Sanella verliert vor Gericht Klage gegen Mogelpackung erstmals erfolgreich

Düsseldorf/Hamburg · Immer wieder erhöhen Unternehmen versteckt ihre Preise. Die Verbraucherzentrale Hamburg klagt dagegen – und hat nun erstmals Erfolg. Was der Fall Sanella für die Industrie bedeutet.

Mit der Streichcreme habe das Unternehmen Upfield laut Urteil Verbraucher getäuscht.

Mit der Streichcreme habe das Unternehmen Upfield laut Urteil Verbraucher getäuscht.

Foto: dpa-tmn/Franziska Gabbert

Statt 500 Gramm füllte das Unternehmen Upfield in ihr Produkt Sanella nur 400 Gramm Streichfett – ohne das für Verbraucherinnen und Verbraucher explizit transparent zu machen. Die Verbraucherzentrale Hamburg klagte dagegen und das Landgericht gab ihnen Recht. Demnach habe Upfield mit der Mengenänderung 2022 seine Kundinnen und Kunden zumindest anfangs in die Irre geführt, so das Landgericht Hamburg. Es ist die erste Klage gegen sogenannte Mogelpackungen, die bislang Erfolg hat.

Kostenpflichtiger Inhalt Immer wieder kommt es dazu, dass Hersteller versteckt ihre Preise erhöhen: Neben oder anstelle herkömmlicher Preiserhöhungen wird der Inhalt von Produkten reduziert, wodurch die Artikel teils drastisch teurer werden. Die sogenannte Shrinkflation ist zwar nicht illegal, laut Verbraucherzentrale aber „äußerst intransparent“. Bekannter wurde im vergangenen Jahr auch die Skimpflation – hierbei werden oft teurere Zutaten eingespart und mit günstigeren Alternativen ersetzt. Die Verbraucherzentrale Hamburg geht immer wieder mit Abmahnungen und Klagen gegen Mogelpackungen vor.

Bei der erstmals erfolgreichen Klage begründet das Gericht seine Entscheidung wie folgt: „Der Vertrieb der 400-Gramm-Packung ohne deutlich sichtbaren aufklärenden Hinweis über die geänderte Füllmenge ist jedenfalls für einen Zeitraum von drei Monaten irreführend.“ Die veränderte Füllmenge würden „Durchschnittsverbraucher“ nicht registrieren. Laut Urteil hätte demnach im Umstellungszeitraum von drei Monaten ein Hinweis zur geänderten Füllmenge auf der Verpackung ergänzt werden müssen. Für Hersteller bedeutet das, dass sie nicht mehr weniger Inhalt in gleich großen Verpackungen verkaufen dürfen, ohne anfangs auf die geringere Füllmenge hinzuweisen. Auf Anfrage unserer Redaktion begründet Upfield die Verkleinerung der Füllmenge mit Kostensteigerungen entlang der gesamten Lieferkette. „Uns war es wichtig, dennoch weiterhin erschwingliche Produkte zu einem attraktiven Preispunkt anzubieten, ohne Kompromisse bei der Qualität einzugehen“, so das Unternehmen.

Auch bei seinen Marken Rama, Lätta und Becel hatte Upfield im Sommer 2022 die Füllmengen reduziert. Die Verbraucherzentrale Hamburg erreichte hunderte Beschwerden. Dabei ging es vielen Menschen auch um die Auswirkungen auf die Umwelt. Für 1000 Tonnen Streichfett werden wegen der geringeren Füllmenge nun eine halbe Million Plastikbecher mehr benötigt, so das Argument. Als Folge wurde Rama zur Mogelpackung des Jahres 2022 gewählt. Den Negativpreis für vergangenes Jahr erhielten die Tuc Bake Rolls von Mondelez.

Die Verbraucherzentralen fordern schon lange mehr Transparenz auf dem Lebensmittelmarkt. „Die Politik muss Verbraucherinnen und Verbraucher besser vor Täuschungen wie bei Sanella schützen“, sagt Lebensmittel-Experte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Was eine Mogelpackung sei, lasse sich rechtlich meist schwer feststellen. Ein erster Schritt: Laut einem Eckpunktepapier des Umwelt- und Verbraucherschutzministeriums müsse sich bei geringerem Inhalt auch die Verpackung des Produkts verkleinern. Auch auf EU-Ebene wird derzeit eine neue Verordnung verhandelt, wonach Verpackungen, die lediglich das Volumen eines Produkts vergrößern, nicht mehr in den Handel gebracht werden sollen.

(clv)
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