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Aufsichtsrat berät am Wochenende über Personalie: Siemens-Chef Löscher muss wohl gehen

Aufsichtsrat berät am Wochenende über Personalie : Siemens-Chef Löscher muss wohl gehen

An diesem Wochenende kommen die Aufsichtsräte des größten Dax-Konzerns zusammen, um über einen neuen Konzern-Chef zu beraten. Als Favorit für die Nachfolge des glücklosen Österreichers Peter Löscher gilt Industrie-Vorstand Siegfried Russwurm.

Der größte Dax-Konzern steht vor einem Chef-Wechsel. Der amtierende Vorstandschef Peter Löscher soll offenbar abgelöst werden. Als Favorit für seine Nachfolge gilt Industrievorstand Siegfried Russwurm, wie das "Manager Magazin" berichtet. Aber auch Finanzvorstand Joe Kaeser werden seit langem Ambitionen auf die Konzernspitze nachgesagt. Am Samstag wollen sich die Vertreter der Arbeitnehmer- und der Kapitalseite im Aufsichtsrat zu getrennten Sitzungen treffen, um das weitere Vorgehen zu beraten. Am Mittwoch kommt der Aufsichtsrat zu einer formellen Sitzung zusammen.

Die Initiative für die Auswechslung Löschers kommt offenbar von den Kapitalvertretern im Aufsichtsrat. Hier habe sich eine Mehrheit gegen Löscher gestellt. Geführt wird der Aufsichtsrat von Gerhard Cromme, der Löscher 2007 vom Pharmakonzern Merck zu Siemens geholt hatte. Cromme hatte sich auch noch auf der vergangenen Hauptversammlung vor Löscher gestellt. Doch mittlerweile ist der Aufsichtsratschef selbst angeschlagen und konnte wohl auch die Kritiker im Gremium nicht mehr besänftigen.

Die Pannen häufen sich

Kein Wunder, denn die Pannen häufen sich. Deshalb steht Peter Löscher seit Monaten in der Kritik. Das Fass zum Überlaufen brachte am Donnerstag eine erneute Gewinnwarnung. Löscher hatte sein selbst gestecktes Ziel, Siemens bis 2014 auf eine Rendite von zwölf Prozent zu trimmen aufgeben müssen. Kritiker bemängeln nicht nur die erneute Prognose-Verfehlung (es ist die sechste in der Amtszeit Löschers), sondern auch die mangelhafte Kommunikation. Die Aktie war um sieben Prozent eingebrochen.

Löscher war auf dem Höhepunkt der Korruptionsaffäre zu Siemens gekommen. Die Aufgabe, aufzuräumen, löste er nach Ansicht vieler Beobachter gut. "Nur saubere Geschäfte sind Siemens-Geschäfte", hieß sein Credo. Doch Löscher kam nie wirklich an im weit verzweigten Konzern. Die Management-Fehler häuften sich — auch die öffentlichkeitswirksamen. Siemens schaffte es weder, neue ICE-Züge an die Deutsche Bahn pünktlich noch die Windparks in der Nordsee fristgerecht auszuliefern. Zudem erwiesen sich teure Zukäufe als Flop. Zugleich war der Vorstand des Komzerns zerstritten.

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Doch das Selbstbewusstsein von Löscher blieb ungebrochen. Er kündigte großspurig an, bald werde der Konzern einen Umsatz von 100 Milliarden Euro machen. Im Jahr 2012 waren es dann doch nur 78 Milliarden Euro. Auch sein Jahresgehalt war mit zeitweise bis zu neun Milliarden Euro weiter üppig.

Zuletzt brachte der Österreicher dann auch noch die Arbeitnehmer gegen sich auf. Seit Monaten sorgt das Sparprogramm "Siemens 2014" für Unruhe, mit dem der Konzern Milliarden sparen will. Es wird über den Abbau von 10 000 Arbeitsplätzen spekuliert. Doch Siemens hat bis heute nicht erklärt, in welchen Sparten und an welchen Standorten Stellen wegfallen sollen. Der Gesamtbetriebsrats-Chef Lothar Adler kritisierte Löscher öffentlich.

Gestern noch versuchte der 55-Jährige, um sein Amt zu kämpfen. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte Löscher: "Mir bläst jetzt der Wind ins Gesicht, aber es war noch nie meine Art aufzugeben oder schnell die Segel zu streichen." Er habe einen Vertrag bis 2017. "Und gerade jetzt ist der Kapitän bei Siemens mehr gefragt denn je." Das sieht die Börse anders. Die Aktie legte nach Bekanntwerden der Ablösungs-Spekulationen zu. Siemens gehörte zu den besten Aktien im Dax.

(RP)