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Aachener Start-up Amberoad entwickelt ein Google für Firmendaten

Amberoad hat schon die RAG als Kunde : Aachener Start-up entwickelt ein Google für Firmendaten

Die Suche nach Informationen ist häufig mühsam in Unternehmen. Das Aachener Start-up Amberoad will da Abhilfe schaffen. Die Suchmaschine für Unternehmen durchforstet Texte, Videos und Nachrichten in Firmenchats. Geholfen hat bei der Entwicklung der Zukunftstechnik ausgerechnet ein Bergbau-Projekt.

Vom Hersteller von Kork-Rucksäcken zur digitalen Suchmaschine – so eine Wandlung ist selbst in der kuriose Geschichten gewöhnten Gründerszene außergewöhnlich. 2017 habe man mit dem Verkauf angefangen, sagt Amberoad-Gründer Bastian Maiworm: „Wir haben heute noch ein paar von den Rucksäcken im Keller, aber davon abgesehen haben wir mit dem Thema seit Jahren nichts mehr am Hut.“

Denn das Gründerteam kamen auf eine neue Idee, die sie nun unter altem Namen vorantreiben. Bei Praktika während des Studiums merkten sie, wie viel Zeit bei vielen Unternehmen darauf verwendet werden musste, um Informationen zu finden. „Die Datenformate werden auch immer diverser, dadurch wird das Wissen schwerer zu finden“, sagt Bastian Maiworm. Texte, Grafiken, Videos oder vielleicht Chats – in Unternehmen tauchen immer mehr Quellen auf, die man im Zweifel mühsam durchsuchen muss, wenn man diese oder jene Information wiederfinden will.

Zu den Kunden gehören die RAG und Siemens Energy

Amberoad will da Abhilfe schaffen: Das Aachener Start-up hat eine Suchmaschine entwickelt, mit der sich Firmendaten innerhalb weniger Sekunden wiederfinden lassen. „In vielen Unternehmen wurden Dokumente jahrelang einfach abgeheftet – und wenn sie dann digitalisiert werden, scannt irgendjemand sie einfach ein. Unsere Software ist so programmiert, dass sie trotzdem den Text erkennt“, sagt Bastian Maiworm. Amberoad verspricht eine Zeitersparnis von durchschnittlich bis zu einer Stunde pro Woche und Mitarbeiter. Zu den Kunden gehören bereits Unternehmen wie der Bergbaukonzern RAG und das Industrieunternehmen Siemens Energy.

Die vier Gründer Julian Reinauer, Philipp Reißel, Bastian Maiworm und Igli Manaj haben sich während des Studiums an der RWTH Aachen kennengelernt und ihr Start-up 2020 auf die Entwicklung der Suchmaschine ausgerichtet. Damals startete die Gründerallianz, ein Zusammenschluss von Unternehmen und Organisationen im Ruhrgebiet, eine neue Auflage ihres Datahubs. Dabei sollen etablierte Unternehmen gezielt mit Start-ups in Kontakt kommen. Die Idee: Die Konzerne haben häufig große Datenmengen, aber bislang keine Technologie, um damit sinnvoll zu arbeiten. Bei den Start-ups ist es wiederum häufig andersherum. Und so suchte der Bergbaukonzern RAG damals nach einer Lösung, um Bergbauwissen zu erhalten. Eine Suchmaschine sollte Wissen in unterschiedlichsten Formaten, Systemen und Abteilungen auffindbar nutzbar machen.

Die Optik der Suchmaschine erinnert an Google

„Als die RAG ein Datahub-Projekt ausgeschrieben hat, haben wir uns beworben, den Zuschlag bekommen und unsere Suchmaschine dann angepasst“, sagt Bastian Maiworm. Anschließend konnte das Team mit den dabei gesammelten Erfahrungen auf andere Unternehmen zugehen. Nachdem die Gründer den Fokus zunächst auf Industriekonzerne gerichtet hatten, will man nun auch verstärkt Mittelständler ansprechen und als Kunden gewinnen.

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Das Konzept der Suchmaschine, die in ihrem Aufbau sehr stark an Google und Co. erinnert, ist dabei gezielt an Bedürfnisse von Unternehmen angepasst. Das heißt zum Beispiel, dass nicht jeder Mitarbeiter bei der Suche alles sehen kann. „Natürlich werden die Zugriffsrechte berücksichtigt, da beispielsweise der Praktikant natürlich nicht den Geschäftsführervertrag einsehen darf“, sagt Bastian Maiworm. Außerdem würden die Algorithmen für die Suche jeweils branchenspezifisch trainiert. Das ist auch nötig, weil ein Wort wie „Kumpel“ im Bergbau beispielsweise auch als Synonym für Mitarbeiter verwendet wird. Solche Synonyme müssten also bei Suchanfragen nach Mitarbeiterzahlen berücksichtigt werden.

Amberoad konnte erste Finanzierungsrunde abschließen

Nachdem die Gründer ihr Start-up anfangs neben dem Studium aufgebaut haben, konzentrieren sie sich inzwischen hauptamtlich darauf. In diesem Jahr soll erstmals ein sechsstelliger Umsatz erzielt werden. Und nachdem die Gründer sich zunächst komplett selbst finanziert haben, bekamen sie nun von Investoren im Rahmen einer sogenannten Pre-Seed-Runde eine mittlere sechsstellige Summe. Zu den Investoren gehören unter anderem Ralf Kersting, Unternehmer und langjähriger Präsident der Industrie- und Handelskammern in NRW. Er freue sich, sagt Kersting, dass er die jungen Unternehmer mit seinen Erfahrungen aus der „old economy“ begleiten dürfe.