizCo mit Branchenvertretern vernetzen. Insbesondere auf den Austausch mit großen Verlage freut sich Cordts dabei. „Wir sehen das als eine Chance für uns, dorthin zu gehen, wo bereits wahnsinnig viel hochwertiger Inhalt vorhanden ist“, sagt der Gründer. Zu Sachbüchern könnten mithilfe des Start-ups etwa Zusammenfassungen und Mini-Tests entstehen, die das analoge Produkt ergänzen. „Die Verlage können mit uns ein niedrigschwelliges Angebot in Richtung Digitalisierung etablieren“, sagt Cordts.