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Schon 18.400 Kläger - der Druck auf Bayer wächst

Glyphosat und kein Ende : Schon 18.400 Kläger – der Druck auf Bayer wächst

Die Zahl der Glyphosat-Klagen steigt um weitere 5000. Nun lässt das Agrargeschäft auch noch den Gewinn einbrechen. Fondsmanager sorgen sich wegen der steigenden Risiken.

Der Monsanto-Deal wird für Bayer zum Albtraum: Die Klagewelle wegen Glyphosat schwillt weiter an, in den USA gehen 18.400 Kläger gegen Bayer vor. Das sind 5000 mehr als im Frühjahr. Und nun wird auch das Geschäft mit Landwirten zum Problem: Bayers Konzerngewinn brach im zweiten Quartal um die Hälfte ein auf 404 Millionen Euro. Die Aktie geht wieder auf Talfahrt. Die Baustellen für Konzernchef Werner Baumann werden immer größer.

Glyphosat-Klagen Der Anstieg der Klagen kommt nicht überraschend: Drei Prozesse wurden bisher in erster Instanz geführt, alle drei hat Bayer verloren. Zwar haben die Richter jeweils die von den Geschworenen verhängten Schadenersatzsummen reduziert (und das teilweise deutlich). Doch in der Sache haben sie den Klägern stets recht gegeben, die den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup für ihre Krebserkrankung verantwortlich machen. Jede Niederlage bedeutet Aufwind für die US-Anwaltsindustrie, die Millionen in TV-Spots steckt, um neue Kläger gegen Monsanto zu gewinnen. „Der Anstieg der Glyphosat-Fälle auf über 18.000 ist besorgniserregend“, sagt Markus Manns, Portfoliomanager bei Union Investment. Damit wächst der Druck auf Bayer, sich auf teure Vergleiche einzulassen. Noch setzt Bayer zwar auf Berufungsverfahren: Man sei überzeugt, gute Argumente zur Verteidigung zu haben, und beabsichtige, sich in allen Verfahren entschieden zur Wehr zu setzen. Doch Bayer macht auch eine erste Tür auf: „Parallel wird sich Bayer konstruktiv in den Mediationsprozess einbringen, der von einem Bundesrichter in Kalifornien angeordnet wurde.“ Richter Vince Chhabria, bei dem Hunderte Klagen gebündelt sind, hat den Star-Mediator Ken Feinberg berufen, der auch die Entschädigung für die Opfer der Öl-Katastrophe (Deepwater Horizon) und der Anschläge vom 11. September organisierte. Auch das dürfte Kläger angezogen haben. Nun hat der Aufsichtsrat ein Ausschuss gebildet, der einen Weg finden soll, um die Klagewelle zu stoppen. Der nächste Prozess startet voraussichtlich am 19. August in St. Louis, hier ist die Zentrale von Monsanto.

Agrargeschäft Mit Monsanto ist Bayer zum größten Agrochemiekonzern der Welt aufgestiegen. Nun droht ausgerechnet diese Sparte die Bilanz zu verderben. „Das Crop-Science-Geschäft war im zweiten Quartal maßgeblich durch extreme Wetterbedingungen beeinflusst“, erklärt Bayer und verweist auf Überschwemmungen in den USA und Trockenheit in Europa wie Kanada. Zudem wirkt sich der Handelsstreit aus: Die US-Bauern leiden unter hohen Zöllen auf Soja, die China verhängt hat. Der mit 2018 vergleichbare Umsatz von Crop Science ging um fast zehn Prozent zurück. Bayer bangt nun um seine Prognose, obwohl das Geschäft mit rezeptpflichtigen Arzneien gut lief: „Bayer bestätigt die Prognose für 2019 – allerdings ist der Ausblick in Anbetracht des schwierigen Umfelds für das Crop-Science-Geschäft zunehmend ambitioniert“, teilte der Konzern mit. „Umsatz und Gewinn pro Aktie liegen leicht unter den Erwartungen, besonders Crop Science war schwach“, sagte Fondsmanager Manns. Es sei überrascht, dass Bayer seine Prognose, wenn auch mit Einschränkungen, überhaupt bestätigt habe.

Aktie Die Anleger reagierten nervös. Die Bayer-Aktie fiel um über vier Prozent auf gut 56 Euro und war stärkster Verlierer im Dax. In den vergangenen zwölf Monaten hat sie 40 Prozent verloren, 30 Milliarden Euro an Börsenwert gingen verloren. 2015 war die Aktie noch über 140 Euro wert. „Die deutliche Steigerung der offenen Rechtsfälle führt zu einem höheren Risiko aus Sicht des Kapitalmarkts und ist klar negativ zu bewerten“, sagte Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit bei der Deka Investment. „Weder die Höhe der finanziellen Belastungen noch die Dauer zur Beilegung der Rechtsstreitigkeiten sind derzeit absehbar.“ Die Ratingagentur Moody’s hat bereits Szenarien zur Höhe des Vergleichs durchgespielt: Im schlechtesten Fall kommen auf Bayer 20 Milliarden Euro zu und droht, seine gute Ratingnote zu verlieren. Schon jetzt hat der aggressive US-Fonds Elliott die niedrigen Kurse zum Einstieg genutzt. Nun wartet man in Leverkusen nervös, was der Investor vorhat.