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Andreas Pinkwart kündigt Verbesserungen bei NRW-Gründerstipendium an

1000 Euro monatlich für Start-ups : Gute Noten für NRW-Gründerstipendium

Die Landesregierung unterstützt mit Gründer ein Jahr lang mit 1000 Euro im Monat. Eine Evaluation zeigt: Das Programm kommt gut an. Ein zentrales Versprechen aus dem Koalitionsvertrag wird bislang aber nicht eingelöst.

Das von der Landesregierung auf den Weg gebrachte Gründerstipendium bekommt Top-Noten – erfüllt die im Koalitionsvertrag von CDU und FDP formulierten Ansprüche aber noch nicht ganz. Das ist das Ergebnis einer Evaluation des Projektträgers Jülich im Auftrag des Wirtschaftsministeriums. 

Das Stipendium ist seit dem 1. Juli 2018 verfügbar. Seitdem können Gründer jeweils zwölf Monate lang (in der Corona-Krise wurde die Bezugsdauer temporär verlängert) 1000 Euro pro Monat als Zuschuss erhalten. 1499 Gründer haben dies bereits in Anspruch genommen.

„Das Gründerstipendium NRW ist eine echte Erfolgsgeschichte.“

In einer Umfrage haben nun 301 Gründer über ihre Erfahrungen berichtet. Fazit: Unter den Befragten bekommt das Gründerstipendium Top-Noten. 78 Prozent aller Befragten finden es laut der Auswertung gut oder sehr gut. „Das Gründerstipendium NRW ist eine echte Erfolgsgeschichte und ein tolles Alleinstellungsmerkmal für Nordrhein-Westfalen“, sagt NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart.

Die Zahlen geben ihm auf den ersten Blick recht: Pro Tag bewerben sich im Schnitt 2,57 Personen für ein Gründerstipendium. Wer das Stipendium bekam, schuf in den folgenden zwölf Monaten in der Regel neue Arbeitsplätze und vervielfachte seinen Umsatz. So gaben 82 Prozent der Befragten an, dass sie zu Beginn des Stipendiums monatlich zwischen null und 1000 Euro Umsatz im Monat gemacht haben – nach dem Gründerstipendium waren die Umsätze im Schnitt um das Sechs- oder Siebenfache gewachsen. Auch die Zahl der Mitarbeiter stieg in diesem Zeitraum. Laut der Evaluation wurden im Schnitt eine dreiviertel Vollzeitstelle und eine Teilzeitstelle geschaffen.

Von den Stipendiaten waren im Schnitt 22,2 Prozent weiblich. Der Anteil ist dabei von Jahr zu Jahr gestiegen. Zum Vergleich: Im NRW-Start-up-Monitor 2019, der detailliertesten Gründer-Befragung im Land, lag der Frauenanteil nur bei rund zehn Prozent.

Knapp jedes fünfte geförderte Vorhaben war wenig innovativ.

Allerdings: Im Koalitionsvertrag hatten CDU und FDP versprochen, für die Vergabe des Stipendiums hohe Anforderungen zu stellen. In der Praxis scheint dies nicht immer zu gelingen. Denn in der Analyse des Projektträgers Jülich wurde auch der Innovationsgrad der Vorhaben untersucht. Ergebnis: Knapp jedes fünfte geförderte Vorhaben (130) war nicht bis wenig innovativ. Dazu passt auch: Nur 60 Prozent der Befragten leisten aus eigener Sicht einen Beitrag zur Digitalisierung. Beunruhigend auch: Nur ein Drittel der Gründer gab an, dass das eigene Unternehmen einen Beitrag zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts NRW leistet.

Der Projektträger Jülich rät in seiner Beurteilung: „Zu überlegen wäre eine strengere Auswahl der geförderten Start-ups, die mit höheren Fördermitteln für die einzelne Person einhergeht. So könnte auch der Innovationsgrad der geförderten Vorhaben weiter gesteigert werden.“

Pinkwart will das Programm weiter verbessern

Andreas Pinkwart will die Rückmeldungen nutzen, um das Programm weiter zu verbessern. Die Erhöhung der Fördermittel ist auch ein Wunsch der Gründer. Denn der Großteil der Befragten nutzte das Stipendium, um die Miete oder Lebensmittel zu bezahlen. Doch nur jeder Dritte hielt die Höhe für ausreichend. Speziell in Städten wie Köln, monierten Befragte, seien die Lebenshaltungskosten zu hoch, um diese mit 1000 Euro im Monat decken zu können. Auch bei der Laufzeit plädierten einige der Befragten für eine Ausweitung. Und auch bei der Abwicklung gibt es Potenzial: Das Geld muss von den Gründern regelmäßig per Fax oder Briefpost angefordert werden.