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Bundesverband Deutscher Startups will Szene in NRW revolutionieren

Drei Landessprecher aufgestellt : Wie der Start-up-Verband die Szene in NRW aufmischen will

Nach der Trennung von NRWalley hat der Bundesverband Deutscher Start-ups große Ziele für Nordrhein-Westfalen. Die neuen Landessprecher möchten Praxisangebote an Universitäten schaffen, Gründerinnen fördern und grüne Start-ups etablieren.

Der Bundesverband Deutscher Start-ups (BVDS) hat sich in NRW neu aufgestellt und konkrete Ziele für das Bundesland festgelegt. Er möchte unter anderem Gründerinnen und Gründern schnelleren Zugang zu Kapital verschaffen, Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund fördern und Ausgründungen an Universitäten voranbringen. In seiner Agenda 27 vereinen sich die sieben Themenschwerpunkte Kapital, Talente, Diversität, Deeptech, Nachhaltigkeit, moderne Verwaltung und Netzwerke stärken. Über allem steht der Wunsch, das Bundesland zu einem der start-up-freundlichsten Orte in Europa zu machen.

Da hat Nordrhein-Westfalen noch Aufholpotenzial. Immerhin sind die Neugründungen seit 2019 leicht gestiegen – von 184 im ersten Halbjahr 2019 auf 279 im selben Zeitraum 2022. NRW liegt damit nun auf Platz sieben im bundesdeutschen Vergleich, besser stehen vor allem die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen auf den ersten drei Plätzen da. „Wir waren in den vergangenen Jahren nicht so präsent, wie wir hätten sein müssen“, sagt Christoph Stresing, Geschäftsführer des BVDS. Deshalb wolle der Verband seine Strukturen stärken, mit drei eigenen Landessprechern vor Ort arbeiten. Zuvor hatte er sich von NRWalley getrennt, weil „die Konstruktion nicht mehr praxistauglich“ gewesen sei, wie es in einer Mail der BVDS-Geschäftsführer Stresing und Franziska Teubert an die Vorsitzenden des Landesverbands hieß. „Das resultierte aber nicht aus einem Streit heraus“, sagt Stresing. Es sei eher ein Nebeneinander als ein Miteinander gewesen, keine lebende Kooperation zwischen den Verbänden.

Die drei neuen Landessprecher Sophia Tran, Viviane Wilde und Timo Marks sollen nun frischen Wind ins Start-up-Ökosystem NRW bringen. Sie alle haben selbst schon viel Erfahrung in der Szene gesammelt. Tran ist Gründerin und Vorsitzende eines Technologie-Investmentunternehmens in Bonn, das Unternehmer in der Frühphase unterstützt. Beim Start-up-Inkubator Digitalhub.de betreute sie junge Unternehmen und spricht auf internationalen Konferenzen wie der Websummit in Lissabon. Für Nordrhein-Westfalen hat sie gleich zwei ihrer Herzensthemen auf die Agenda gesetzt: Sie möchte Start-ups einen besseren Zugang zu Konzernen und mittelständischen Unternehmen ermöglichen, den Austausch fördern. Außerdem sollen Gründer in jeder Phase schnell an Kapital kommen. „In anderen Ländern wie den USA druckst niemand wegen 50.000 Euro herum“, sagt sie. Hier seien mögliche Investoren sehr viel vorsichtiger. Das müsse sich in Deutschland und speziell in NRW ändern.

 Timo Marks hat zwei Start-ups gegründet.
Timo Marks hat zwei Start-ups gegründet. Foto: Timo Marks

Timo Marks stimmt ihr in beiden Punkten zu. „Der neue Mittelstand muss aus Start-ups entstehen“, sagt er. NRW habe durch die vielen Universitäten mit Ausgründungen ein großes Potenzial, müsse es aber noch besser nutzen. Er ist selbst Gründer zweier junger Unternehmen: Eines hilft Geschäftskunden dabei, Retouren zu vermeiden. Und das zweite sorgt dafür, dass Privatpersonen ihre wichtigsten Daten leicht bündeln können – wie in einer digitalen Geldbörse. Zuvor arbeitete Marks bei großen und mittelständischen Unternehmen und in der Unternehmensberatung.

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In letzterer Berufssparte ist Viviane Wilde, die Dritte im Bunde, noch immer unterwegs. Sie ist selbstständige Unternehmensberaterin und hat sich darauf spezialisiert, Marken neu aufzubauen. Sie helfe Konzernen, Mittelständlern und Start-ups dabei, digitaler zu werden. Als Mutter einer kleinen Tochter, sei es ihr ein besonderes Anliegen, jungen Menschen die Gründerszene näher zu bringen. Ihnen zu zeigen, was abseits der klassischen Berufe möglich sei – und das am besten durch praktische Angebote an Schulen und Universitäten.

 Viviane Wilde arbeitet als selbstständige Unternehmensberaterin.
Viviane Wilde arbeitet als selbstständige Unternehmensberaterin. Foto: Viviane Wilde

Außerdem möchte sie gemeinsam mit Tran und Marks den Anteil der grünen Start-ups in NRW erhöhen und die Verwaltungsprozesse für junge Unternehmen beschleunigen. Vor ihnen liegt noch viel Arbeit. „Der Verband ist uns aber eine sehr große Stütze dabei, weil wir uns nicht noch zusätzlich um administrative Dinge kümmern müssen“, sagt Tran. So können sie sich ganz auf ihr Ehrenamt konzentrieren. Das sei ein weiterer Vorteil der Trennung von NRWalley.