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München/Erlangen: Siemens will die Medizintechnik ausgliedern

München/Erlangen : Siemens will die Medizintechnik ausgliedern

Es geht um 52.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von 14 Milliarden Euro. Das Hörgeräte-Geschäft wird wohl verkauft.

Der Siemens-Konzern trennt sich langsam von einer seiner berühmtesten Sparten. Der Vorstand wird voraussichtlich heute auf der Bilanzpressekonferenz bekanntgeben, dass er die Medizintechnik zu einer eigenständigen Firma machen will. Damit würden 52 000 Mitarbeiter mit einem Umsatz von 14 Milliarden Euro den Konzern zumindest formal verlassen - irgendwann könnte die Sparte dann ein eigener Dax-Konzern sein.

Immerhin liegt der Jahresgewinn des Gesundheitsgeschäfts bei rund zwei Milliarden Euro - Siemens-Gesundheit könnte also an der Börse oder von einem Käufer ähnlich hoch bewertet werden wie Henkel mit 30 Milliarden Euro. Das Geld könnte Siemens nutzen, um die anderen Sparten zu stärken.

Die ganze Transaktion folgt der Strategie des neuen Konzernchefs Joe Kaeser, dass Siemens sich auf eine Reihe an Kerngeschäften wie Antriebstechnik, Gebäudetechnik oder auch Energie konzentriert, deren Technologien sich teilweise ergänzen und bei denen die gleichen Großkunden oft Produkte aus mehreren Sparten kaufen.

Die extrem erfolgreiche Medizintechnik hat dagegen mit Ärzten und Krankenhäusern eine ganz andere Kundschaft als die anderen Sparten des Konzerns und hat auch technisch wenig mit den anderen Geschäften zu tun. So baut sie beispielsweise Computertomographen, bietet Computeranlagen zur Steuerung von Krankenhäusern an und ist auch führend bei Diagnostik-Anlagen zum Erkennen von Krebs und anderen Leiden. Die Sparte mit Sitz in Erlangen könnte bei einer Unabhängigkeit auch langfristig mit der Medizintechnik von Philips fusionieren, um einen großen europäischen Anbieter von Gesundheitstechnik aufzubauen.

Um die Ausgliederung vorzubereiten, will Vorstandschef Kaeser anscheinend parallel das Hörgerätegeschäft abgeben. Auch darüber sprach laut Medienberichten gestern der Aufsichtsrat. Die Sparte soll angeblich an den schwedischen Finanzinvestor EQT gehen. Als Preis sind zwei Milliarden Dollar im Gespräch. Private Kunden wären von einem Verkauf nicht betroffen, versichern Experten.

Die Siemens-Hörgerätesparte (Audiologische Technik) gehört neben Sonova aus der Schweiz und William Demant aus Dänemark zu den großen Anbietern der Branche. Das Geschäft hat eine lange Tradition im Konzern: Bereits vor gut 100 Jahren brachte Siemens das erste industriell gefertigte Hörgerät auf den Markt. Heute sind bei dem Tochterunternehmen mit einem Umsatz von rund 700 Millionen Euro weltweit etwa 5000 Menschen beschäftigt, davon rund 700 in Deutschland an den Standorten Erlangen und Herford (NRW).

(RP)