Düsseldorf: So locken Unternehmen Azubis

Düsseldorf : So locken Unternehmen Azubis

In Deutschland herrscht ein Fachkräftemangel, 136.000 Ausbildungsplätze sind noch unbesetzt. Deshalb entwickeln die Unternehmen in NRW Ideen, um junge Menschen zu erreichen.

Gehaltserhöhung, Mietkostenzuschuss und Tablet: So wirbt die Deutsche Bahn (DB) um Auszubildende. Mit diesen Bemühungen ist das Unternehmen nicht alleine. Auch andere Firmen legen sich immer mehr ins Zeug, um trotz Fachkräftemangels Nachwuchs für sich zu begeistern.

Obwohl sich der Ausbildungsmarkt gut entwickelt und bundesweit Ausbildungsstellen- und Bewerberzahl nahezu ausgeglichen sind, waren im August noch 98.000 Schüler auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, wie Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) belegen. Nicht jede freie Stelle passt zu jedem Bewerber.

Aus diesem Grund werden auch nordrhein-westfälische Unternehmen kreativ: Der Multitechnologiekonzern 3M schenkt kaufmännischen Azubis und dualen Studenten seit drei Jahren zum Ausbildungsstart ein Laptop. "In diesen Bereichen müssen häufig Präsentationen gehalten werden", erklärt Ausbildungskoordinatorin Diana Klömpken. "Das Laptop begleitet sie bis zur Abschlussprüfung." Auch 3M sieht sich einem stärkeren Konkurrenzkampf um qualifizierte Auszubildende ausgesetzt. "Vor allem in NRW müssen wir selbst aktiv werden." Den 80 neuen Azubis werden Workshops sowie Austausch mit Führungskräften geboten.

Mehr als 1000 Auszubildende starten bundesweit bei Thyssenkrupp. Der Industriekonzern setzt vor allem auf Gesundheitsvorsorge und Sport, aber auch Weiterbildungen stehen auf dem Plan.

Auch das Düsseldorfer Dax-Unternehmen Henkel engagiert sich und bietet neben Seminaren zu IT und Soft Skills Kurse für Job-Englisch an. Am Freitag starteten dort 165 Schüler eine Ausbildung oder ein duales Studium.

Einen anderen Weg schlagen das Metallverarbeitungsunternehmen Vallourec in Düsseldorf und das Logistikunternehmen Rhenus ein: Während Vallourec Azubis teilweise nach Frankreich mit auf Dienstreise mitnimmt, setzt die Rhenus-Filiale in Hilden auf den bisherigen Erfolg — Urkunden an den Wänden bescheinigen viele Jahrgangsbeste und sollen eine Außenwirkung entfalten.

Dass sich hohes Engagement lohnt, verdeutlicht die DB. Mit 3400 neuen Auszubildenden konnte sie rund 95 Prozent ihrer Lehrstellen besetzen. Angesichts des harten Arbeitsmarktes sei diese Quote "ein sehr gutes Ergebnis", meint Personalvorstand Ulrich Weber. So erhalten Azubis als Fahrdienstleiter, Lokführer und Kaufmann für Verkehrsservice neuerdings fast sechs Prozent mehr Lohn, ein Tablet und bis zu 350 Euro Mietkostenzuschuss, wenn das Pendeln zwischen bisherigem Wohnort und Ausbildungsort mit öffentlichen Verkehrsmitteln mehr als 150 Minuten (Hin- und Rückfahrt) dauert.

Geschenke seien jedoch auf lange Sicht nicht entscheidend für den Erfolg von Unternehmen am Ausbildungsmarkt, meint Norbert Woehlke, stellvertretender Geschäftsführer Berufsbildung bei der IHK Düsseldorf. "Sie haben nur einen kurzfristigen Effekt", sagt er. Wirklich überzeugen würden andere Signale: Die Supermarktkette Netto und andere Unternehmen werben mit einer Übernahmegarantie. "Sicherheit ist der jungen Generation sehr wichtig - das funktioniert", sagt Woehlke. "Zudem punkten Firmen, die ihren Azubis ein ÖPNV-Ticket zur Verfügung stellen, Auslandsaufenthalte ermöglichen oder den Azubis mit Prüfungsvorbereitungskursen zu guten Resultaten verhelfen."

(mba)
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