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Joe Kaesers Charmeoffensive: Siemens gibt sich im Alstom-Poker als Retter

Joe Kaesers Charmeoffensive : Siemens gibt sich im Alstom-Poker als Retter

Der Übernahmepoker um den französischen Industriekonzern Alstom steuert auf eine Entscheidung zu. Nach der Vorlage eines eigenen Angebots können die Chefs von Siemens und Mitsubishi jetzt offen für ihren Vorschlag werben. Sie geben sich als Retter.

Die Worte, die in diesen Tagen aus dem Mund von Siemens-Chef Joe Kaeser kommen, könnten auch von Frankreichs Präsident François Hollande stammen. "Es geht nicht ums Geld. Es geht um eine französische Ikone und es geht darum, Alstom so zu belassen wie es ist." Mit Sätzen wie diesem kämpft der deutsche Spitzenmanager um eine Chance im Poker um den französischen Industriekonzern. Nach schlechten Erfahrungen seiner Vorgänger weiß der 56-Jährige, dass in Frankreich bei Allianzen oder Übernahmen kaum etwas ohne die Zustimmung der Politik geht.

Viel Zeit für Überzeugungsarbeit bleibt allerdings nicht mehr. Bis kommenden Montag wird eine Entscheidung darüber erwartet, wie es im Bieterwettbewerb um den französischen Hersteller von Energie- und Bahntechnik weitergeht. Dann läuft die Frist des US-Konkurrenten General Electric aus, der bereits Ende April ein verbindliches Angebot über 12,35 Milliarden Euro für die Energietechnik-Sparte von Alstom vorgelegt hatte. Der von Siemens und dem japanischen Konzern Mitsubishi Heavy Industries (MHI) präsentierte Plan wird dann gerade einmal eine Woche alt sein.

Für Kaeser und MHI-Amtskollege Shunichi Miyanaga heißt es deshalb Klinkenputzen. Am Dienstagvormittag durften sie Hollande ihre Pläne für Alstom vorstellen. Anschließend standen eine Pressekonferenz sowie eine Anhörung vor dem Wirtschaftsausschuss der französischen Nationalversammlung auf dem Programm. "Wir sind überzeugt, in jeglicher Hinsicht das bessere Angebot zu haben", lautet das Motto der Konzernlenker aus München und Tokio.

Dazu gibt es viele Zahlen, die allerdings nur schwer miteinander vergleichbar sind. So bewerten Siemens und MHI die Alstom Energietechnik-Sparte nach eigener Rechnung mit 14,2 Milliarden Euro und damit um rund 15 Prozent besser als GE. Gleichzeitig fällt der Cash-Anteil des Siemens-MHI-Angebots mit sieben Milliarden Euro deutlich geringer aus.

Dafür gehe es nicht um eine Zerschlagung von Alstom, sondern um eine Stärkung der Eigenständigkeit und um neue Jobs und Ausbildungsplätze für französische Jugendliche, denen man eine Perspektive geben wolle, argumentierte Kaeser am Dienstag in bester Politikermanier. Dass Siemens mit dem Alstom-Gasturbinen-Geschäft dennoch ein Filetstück aus dem französischen Konzern herauslösen will, wird kleingeredet.

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Mit dem Geld könnten notwendige Zukunftsinvestitionen getätigt werden, heißt es. In der jetzigen Form gilt der stark verschuldete Konzern als zu klein, um langfristig auf dem Weltmarkt bestehen zu können.

Ob Miyanaga und Kaeser mit ihrer Argumentation auch den Alstom-Verwaltungsrat überzeugen können, bleibt abzuwarten. Von Alstom-Chef Patrick Kron jedenfalls gibt es noch keinerlei Signale, ob er sich von dem Werben aus Deutschland und Japan erweichen lässt.

Allerdings wird er sich ohnehin vor allem der Entscheidung des französischen Mischkonzerns Bouygues beugen müssen, der Alstom-Großaktionär ist. Und letztlich natürlich auch der französischen Regierung, die sich kurz vor der heißen Phase des Bieterwettbewerbs noch ein Vetorecht bei Übernahmen gesichert hatte.

Möglicherweise sei ein Spatz in der Hand besser zu bewerten als eine Taube auf dem Dach, kommentierte die französische Tageszeitung "Le Figaro" diese Woche. Wobei mit der Taube Siemens gemeint war. Vor allem im Bezug auf das Bahngeschäft gibt es zudem widersprüchliche Signale. Während deutsche Arbeitnehmerkreise behaupten, eine Abgabe der Siemens-Bahntechnik an Alstom sei vom Tisch, gibt es in Paris andere Informationen. "Im Transportbereich sind wir absolut entschlossen, einen europäischen Champion zu schaffen (...)", teilt Aufsichtsratschef Gerhard Cromme am Dienstag nach dem Spitzentreffen mit Präsident Hollande mit - allerdings lediglich in französischer Sprache.

(dpa)