1. Wirtschaft
  2. Unternehmen
  3. Start-ups

Allianz übernimmt Auto-Unfall-Abwickler Control Expert aus Langenfeld

Control Expert : Allianz übernimmt Firma aus Langenfeld

Control Expert hat sich auf die Schadensabwicklung bei Unfällen spezialisiert.

Rund eine Milliarde Euro hat der Versicherer Allianz bereitgestellt, um damit in Start-ups zu investieren. Mit dem Geld beteiligte man sich über die Tochter Allianz X am Berliner Banking-Start-up N26, dem jungen US-Versicherer Lemonade oder dem indonesischen Mobilitätsdienst Go Jek; kurzum: an Start-ups, die mit Milliarden-Summen bewertet werden. Nun gesellt sich ein weiteres Unternehmen in diesen illustren Kreis – und es kommt aus dem rheinischen Langenfeld.

Am Montag gab Allianz X bekannt, dass man die Mehrheit an Control Expert übernommen habe, einem Unternehmen, dass sich auf die Schadensabwicklung bei Auto-Unfällen spezialisiert hat. Zum Kaufpreis machte die Allianz keine Angaben, es handele sich jedoch um die zweitgrößte Investition des Fonds nach dem Einstieg bei Finanzen.de im vergangenen Frühjahr. Damals wurde über einen dreistelligen Millionenbetrag spekuliert, den Allianz X investiert haben könnte, angesichts der technologischen Kompetenz von Control Expert in Zukunftsfeldern wie Künstlicher Intelligenz dürfte eine solche Summe auch diesmal nicht abwegig sein.

Denn die Technologie des erst 2002 gegründeten Langenfelder Unternehmens, mit der Unfallschäden an Autos unter anderem auf ihre Höhe und Plausibilität geprüft werden, wird heute bereits von rund 90 Prozent aller Autoversicherungen eingesetzt. 2019 wurden nach Firmenangaben knapp 10,5 Millionen Vorgänge über Control Expert abgewickelt. Zu Umsatz oder Gewinn will man sich nicht äußern. Zuletzt hieß es aber, man sei profitabel und auf dem besten Weg, einen dreistelligen Millionen-Umsatz zu erwirtschaften.

„Der Verkauf an die Allianz ist natürlich ein Meilenstein – und auch ein Ritterschlag für das Lebenswerk meines Vaters“, freut sich Control-Expert-Chef Nikolas Witte. Er könne sich noch daran erinnern, wie sein Vater, Gerhard Witte, die Firma mit zwei Mitarbeitern im eigenen Keller aufgebaut habe. Seitdem hatte das Unternehmen eine rasante Entwicklung genommen, die sich noch einmal beschleunigte, als 2017 General Atlantic einstieg und die Mehrheit übernahm.

Dass der Finanzinvestor seine Anteile bereits nach drei Jahren weiterverkauft, ist eher ungewöhnlich, könnte aber ein Beleg für das große Interesse der Allianz an der Technologie aus Langenfeld sein. Allianz-X-Chef Nazim Cetin lässt sich jedenfalls mit den Worten zitieren: „Technische Anwendungen und Plattformen sind entscheidend für die Erschließung neuer Möglichkeiten im digitalen Zeitalter“.

Laut Witte sei man mit der Allianz schon länger im Austausch gewesen. „Ich denke, dass beide Seiten profitieren werden – wir haben einen großen Partner bei der Internationalisierung und der Weiterentwicklung unserer Produkte und die Allianz bekommt Technologie, die sie bislang nicht hatte.“ Für andere Versicherungen soll der Verkauf an einen ihrer Konkurrenten keine Folgen haben. Man habe sichergestellt, dass die Daten der Kunden nicht geteilt würden, versichert Witte, für den es am Montag einen weiteren Grund zum Feiern gab: Er hatte Geburtstag.