Andree Bach: Stabwechsel bei DB Regio

Andree Bach : Stabwechsel bei DB Regio

Die Erwartungen an den neuen Chef von DB Regio NRW, der Bahntochter für den Regionalverkehr, sind hoch. Das wurde bei der stilvoll inszenierten Übergabe der Amtsgeschäfte von Heinrich Brüggemann (65) an Andree Bach (51, Bild) deutlich.

Die Fahrt des mit weit über hundert Ehrengästen besetzten Extra-Zuges führte quer durch das Land. Unterwegs begegneten den Fahrgästen viele bunt lackierte Züge von Konkurrenten der Deutschen Bahn — und in Zukunft werden es noch mehr werden. Der Marktanteil des ehemaligen Branchenführers bewegt sich in den nächsten Jahren an Rhein und Ruhr Richtung 40 Prozent.

NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) führte diese Entwicklung auf einen "von der Politik schlecht gemanagten Prozess" zurück. Brüggemann habe mit strukturellen Fußfesseln den Wettbewerb mit den Privatbahnen führen müssen — indem er zum Beispiel gezwungen gewesen sei, den Strom bei der teuren Bahntochter DB-Energie zu kaufen und nicht bei einem "Billigheimer". Die hohe Kompetenz des langjährigen Chefs (2001 — 2017) von rund 5000 Regio-Mitarbeitern in NRW will sich Groschek nach eigenen Worten erhalten, indem er ihn nach den Pensionär engagiert: "Was der Große Brockhaus für das Allgemeinwissen, ist der Große Brüggemann für den Regionalverkehr."

"Um jeden Zugkilometer kämpfen"

Der aus dem Bahntower in Berlin angereiste Vorstand Verkehr und Transport, Berthold Huber, bezeichnete bei der Veranstaltung im Alten Wartesaal des Kölner Hauptbahnhofs Brüggemann als einen seiner Lehrmeister. Regionaler Schienenverkehr in NRW, das ist nach Hubers Worten der anspruchsvollste Markt seiner Art in Deutschland mit einem hochkomplexen System und dem härtesten Ausschreibungswettbewerb. Unserer Redaktion versicherte der Manager, die Bahn werde in NRW "um jeden Zugkilometer kämpfen".

Dies ist nun die Aufgabe von Andree Bach, der zehn Jahren die Busgeschäfte der Bahn in NRW geleitet hat (die Bahn ist einer der größten Busunternehmen Europas). Der Familienvater — seine Frau und die drei kleinen Kinder waren bei der Stabübergabe mit dabei — nimmt die Herausforderung des schrumpfenden Marktanteils an. Mit "größter Zielstrebigkeit" will er sich dem Ausbau von Drittgeschäften widmen. Zufall oder nicht — eines der Projekte hat mit Bussen zu tun: Die Charité erprobt zurzeit einen von DB Regio NRW entwickelten Mediziner-Bus, der als rollende Arztpraxis womöglich den Ärztemangel auf dem Land lindern kann.

Von zentraler Bedeutung für Bach die Zusammenarbeit aller am Nahverkehr Beteiligten, also auch die Kooperation mit der Konkurrenz. Dies wurde auch auf der Gästeliste deutlich: Alle großen Mitwerber waren zum Stabwechsel eingeladen und erschienen.

(kpk)
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