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Sigmar Gabriel soll Thyssenkrupp Steel retten

Früherer SPD-Chef als Chefkontrolleur : Sigmar Gabriel soll Thyssenkrupp Steel retten

Die Zukunft der Stahlsparte von Thyssenkrupp ist ungewiss. Nun soll ein neuer Aufsichtsrats-Chef für die nötige politische Unterstützung sorgen: Der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel wird Chefkontrolleur, die frühere Tui-Vorständin Elke Eller Aufsichtsrätin. Die Niedersachsen-Connection könnte bei der Deutschen Stahl AG helfen.

Der Stahlsparte von Thyssenkrupp steht eine schwere Zeit bevor: Die Verselbstständigung stockt wegen des Ukraine-Kriegs, die Brammen stapeln sich in Duisburg wegen mangelnder Nachfrage der Autoindustrie. Und keiner weiß, wo die Milliarden für den klimafreundlichen Umbau herkommen sollen. Nun soll ein neuer Aufsichtsrats-Chef aus der Politik helfen, das Schiff auf Kurs zu bringen und Fördergelder locker zu machen: Sigmar Gabriel, der frühere Bundeswirtschaftsminister und SPD-Vorsitzende, wird neuer Chef des Aufsichtsrates von Thyssenkrupp Steel.

„Thyssenkrupp hat im Rahmen der turnusmäßigen Neubestellung des Aufsichtsrats der Thyssenkrupp Steel Europe AG Sigmar Gabriel (62) und Elke Eller (59) als Vertreter der Anteilseignerseite in das Gremium berufen. Sigmar Gabriel wurde zum neuen Vorsitzenden des Gremiums gewählt“, teilte der Konzern mit.

Der Sozialdemokrat weiß, was von ihm erwartet wird: „Die Erfordernisse der grünen Transformation stellen die ganze Branche vor eine historische Herausforderung. Nirgendwo kann man exemplarisch so überzeugend zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg und Nachhaltigkeit in der Klimapolitik in Deutschland zusammengebracht werden. Ich bin optimistisch, dass die Herausforderungen der grünen Transformation bewältigt werden können. Dazu will ich in meiner Funktion beitragen“, erklärte Gabriel.

Sigmar Gabriel war von 2009 bis 2017 SPD-Vorsitzender, von 2013 bis 2017 Bundeswirtschaftsminister und anschließend bis 2019 Bundesaußenminister.

Damit kontrolliert nun eine Niedersachsen-Connection den Duisburger Stahlkonzern: Elke Eller war bis 2021 Personalvorständin des Reisekonzerns Tui, zuvor war sie in verschiedenen Führungspositionen bei der Volkswagen tätig. Die Niedersachsen-Conncetion könnte hilfreich sein, falls es doch noch zu einer Deutschen Stahl AG kommt, die sich die IG Metall wünscht. Der Thyssen-Konkurrent Salzgitter wäre ein wichtiger Partner in dieser Stahl AG, hat bisher aber dankend abgewunken, wenn es um das Thema Zusammenschluss mit dem NRW-Konkurrenten ging.

Konzernchefin Martin Merz jedenfalls setzte große Hoffnungen in den Mann, der auch schon mal Pop-Beauftragter seiner Partei war: „Wir sind überzeugt, dass Sigmar Gabriel nicht nur eine ausgezeichnete Ergänzung für das Gremium darstellt, sondern auch klare Akzente für die weitere Entwicklung des Stahlbereichs setzen wird“, sagte Merz.

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Schweren Herzens hatte sie die Abspaltung (Spin-off) des Stahls am 16. März auf die lange Bank schieben müssen, weil sich durch den Ukraine-Krieg die Rahmenbedingungen grundlegende verändert haben und eine Finanzierung der Abspaltung derzeit nicht möglich ist. „Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass die Strategie der eigenständigen Aufstellung des Stahlgeschäfts gute Zukunftsperspektiven eröffnet – auch wenn die konkrete Form der Umsetzung aufgrund der geopolitischen Lage für den Moment offenbleiben muss“, sagte Merz. „Die Integrität dieses Prozesses wollen wir auch dadurch dokumentieren, dass wir unabhängige Mitglieder in den Aufsichtsrat berufen, die das Vertrauen beider Seiten des montanmitbestimmten Stahlunternehmens besitzen.“

Als Sozialdemokrat hat Sigmar Gabriel schon mal einen Vertrauensvorschuss der IG Metall, die bei Thyssenkrupp sehr einflussreich ist. Bei seinem Besuch 2016 in Duisburg hatte er den Stahlkochern schon einmal Unterstützung signalisiert. Gabriel und Eller lösen im Aufsichtsrat Franz Bartscherer und Diethard Bergers ab, die ihre Mandate „aus persönlichen Gründen“ niederlegen.

Auch im Steel-Vorstand gibt es Veränderungen: Die Verantwortung für Transformation und Produktion werden getrennt. Ab Mai soll die Thyssenkrupp-Managerin Heike Denecke-Arnold als Chief Operating Officer die Produktion verantworten. Technologievorstand Arnd Köfler ist für den Umbau zu grünem Stahl zuständig. Der Konzern will bis 2045 klimaneutral produzieren.