1. Wirtschaft
  2. Unternehmen
  3. Start-ups

Compeon bekommt 15 Millionen von NRW.Bank, Iris Capital und anderen Investoren

Finanzierungsplattform für den Mittelstand : Wie es nach dem 15-Millionen-Investment bei Compeon weitergeht

Aufgrund der Corona-Pandemie haben viele Unternehmen Investitionen hinausgezögert. Das bekam auch der Finanzvermittler Compeon zu spüren. Doch Investoren sind weiterhin von der Idee der Düsseldorfer überzeugt – und das aus gutem Grund.

Forscher betreiben viel Aufwand, um permanent den Puls der Wirtschaft zu messen. Geht es ihr gut? Geht es ihr schlecht? Nico Peters und Frank Wüller müssen für die Antwort auf diese Fragen nur einen Blick auf das eigene Geschäft werfen. Mit ihrem Start-up Compeon haben sie die nach eigenen Angaben größte Finanzplattform für den Mittelstand in Deutschland aufgebaut. Die Folgen der Corona-Pandemie waren dort schnell sichtbar.

„Viele Kunden haben größere Investitionen wie den Bau einer neuen Halle im vergangenen Jahr erstmal auf Eis gelegt, stattdessen gab es eine deutlich größere Nachfrage nach Corona-Hilfen“, sagt Geschäftsführer Frank Wüller. Das hatte auch Folgen für das Unternehmen aus Düsseldorf. Man habe die Zahl der Abschlüsse zwar deutlich steigern können, das Auftragsvolumen sei aber unter dem Vorjahr geblieben, so Wüller: „Wir haben uns mehr versprochen, sind am Ende angesichts der Umstände aber natürlich trotzdem zufrieden.“

Compeon wurde 2012 in Emsdetten gegründet

Und auch Investoren sind offenbar weiterhin vom Geschäftsmodell von Compeon überzeugt. Am Donnerstag gab das Start-up eine Finanzierungsrunde (Series C) in Höhe von 15 Millionen Euro bekannt. Neben den Altinvestoren wie Tengelmann oder Btov konnte man mit dem international bekannten Risikokapitalgeber Iris Capital, der landeseigenen Förderbank NRW.Bank und der Qatar Development Bank auch neue Anteilseigner gewinnen. Beobachter werten das angesichts des schwierigen Marktumfelds als gutes Zeichen.

Compeon wurde 2012 von Nico Peters, Kai Böringschulte und Frank Wüller in Emsdetten gegründet, siedelte aber schon früh nach Düsseldorf um. Das Modell des Unternehmens funktioniert dabei im Grunde so: Unternehmen hinterlegen bei Compeon eine Finanzierungsanfrage, etwa wenn sie eine neue Fabrik bauen oder eine Maschine kaufen wollen. Das Start-up prüft anschließend, welche Art der Finanzierung dafür am besten geeignet ist – und ob beispielsweise eine Aussicht auf Förderung besteht. Anschließend können Banken den Firmen ihre Angebote übermitteln. Rund 300 Banken, Sparkassen und andere Finanzdienstleister bieten aktuell Lösungen über die Plattform an, mehr als 60.000 Firmenkunden nutzen wiederum das Angebot. Insgesamt wurden nach Angaben von Compeon mehr als 1,4 Milliarden Euro an Unternehmen vermittelt.

Compeon bekam schon mehr als  35 Millionen Euro Kapital

Gemessen an den Summen, die in diesem Bereich jährlich in Deutschland bewegt werden, gibt es noch viel Potenzial. Denn viele Unternehmer setzen momentan immer noch lieber auf den persönlichen Kontakt mit dem Kundenberater, als auf eine Vermittlungsplattform. Thorben Rothe, Partner beim Investor Iris Capital, ist überzeugt, dass sich das ändern wird: „Compeon bringt Angebot und Nachfrage deutlich effizienter und nutzerfreundlicher zusammen.“

Iris Capital hatte sich bereits im vergangenen Jahr an Compeon beteiligt. Aufgrund der Pandemie wurde die sogenannte Series-C-Finanzierungsrunde jedoch erst jetzt mit den Investments von NRW.Bank und Qatar Development Bank abgeschlossen. Damit konnte Compeon allein in den vergangenen vier Jahren von Investoren rund 35 Millionen einsammeln – neben der aktuellen Runde und einer Finanzierung in Höhe von zwölf Millionen Euro im Jahr 2017 gab es zwischenzeitlich noch eine interne Runde, bei der die Altinvestoren frisches Kapital einbrachten.

Büros in Hamburg und Stuttgart wurden zuletzt geschlossen

Mit dem nun erhaltenen frischen Geld will Compeon das eigene Geschäft erweitern, etwa indem man Kunden einen noch besseren Zugang zu Fördergeldern bietet. Peters und Wüller sind optimistisch, dass die kommenden Monate deutlich besser laufen als das vergangene Jahr, weil viele Unternehmen inzwischen gelernt haben, mit der Pandemie zu leben. „Der zweite Lockdown läuft ganz anders als der erste“, sagt Wüller.

Auch für Compeon waren die vergangenen Monate herausfordernd – und mit Veränderungen verbunden. So wurden die beiden Büros in Stuttgart und Hamburg geschlossen. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich durch Fluktuation und vereinzelte Kündigungen leicht reduziert. Aktuell beschäftigt das Unternehmen an seinen beiden Standorten in Düsseldorf und Emsdetten noch rund 100 Mitarbeiter. Man habe die Vertriebsbüros in Hamburg und Stuttgart 2018 eröffnet, weil man dadurch näher an die Kunden rücken wollte, so Wüller: „Es hat sich aber gezeigt, dass die Veränderung gar nicht so groß war im Vergleich zu der Zeit, als wir alles zentral erledigt haben. Und spätestens mit Beginn der Pandemie war dann die räumliche Nähe sowieso nicht mehr wichtig.“

Genau wie viele andere Unternehmen hat auch Compeon seine Mitarbeiter inzwischen wieder erneut vollständig ins Homeoffice geschickt. Nun arbeitet man wieder so, wie im Frühjahr 2020, als ein Kollege aus dem Skigebiet Ischgl mit Fieber zurückkehrte. „Er war aber zum Glück nicht im Büro“, sagt Compeon-Gründer Nico Peters. Die räumliche Nähe zu den Kollegen fehle aktuell, langfristig werde man sicherlich wieder mehr Präsenz haben. „Wir haben ein internationales Team, unsere Mitarbeiter ziehen teilweise aus Südafrika nach Düsseldorf, um bei Compeon zu arbeiten. Da macht es dann wenig Sinn, wenn sie die ganze Zeit in Düsseldorf-Bilk alleine im Homeoffice sitzen.“