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Sky Deutschland: Das Geheimnis hinter dem Sky-Gewinn

Fünf Gründe für den Erfolg : Das Geheimnis hinter dem Sky-Gewinn

Der Bezahlsender hat zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder einen Gewinn gemacht. Der Sender scheint die Erfolgsformel gefunden zu haben. Entscheidend war am Ende jedoch ein bloßer Zufall.

Heute bestellen und morgen schon Sky gucken — so wirbt der Bezahlsender auf seiner Webseite. Bislang gab es bei Sky jedoch noch eine andere Liefergarantie: Quartal für Quartal lieferte das Unternehmen immer wieder Verluste ab. Bis jetzt. Erstmals seit sieben Jahren hat Sky Deutschland wieder schwarze Zahlen geschrieben. Im Sommerquartal erzielte das Unternehmen einen Überschuss von 12,3 Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Verlust von 14,2 Millionen Euro angefallen war. Seit sich der Sender vor fünf Jahren von Premiere in Sky Deutschland umbenannte, hatte das Unternehmen noch keine Nettogewinne geschrieben.

Ist das jetzt also die Wende, der Beweis, dass Bezahlfernsehen auch in Deutschland funktioniert? Immerhin versucht der Pay-TV-Anbieter mittlerweile seit mehr als 20 Jahren — erst unter dem Namen Premiere und dann als Sky — den Menschen Abo-Fernsehen zu verkaufen — erfolglos. Während sich Bezahlfernsehen in anderen Ländern längst durchgesetzt hat, blieben die Deutschen bislang knauserig. Warum für etwas bezahlen, was es auch umsonst gibt? Seit Brian Sullivan die Geschäfte bei Sky übernommen hat, geht es langsam bergauf. Allein von Juli bis September lockte Sky Deutschland 96.000 zusätzliche Kunden, die Gesamtzahl der Abonnenten mit direktem Sky-Vertrag stieg auf mehr als 3,9 Millionen. Fünf Gründe gibt es für den Erfolg:

1. Die Nutzer sind inzwischen bereit, für exklusive Inhalte zu bezahlen

Seit vielen Jahren schon kann man Bundesliga und Champions League nur bei Sky komplett live sehen. Auch zahlreiche Filme liefen hier vor der Erstausstrahlung im "normalen" TV. Trotzdem überzeugte das Angebot zu wenige Menschen. Inzwischen haben sich die Sehgewohnheiten geändert. Für hochwertige Inhalte sind immer mehr Leute bereit, Geld zu bezahlen. Davon profitieren Streaming-Dienste wie Netflix, Maxdome oder Amazons Prime Instant Video, aber eben auch Sky. Kunden lockt der Sender längst nicht mehr nur mit Fußball, auch hochgelobte Serien wie "House of Cards" und "Game of Thrones" sind hier exklusiv zu sehen.

2. Längere Laufzeiten halten Schnäppchenjäger ab

Vermutlich hat jeder in seinem privaten Umfeld einen Bekannten, der Sky für einen Angebotspreis für ein Jahr abonniert hat und dann immer stichtagsgenau kündigt, sobald er den regulären Preis zahlen müsste. Einjahresverträge mag es auch weiterhin geben, offen bietet Sky inzwischen jedoch nur noch Laufzeiten von zwei Jahren an. Dadurch sank die Kündigungsquote und die Nutzerzahlen stiegen. "Es wird ein zunehmend vorhersagbares Geschäft", sagte Sullivan.

3. Raus aus der Kneipe

Früher gab es die Fußball-Bundesliga in vielen Eckkneipen zu sehen. Doch zuletzt hat Sky zweimal in Folge drastisch die Preise für die Wirte erhöht. Für viele rentiert sich das Sky-Abo nicht mehr. Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) kennt die Probleme, ist aber machtlos. Christian Jäger, Geschäftsführer Dehoga Nordrhein, kritisierte zuletzt: "Die Preiserhöhungen sind sehr drastisch, sie liegen in der Regel zwischen 40 und 50 Prozent." Die Wirte vermuten, dass Sky die Preise für die Gastronomie immer weiter erhöhe, so dass weniger Gaststätten die Bundesliga zeigen, um mehr private Abonnements zu verkaufen. Sky widerspricht solchen Behauptungen und verweist auf steigenden Abo-Wachstumszahlen bei Privatpersonen und Sportsbars.

4. Sky auf allen Kanälen

Viele Sky-Abonnenten haben ihren Bildschirm inzwischen immer dabei. Wurden Serien, Filme und Sport früher auf dem Fernseher geguckt, können sie inzwischen dank mobiler Internetverbindungen auch unterwegs auf dem Smartphone oder Tablet abgerufen werden. Sky hat auf das veränderte Nutzerverhalten reagiert. Mit "Sky Go" kann das Programm auf zahlreichen Endgeräten abgespielt werden. Das wird rege genutzt: Die Zahl der Kunden-Logins stieg um 43 Prozent auf 26 Millionen im Vergleich zum Vorjahr. Je besser der Service, umso eher lassen sich auch monatliche Abo-Gebühren von rund 30 Euro oder mehr rechtfertigen. Demnächst verfügbare Angebote ermöglichen außerdem den kostenpflichtigen Einzelabruf oder das Herunterladen von Filmen und Serien. Die neue Online-Videothek "Snap" soll Konkurrenten wie Maxdome oder Netflix auf Distanz halten. Gleichzeitig lassen sich durch solche Angebote auch Zusatzeinnahmen generieren.

5. Sky erlebt ein finanzielles Sommermärchen

Die Strategen von Sky haben viele Ideen, um den Sender endlich dauerhaft in die Gewinnzone zu führen. Für das gute Ergebnis im dritten Quartal hat letztlich jedoch ein banaler Zufall gesorgt: Durch die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien hat die Bundesliga verspätet begonnen. Die längere Sommerpause sorgte dafür, dass die Produktionskosten nicht so stark stiegen wie der Umsatz, der um 9,8 Prozent auf 431,3 Millionen Euro zulegte.

Sky-Deutschland-Chef Brian Sulliven kündigte daher bereits an, dass das aktuelle Ergebnis in nächster Zeit eher die Ausnahme von der Regel bleiben wird. "Wir werden sehr wahrscheinlich eine Anzahl von Quartalen mit negativem Nettoergebnis haben, bevor wir dauerhafte Gewinne schreiben", sagte er am Montag in einer Telefonkonferenz. Grundsätzlich bleibe es aber beim positiven Kurs: Die Kundenzahlen sollen weiter steigen, der Umsatz zulegen. Eine Liefergarantie gibt es dafür jedoch nicht.