Siemens-Chef Joe Kaeser feilt am Vermächtnis

Bilanz-Pressekonferenz : Siemens-Chef feilt am Vermächtnis

 Joe Kaeser liefert nach einem durchwachsenen Jahr eine gute Endrallye ab. Der Vertrag des Siemens-Chefs läuft noch bis Januar 2021.

Der Kronprinz fehlte auf der Bilanz-Pressekonferenz des Technologie-Riesen Siemens: Roland Busch, jüngst ernannter stellvertretender Vorstandschef und damit so etwas wie Siemens-Chef im Wartestand, gesellte sich erst nach der eigentlichen Präsentation der Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr auf eine Tasse Kaffee zu den Journalisten. Noch ist die Präsentation der Bilanz eine Joe-Kaeser-Show. Der Vertrag des Siemens-Chefs läuft noch bis Januar 2021.

Während das „Manager Magazin“ in seiner jüngsten Ausgabe berichtete, Kaeser habe über die Vertragszeit hinaus weitermachen wollen, Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe habe jedoch auf die frühzeitige Berufung eines Stellvertreters gedrängt, deutete Kaeser am Donnerstag die Geschichte um: „Seit 15 Jahren haben wir erstmals wieder eine geordnete Nachfolgeplanung“, sagte der Manager und fügte hinzu: „Wir haben auf meine ausdrückliche Bitte an den Aufsichtsrat hin Herrn Busch zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden ernannt.“ Über eine klare Nachfolgeregelung werde im Sommer gesprochen. Er werde seinen auslaufenden Vertrag „nicht mehr um fünf Jahre verlängern“, sagte er nur.

Kaeser ist auf den letzten Metern nicht bereit, in der Öffentlichkeit als als Getriebener oder gar „lame duck“ (Lahme Ente) dazustehen. Stattdessen feilt er vielmehr an seinem Vermächtnis: Man habe im abgelaufenen Geschäftsjahr alle Ziele erfüllt, „während viele andere Industrieunternehmen ihren Ausblick revidieren mussten“. Tatsächlich hat Siemens im letzten Quartal allen Widrigkeiten zum Trotz eine enorme Aufholjagd hingelegt. Der Auftragseingang belief sich auf 98 Milliarden Euro (plus sechs Prozent zum Vorjahr), der Umsatz wuchs moderat um drei Prozent auf 86,8 Milliarden Euro. Die Ergebnismarge lag mit 11,5 Prozent genau im Zielkorridor. Sehr zur Freude der Aktionäre: Die Dividende klettert um zehn Cent auf 3,90 Euro.

Auf den Konzern kommen in den nächsten Monaten einschneidende Veränderungen zu. Die Energiesparte wird Anfang des kommenden Jahres abgespalten und voraussichtlich im September an die Börse gebracht. Dies werde unabhängig von der Entwicklung der Kapitalmärkte geschehen, sagte Finanzvorstand Ralf Thomas. „Wir sind nicht abhängig davon, ob die Börse gut gelaunt ist.“

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