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"Preise wie in Kitzbühel": Scharfe Kritik an Fahrpreiserhöhungen der Bahn

"Preise wie in Kitzbühel" : Scharfe Kritik an Fahrpreiserhöhungen der Bahn

Reservierungen 4,50 Euro, 2,9 Prozent Preiszuwachs im Nahverkehr, auch Bahncards werden teurer. Fahrgäste und Medien schütteln angesichts der neuen Preisrunde der Bahn verständnislos den Kopf. Tenor: Mehr denn je quält das Unternehmen seine Kunden mit Verspätungen, Service-Mängeln und überfüllten Zügen.Und erhebt nun noch eine Art Strafgebühr.

Am Montag wurde die Preiserhöhungen amtlich. Die Bahn dreht erneut an der Schraube. Wie immer einmal im Jahr, das ist so üblich geworden. Zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember erhöht die Deutsche Bahn die Preise, im Durchschnitt um 2,9 Prozent im Nahverkehr und 1,3 Prozent im Fernverkehr. Eine Ausnahme gibt es für Pendler auf Fernstrecken, etwa die von Köln oder Düsseldorf nach Berlin. Ein Zugeständnis an die Unannehmlichkeiten, die durch das Hochwasser entstanden sind. Die Umleitungen kosten 30 bis 60 Minuten Fahrzeit.

Teurer werden auch die Bahncards, mit denen man Tickets günstiger erwerben kann, wie Bahnvorstand Ulrich Homburg am Montag in Berlin ankündigte. Zudem steigt der Preis für eine Sitzplatzreservierung um 50 Cent auf 4,50 Euro. Das sind 12,5 Prozent mehr.

Vorstand Ulrich Homburg begründete die Erhöhung mit den gestiegenen Energiekosten und einem Tarifabschluss für Bahn-Bedienstete, der eine vierprozentige Lohnerhöhung vorsehe.

Doch diese Begründung wollen Kritiker nicht unwidersprochen lassen. Das Echo auf die neue Preisrunde der Bahn ist überwiegend kritisch. Fahrgastverbände stellten die Begründung infrage, Nutzer im Internet höhnten, zahlreiche Medien kommentierten mit ätzendem Unterton.

Die Verbände Der Verkehrsverband VCD kritisierte den Schritt als unangemessen. "Im Fernverkehr der DB AG sind keine Qualitätsverbesserungen erkennbar, die eine Preisanhebung rechtfertigen", erklärte der VCD-Vorsitzende Michael Ziesak in Berlin.

Etwas milder äußerte sich der Fahrgastverband Pro Bahn: "Wir hätten es sehr begrüßt, wenn die Deutsche Bahn das Preiskarussell gestoppt hätte", sagte Vize-Vorsitzender Gerd Aschoff. Zwar sei unverkennbar, dass die Kosten stiegen. Allerdings dürfe ein jeder Fahrgast für gutes Geld auch gute Leistung erwarten. "Wir sind aber erleichtert, dass es in diesem Sinne einige Ausnahmen von der Erhöhung gibt, etwa bei Pendlern, ermäßigten Bahncards und hochwassergeschädigten Fahrgästen", fügte Aschoff hinzu.

Auch der Verkehrsclub Deutschland bezeichnete die Preiserhöhungen als unverständlich, da sich die Leistungen im Fernverkehr nicht verbessert hätten. Die Bahn sei mit sehr alten Zügen unterwegs, die zudem immer voller seien. Die steigenden Fahrgastzahlen bei gleichzeitig steigenden Spritpreisen machten es der Bahn dennoch möglich, die Preise zu erhöhen.

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Die Medien In zahlreichen Kommentaren in den Medien stößt die Ankündigung der Bahn auf entschiedenen Widerspruch. "Nicht zu rechtfertigen", urteilt etwa die Frankfurter Rundschau. Sie verweist darauf, dass die Preise der Bahn weitaus stärker steigen als die aktuelle Inflationsrate von 1,6 Prozent.

Die SüdWest Presse erinnert ungnädig an die Blamage von Mainz, als im Sommer wegen Personalmangels ein ganzer Bahnhof schließen musste, die Neue Westfälische kritisiert den Zuschlag für Reservierungen als dreiste "Strafgebühr" für Kunden, die sich in chronisch überfüllten Zügen einen Sitzplatz sichern wollen.

User und Leser Noch drastischer äußerten sich Leser in den Kommentarbereichen von RP ONLINE: "Eine Unternehmensführung, Kundenorientierung und Streckenplaneinhaltung wie ein Ochsenkarrentransport in Burkina Faso, allerdings ein Preisniveau wie Immobilien in Kitzbühel.
Daumen runter!", ätzt ein User. "Ich werde, bei der nächsten Fahrkartenkontrolle ebenfalls eine Betriebsstörung haben", schreibt ein anderer. Fast alle verweisen auf die Pannenserien, die die Bahn seit Jahren begleitet.

Auch bei Twitter sind die Preiserhöhungen ein Thema. Die von manchem erhoffte große Empörungswelle blieb allerdings bisher aus.

Deutsche Bahn senkt Fahrpreise ab Dezember. Erhöht! Erhöht - is' klar, oder?

Die Bahn rechtfertigt die Preiserhöhungen von 3% mit Mehrausgaben durch Schadenersatzzahlungen wegen Verspätungen und Ausfällen, oder?

Pro Shitstorm auf die Deutsche Bahn aufgrund der Preiserhöhungen!

Hier geht es zur Bilderstrecke: Strafgebühr statt Service - Reaktionen auf Preiserhöhung der Bahn

(dpa)