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Abstufung durch Rating-Agentur Moody's: Schwieriger Weg für Deutsche Bank

Abstufung durch Rating-Agentur Moody's : Schwieriger Weg für Deutsche Bank

Die Herabstufung durch die Rating-Agentur Moody's hat die Börsianer zwar kalt gelassen. Trotzdem muss das neue Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen bei dem Ziel, einen Platz unter den Top fünf der Universalbanken zu erreichen, an vielen Stellen einen Spagat machen.

frankfurt/m. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Spaß der Deutsche-Bank-Aktionäre in Grenzen gehalten. Im Mai 2007 erreichte das Papier bei 107 Euro sein Allzeithoch. Nach der Lehman-Pleite stürzte der Kurs auf 15 Euro ab, erholte sich wieder und geriet erneut ins Rutschen. Seit Mitte 2011 ist der Börsenwert der Bank wieder um ein Drittel gesunken. Und gestern dürften einige Investoren mit bangem Blick auf die Kurstafeln geschaut haben, nachdem das Unternehmen wie 15 andere Branchengrößen auf der Welt durch die Rating-Agentur Moody's abgestuft worden war.

Passiert ist aber wenig. Im Gegenteil: Der Aktienkurs stieg zwischenzeitlich sogar; am Ende lag er ein Prozent im Minus. Alles andere als ein Weltuntergang. Die Herabstufung durch Moody's, vor Monaten angekündigt, sei schon eingepreist gewesen, heißt es im Fachvokabular der Börsensprache. Und: Die Deutsche Bank ist von den Bonitätswächtern mit einem stabilen Ausblick bedacht worden.

Das dürfte die neuen Konzernchefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen in ihrer Einschätzung bestärken, dass sie auf dem richtigen Weg sind. In der Spitzengruppe der Geldwirtschaft will das Führungs-Duo seinen Arbeitgeber dauerhaft platzieren, wie es der Finanzwelt verraten hat. "Wir haben das Ziel, dass unsere Bank eine der fünf führenden Universalbanken der Welt sein wird", sagte Jain der "FAZ".

Und dabei scheinen derzeit nicht einmal schlechte Nachrichten zu stören. Dazu gehört nicht nur das Moody's-Urteil, sondern auch die Meldung, dass der geplante Verkauf der globalen Vermögensverwaltung Rreef an die US-Gesellschaft Guggenheim Partners gescheitert ist, weil die Parteien sich nicht über den Preis einigen konnten. Das kann man als geplatzten Deal interpretieren, aber auch als einen Beleg dafür, dass die Deutsche Bank beim Verkauf von Unternehmensteilen nicht gerade unter Druck steht, sondern nachhaltige Erfolge sucht.

Jain und Fitschen wollen sich nicht beirren lassen. Sie predigen das Bild eines Führungsduos, das alles gemeinschaftlich angeht und sich somit bewusst vom als Alleinherrscher empfundenen Josef Ackermann abhebt. Im Interview mit der "FAZ" betonen die Ackermann-Erben, dass die Geldbranche wieder mehr Nähe zur Realwirtschaft brauche.

Das erstaunt vor allem bei einem Investmentbanker wie Jain, dessen Arbeitswelt in den vergangenen Jahren von Bank-Produkten geprägt war, die nicht mal für manche Banker verständlich waren, geschweige denn für die Vertreter der Realwirtschaft.

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Und das Investmentbanking wird ein wesentliches Standbein bleiben. Weltweit liegen da ohnehin nur noch die US-Größen Goldman Sachs und J.P. Morgan vor den Deutschen. Im Devisenhandel ist der deutsche Branchenführer auch global die Nummer eins, an den Anleihemärkten gehört er ebenfalls zu den Großen.

Gerade das Anleihengeschäft, zumindest das mit Staatsanleihen riskanter Provenienz, macht die Rating-Agenturen indes nervös. Und es ist mitverantwortlich dafür, dass manche Marktbeobachter bei den Ergebnissen im Investmentbanking für das zweite Quartal einen Rückgang um 20 bis 30 Prozent vorausgesagt haben. Im vergangenen Jahr war der Vorsteuergewinn der Deutschen Bank in der Sparte bereits um 40 Prozent eingebrochen.

Also müssen Jain und Fitschen die richtige Mischung finden: aus der Befriedigung der Renditewünsche von Aktionären und den eigenen Ansprüchen, "auch die sozialen und finanziellen Aspekte der Nachhaltigkeit" zu berücksichtigen; zwischen dem ebenso ertragsstarken wie riskanten Investmentbanking und dem klassischen Privatkundengeschäft, das die Gewinne stabilisieren soll; und zwischen der eigenen Rolle als Unternehmensführer und der als Ansprechpartner für die Politik, die nicht immer unbedingt das will, was die Banken wollen.

Das alles in Zeiten extrem schwankungsanfälliger Märkte und schärferer Kapitalvorschriften. Die Zeiten werden härter. Für diese Erkenntnis braucht es das Rating-Urteil nicht mehr.

Hier geht es zur Infostrecke: Wo die Deutsche Bank überall Ärger hat

(RP/csi/felt)