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Siemens-Chef Joe Kaeser irritiert IG Metall

Geplanter Konzernumbau : Siemens-Chef Kaeser irritiert IG Metall

Vorstandschef Joe Kaeser hat bekanntgegeben, dass von dem geplanten Konzernumbau bei Siemens weltweit 11.600 Stellen betroffen seien. Die IG Metall reagierte verwundert. Mit ihnen habe niemand über die Zahl gesprochen, hieß es.

Die IG Metall hat die Aussagen von Siemens-Chef Joe Kaeser, wonach von dem geplanten Konzernumbau 11.600 Jobs betroffen seien, mit Überraschung zur Kenntnis genommen. "Ich kann die Zahl nicht kommentieren, weil wir gar nicht wissen, wie sie zustande kommt", sagte eine Sprecherin und ergänzte: "Mit uns hat Siemens darüber nicht gesprochen." Entsprechend irritiert sei die IG Metall über das Vorgehen des Konzerns: "Es muss bald jemand mit uns reden."

Mit dem Projekt "Siemens — Vision 2020" möchte Vorstandschef Kaeser den Konzern straffen und effizienter gestalten. Die Sektor-Organisation soll ebenso wegfallen wie sieben der 16 Divisionen. Bis Herbst 2016 soll eine Milliarde Euro gespart werden. Dies hatte Kaeser jüngst erklärt. Jetzt hat der Siemens-Chef bei einer Investoren-Konferenz erstmals konkretisiert, wie viele Stellen von den Umbauplänen betroffen sind. Die 11.600 Jobs, rund drei Prozent der insgesamt etwa 362 000 Beschäftigten, setzen sich aus insgesamt 4000 Stellen in den vier Sektoren und 7600 in den sogenannten Clusterorganisationen zusammen.

Ein Siemens-Sprecher relativierte die von Kaeser genannten Zahlen auf Anfrage. So müsse "Stellenabbau nicht zwangsläufig auch Jobverlust" bedeuten. Es sei zwar klar, dass im Rahmen des Umbaus bestimmte Aufgaben wegfallen würden. Es werde aber geprüft, wo betroffene Mitarbeiter an anderer Stelle im Konzern eingesetzt werden könnten. Ähnlich hatte sich Kaeser geäußert: "Wir sparen, wir nehmen Arbeit heraus, wir verteilen Ressourcen neu." Der Manager bekräftigte gestern in einer Mail an die Belegschaft, dass er lediglich darauf hingewiesen habe, welche Stellen betroffen seien.

Konzernsprecher macht Hoffnung

Welche Standorte von dem Abbau betroffen sind, steht laut Siemens noch nicht fest. Ebenso sei die Zahl der betroffenen Mitarbeiter in Deutschland unklar. Konkrete Einzelheiten seien nun Gegenstand von Beratungen. Der Konzernsprecher machte den deutschen Beschäftigten allerdings Hoffnung: "In Deutschland wollen wir auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten", betonte er und verwies auf bestehende Betriebs- und Beschäftigungssicherungen.

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Zu einem möglichen Austausch mit Verantwortlichen der IG Metall wollte sich der Sprecher nicht äußern. Er sagte lediglich, dass die Arbeitnehmerseite bei allen Überlegungen "mit im Boot sitzt". Eine Beratung habe bereits stattgefunden und werde fortgesetzt.

Im Oktober hatte Siemens angekündigt, im Rahmen eines Sparprogramms 15.000 Stellen abzubauen. Dieser Abbau ist dem Sprecher zufolge "weitgehend umgesetzt". Der Konzernumbau sei unabhängig davon zu sehen. Das bedeutet, dass die 11.600 Stellen dazukommen und bei Siemens insgesamt 26.600 Stellen wegfallen. In Branchenkreisen war von rund 10.000 zusätzlich wegfallenden Jobs die Rede gewesen.

Die Abbaupläne werden eine Woche nach der großen deutschlandweiten Protest-Aktion bekannt. Dabei hatten an rund 80 Standorten mehrere tausend Mitarbeiter gegen die Umbaupläne demonstriert. Die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Birgit Steinborn hatte gefordert, dass die Neuausrichtung nicht nur "ein weiteres Personalabbauprogramm als zentrales Ziel beinhalten" dürfe. Die IG Metall bewertet die Protest-Aktion als wichtige Maßnahme der Mitarbeit, um Stärke zu zeigen.

(RP)